Die OB-Kandidatin der SPD und die Gewerkschaft unterstützen sich gegenseitig. Wilhelm will sich gegen die Niedriglöhne am Flughafen einsetzen, an dem die Stadt Anteile hält.

Stuttgart - Die SPD-Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart, Bettina Wilhelm, hat den in den Tochterfirmen der Flughafengesellschaft (FSG) und Fremdfirmen beschäftigten Teilzeitkräften zugesichert, sich im Falle ihrer Wahl für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzusetzen. Die Stadt ist mit 35 Prozent an der Flughafen GmbH beteiligt, das Land mit 65 Prozent. „Ich werde systematisches Lohndumping nicht akzeptieren und initiativ werden“, sagte sie im Gespräch mit Markus Kohler, dem Stuttgarter Chef der Komba-Gewerkschaft. Dieser sicherte wiederum Bettina Wilhelm Unterstützung für den Wahlkampf zu. Er selbst steht bereits auf der Unterstützerliste der von der SPD nominierten parteilosen Bewerberin.

Gewerkschaft woll Haustarif aushandeln

Kohler kann sich in seinem Kampf um die Verbesserung der Arbeitsverhältnisse bei den Töchtern der Flughafen GmbH sowie anderen Drittanbietern wie der Firma Losch Airport Service GmbH, der als Ziel den Abschluss von Tarifverträgen hat, auch der Unterstützung von Bundespräsident Joachim Gauck sicher sein. In einem Schreiben teilte das Bundespräsidialamt Kohler nun mit, der erste Mann im Staate freue sich, dass es die Komba-Gewerkschaft geschafft habe, bei Losch einen Betriebsrat zu gründen. Die respektable Wahlbeteiligung sei der Beleg dafür, dass sich das Engagement gelohnt habe. „Für Ihre verantwortungsvolle Aufgabe wünsche ich Ihnen viel Erfolg“, ließ Gauck ausrichten. Der Komba-Vorstand hat am Donnerstag beschlossen, sich am 11. September im Rahmen einer Mitgliederversammlung des Bodenabfertigers Airport Ground Service (AGS) das Plazet für die Aufnahme von Tarifverhandlungen geben zu lassen. Die AGS gehört zu 60 Prozent der Flughafen GmbH und zu 40 Prozent der Losch Airport Service. Kohler sagt, er gehe nicht davon aus, dass die Eigentümer die Forderungen der Gewerkschaft sofort akzeptieren würden. Die Begründung, höhere Gehälter würden die FSG-Tochter unwirtschaftlich machen, teile die Gewerkschaft allerdings nicht. Die AGS werde arm gerechnet, etwa indem horrende Mieten für die Überlassung von Infrastruktur angesetzt würden. Die OB-Kandidatin Wilhelm ist der Meinung: „Gute Arbeit muss auch ordentlich bezahlt werden.“ Systematisches Lohndumping dürfe es am Flughafen nicht geben. Sie plädiere für einen branchenübergreifenden gesetzlichen Mindestlohn. „Es ist erschreckend, dass durch den Niedriglohnsektor immer mehr Normalarbeitsverhältnisse verdrängt werden.“