OB Fritz Kuhn berichtet am Dienstag im Umwelt- und Technikausschuss über die Schließung des Fernsehturms. Bei der Feuerwehr kritisiert man unterdessen die Informationspolitik der Stadtverwaltung.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - An seinem 99. Amtstag als Oberbürgermeister berichtet Fritz Kuhn (Grüne) im Umwelt- und Technikausschuss über das Thema, das das beherrschende seiner 100-Tage-Bilanz ist: über die Schließung des Fernsehturms. Das Wahrzeichen ist am Dienstag seit 20 Tagen geschlossen.

In dieser Zeit ist zwar viel diskutiert worden über die fehlenden Fluchtwege aus dem Turm und über das Konzept zur Brandvermeidung in Kanzel und Schaft. Aber es fehlen noch etliche Antworten zum Ablauf der Schließung und zur Kommunikation in der Karwoche, als die Entscheidung überraschend verkündet wurde.

Am 99. Amtstag muss der OB die Entscheidung erklären

Ob Kuhn, der eine umfassende Aufarbeitung der „Brandschutzgeschichte“ versprochen hat, dabei schon sagen kann, warum die Frage nach den fehlenden Rettungswegen in den vergangenen 57 Jahren nie so rigoros beantwortet wurde wie nach der Brandschutzschau in diesem Frühjahr, wird sich zeigen. Denn wie der Oberbürgermeister im Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagte, ist das Hauptproblem das Feuer im Schaft.

Dabei stellt nicht nur der Rauch ein Problem dar, weil das Treppenhaus gegen diesen nicht abgeschottet ist. Auch die Hitze, die dabei entstehen kann, ist eine Gefahrenquelle. Schließlich seien die Treppe und die Aufzugseile aus Stahl und könnten irgendwann nachgeben, wenn es zu heiß würde. Damit wären die Rettungswege abgeschnitten, auch nachdem der Rauch abgezogen ist. Zudem gilt die Treppe als zu schmal und zu steil, um als Fluchtweg zu zählen.

Dass es im Schaft brennen könnte, hatte der Feuerwehrchef Frank Knödler in der vergangenen Woche bestätigt. Zwar seien viele Kabel mit schwer entflammbaren Materialien ummantelt, aber längst nicht alle. Schmelzen diese, entstehen giftige Dämpfe.

Was, wenn es im Fernsehturm brennt?

Doch nicht nur Rauch und Hitze im Schaft schneiden den Menschen im Ernstfall den Weg ins Freie ab. In Feuerwehrkreisen spricht man noch von einem Problem, das bisher in der Diskussion keine große Rolle gespielt hat: Selbst wenn man funktionierende Rettungswege im Turm hinbekäme, ist eine Rettung nur dann möglich, wenn man die Menschen auch ins Freie bringen kann. „Wenn es im Eingangsbereich brennt, bringt es nichts, wenn man noch so gute Fluchtwege im Turm hätte. Man bekäme die Leute an der Stelle vorbei dann nicht aus dem Gebäude raus“, sagt ein Feuerwehrmann. Hinzu komme, dass die Retter mit ihren Atemschutzgeräten gerade mal genügend Sauerstoff dabei hätten, um im Falle eines verrauchten Schachtes eine Strecke auf der Treppe zurückzulegen: „Nach 15 Minuten ist die Flasche leer.“

Das ausführliche Einsatzkonzept der Feuerwehr unterscheidet nicht zwischen den möglichen Brandorten im Turm. Es legt – wie für dieses Papiere üblich – fest, von welcher Wache und welcher Freiwilligen Wehr wie viele Kräfte ausrücken. Maßgeblich dafür ist zunächst, wie viele Personen in Gefahr sind. Über Szenarien, was einen Brand im Schaft von einem in der Kanzel unterscheide, könne er nichts sagen, sagte Andreas Scharf, der Referent des OB, auf Anfrage.

Die Feuerwehr kritisiert, dass sie zu wenig Informationen hat

Bei der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr in der Stadt redet man aber zurzeit nicht nur über die praktischen Probleme, die sich im Falle eines Brandes ergeben würden. Auch die Kommunikation der Rathausspitze wie der Leitung der Feuerwehr wird kritisiert. Niemand habe sich seit der Schließung des Turms am Gründonnerstag dazu geäußert, ob sich für die Einsatzkräfte etwas geändert habe. Für den Brandfall gibt es Notdienstpläne, auch ist das Personal des Turms eingebunden. So sollen etwa die Fahrstuhlführer helfen, wenn die Wehrleute mit den Lifts zur Kanzel hochfahren müssten, nennen Insider ein Beispiel. „Aber dass die gar nicht mehr arbeiten, das wissen wir nur aus der Zeitung.“ Auf diesem Weg erfuhr die Wehr auch von der Tatsache, dass der SWR das Licht ausgeschaltet habe. Ob und wann die Techniker noch oben seien, die zum Teil in Feuerwehrmaßnahmen eingewiesen seien, wisse niemand. Eine Gefahr stelle das freilich nicht dar, die Wehrleute würden „auf jeden Fall reinkommen“, wenn etwas passiert, „und wir sind es auch gewöhnt, dass der Strom ausfällt und wir im Dunkeln arbeiten müssen“. Verwunderlich sei das Kommunikationsverhalten dennoch. „Eine Mitteilung, ob alle Einsatzpläne weiterhin gelten und was anders ist, wäre angebracht gewesen“, erklärten die Wehrleute.

Während die Rettungskräfte noch rätseln, warum sie nichts erfahren haben, war am Montag Betrieb im gesperrten Turm. Die Gutachter des Büros Halfner und Kirchner waren aber nicht dort. Es sei lediglich ein internes Mitarbeitertreffen gewesen, hieß es vom SWR gestern Abend. Noch wälzen und prüfen die Mitarbeiter des Ingenieurbüros Pläne und Unterlagen.