Schwester Margret leitet die Franziskusstube in Stuttgart. Sie weiß, was ehrenamtliches Engagement bedeutet – und sitzt deshalb in der Jury zum Stuttgarter des Jahres.

Stuttgart - Es ist keine schöne Ecke in Stuttgart, schon gar nicht an einem tristen Herbstmorgen um zwanzig nach acht im Nieselregen: Beton, ein Sexshop, ein Wettbüro, ein Goldaufkaufladen und der Geruch menschlicher Überbleibsel der Nacht. Die Paulinenstraße unterhalb der Paulinenbrücke und die Gegend drum herum sind ein sozialer Brennpunkt. Hier schlafen Menschen im Park und unter der Brücke: Drogenabhängige, Alkoholiker und andere an der Gesellschaft zerschellte Männer und Frauen.

Doch wer die Schwelle des Hauses mit der Nummer 18 überschreitet, lässt einen Teil seiner Not hinter sich – zumindest für die Zeit eines Frühstücks. Das gibt es in der Franziskusstube gratis mit einer Portion Zuwendung. Für beides ist Schwester Margret zuständig. „Hier gibt es nicht nur Kaffee, Wurst und Käse“, sagt die Franziskanerschwester. „Hier gibt es auch Ordnung und Frieden in teilweise zerstörten Leben.“

Jeden Morgen von 7 bis 9.30 Uhr sind die Gäste willkommen. Die 67-jährige Schwester Margret spricht gern von „ihren Leuten“. Überhaupt hat die Franziskusstube etliche Stammgäste. Die Chefin kennt jeden von ihnen und sorgt sich um jeden. „Ihr müsst mehr auf euch achten“, sagt sie. „Sonst seht ihr bald aus wie die Masken an Halloween.“ Aber es gibt auch Menschen, Junkies etwa, die nur sporadisch auftauchen – und die manchmal auch Ärger machen. „Dann muss ich durchgreifen“, sagt die Ordensfrau entschlossen, „aber ich kann mir Respekt verschaffen“.

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