InterviewStuttgarter Elternbeiratsvorsitzende Eltern wollen wissen, wie sie Lehrer einschätzen können

Lokales: Inge Jacobs (ja)
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Wie sollen Kinder einen angemessenen ­Respekt lernen, wenn ihnen die Eltern das Gegenteil vorleben?
Das ist schwierig, zumal Eltern ja meist, wenn sie selbst im Gespräch mit jemandem sind, auch nicht gestört werden wollen. Aber das Verhalten der Eltern ist ja kein ­böser Wille. Sondern es hat auch damit zu tun, dass die Eltern ein ungeheures ­Kommunikationsbedürfnis haben. Sie ­wollen auch wissen, wie sie einen Lehrer einschätzen können. Und sie wollen nicht nur in die Schule kommen, wenn es Ärger gibt. Sie wollen auch als Teil dieser Schulwelt akzeptiert sein.
Was schlagen Sie vor?
Schulen könnten überlegen, wie sie informelle Treffen anbieten können – etwa ein Elterncafé, wo auch die Lehrer der Klasse da sind. Eltern haben ein großes Bedürfnis zu wissen, was in der Schule läuft und auch wie. Was die Kinder lernen und wie sie es lernen. Das hilft Eltern dann auch zu ­akzeptieren, dass es eben nicht den korrekten Heftaufschrieb gibt wie früher bei uns.
Tatsache ist, dass das Verhältnis zwischen Eltern und Schule vielfach in Missbalance ist. Das ist keine gute Basis.
Stimmt. Dieses Misstrauen besteht auf ­beiden Seiten. Aber manchmal lohnt es sich, wenn Lehrer nach den Hintergründen fragen, auch für die Ängste. Vielleicht steht ja ein realer Vorfall dahinter. Und manchmal ist es auch wichtig, dass Eltern über die Gründe Bescheid wissen. In der Grundschule meiner Kinder sind die Toiletten ­abgeschlossen, in jeder Klasse gibt es zwei Schlüssel: für die Jungenklos, für die ­Mädchenklos. Die Kinder müssen fragen, kriegen den Schlüssel und werden zu zweit aufs Klo geschickt. Jedes Jahr gibt es ­Erstklässlereltern, die sich darüber aufregen. Man muss ihnen und auch den Kindern erklären, dass es nach einem Beschluss der Schulkonferenz eingeführt wurde, nachdem in München ein kleines Mädchen von einem Mann vergewaltigt wurde, der sich in der Schultoilette versteckt hatte. Wenn Eltern wissen, dass die Maßnahme zur Sicherheit ihrer Kinder ist, hat doch niemand was dagegen.




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