FSV Waldebene Ost gegen VfB Stuttgart VfB-Frauen kassieren im Oberliga-Derby erste Saisonniederlage

Top-Torjägerin ohne Durchschlagskraft: Jana Beuschlein (links) und ihre Teamkolleginnen vom VfB sorgten im Spiel beim FSV Waldebene nur selten für Gefahr. Foto: Günter Bergmann

Teamgeist siegt über individuelle Klasse: Der FSV Waldebene Ost bringt dem VfB Stuttgart die erste Saisonniederlage bei, wonach der Topfavorit seine Tabellenführung in der Oberliga los ist. Kritik gibt es vom Trainer Heiko Gerber.

In der aktuellen Saison der Frauenfußball-Oberliga waren die Spiele mit Beteiligung des VfB Stuttgart stets einem bestimmten Strickmuster gefolgt: Die Mannschaft von Trainer Heiko Gerber ist überlegen; irgendwann schießt sie, vorzugsweise in Person der bundesliga-erfahrenen Jana Beuschlein, ein Tor, dem noch einige weitere folgen; am Ende gewinnt die Truppe aus Cannstatt und wird damit ihrer Favoritenrolle gerecht. Doch an diesem Sonntag hat der bis dahin makellose rote Lack des Aufstiegsanwärters eine gewaltige Schramme abbekommen: erste Saisonniederlage, Tabellenführung futsch, Stadtmeisterschaft vergeigt. Und das alles nur, weil der Lokalrivale FSV Waldebene Stuttgart-Ost bei seinem 2:1-Erfolg vieles richtig gemacht hat, was beim VfB an diesem Tag eben nicht so richtig klappen wollte.

 

Kritik von VfB-Coach Gerber

„Wir wollten ihnen zeigen, dass wir ein Team sind“, sagte die Waldebene-Trainerin Lena Mowlai. Mannschaftliche Geschlossenheit, Konterfußball – das waren Tugend und Taktik, auf die die Gastgeberinnen setzten. Wohl wissend, dass es ihnen in der vergangenen Saison ja auch schon gelungen war, die Cannstatterinnen zu schlagen. Und es gab ja noch einen besonderen Motivationsfaktor: „Auf das Spiel haben wir das ganze Jahr über hingefiebert“, sagte Mowlai. Was durchaus zu bemerken war. „Ich habe das meiner Mannschaft gesagt“, betonte Mowlais Amtskollege vom VfB. Die hat zu Gerbers Missfallen aber wohl nicht so recht zugehört: „Leistung nicht abgerufen, Zweikämpfe nicht angenommen – dann verliert man so ein Spiel“, kritisierte er.

Besonders auffällig war die mangelnde Durchschlagskraft der Gäste. Zwar kontrollierte der Spitzenreiter das geschehen weitgehend. Aber paradoxerweise war der Verein für Bewegungsspiele, der statistisch betrachtet den besten Angriff der Liga stellt, in seinen Offensivbemühungen eher statisch unterwegs. Am meisten Torgefahr erzeugten die VfB-Frauen bei Standardsituation – aus dem Spiel heraus gelang ihnen gegen die ebenso beherzt wie früh attackierende FSV-Mannschaft nur wenig. Und wenn, dann fehlte es den Aktionen wahlweise an Tempo, Präzision oder Übersicht. Das galt allerdings auch für die Gastgeberinnen, denen bei einigen ihrer Gegenstöße etwas mehr Mut gut zu Gesicht gestanden hätte.

Zweimal abgefälscht, zweimal Tor

So mag es nicht überraschen, dass die drei Treffer durchweg aus Situationen resultierten, die man nur mit viel Zuversicht als Torchance bezeichnen kann. Zum 1:0 hielt die agile Franka Zimmerer bei einem Konter in Ermangelung von Anspielstationen einfach mal drauf (56.). Der Schuss war weder besonders hart noch besonders platziert, wurde aber durch ein Cannstatter Abwehrbein so abgefälscht, dass sich das Spielgerät über die VfB-Keeperin Besarta Leci ins Tornetz senkte. Und bei Treffer Nummer zwei, für den in der 67. Minute Kathrin Keubler verantwortlich zeichnete, verhielt es sich ähnlich. Auch Keublers Distanzschuss aus etwa 25 Metern bekam noch eine ebenso unabsichtliche wie entscheidende Richtungsänderung verpasst.

Der Rückstand schien die Gäste jedoch noch einmal anzustacheln. Was dann immerhin den Anschlusstreffer von Leonie Kopp einbrachte. Sie war nach einem Eckstoß von Laureta Temaj per Kopf erfolgreich. Doch zu mehr rechte es dem Favoriten VfB Stuttgart trotz angedeuteter Schlussoffensive nicht.

Tabellenführung damit weg

Apropos reichen: Während die Cannstatterinnen Platz eins an den nunmehr als einziger Club im Klassement ungeschlagenen SC Sand II abgeben mussten, kann sich der FSV Waldebene über die Titelverteidigung der inoffiziellen Stadtmeisterschaft freuen. Und zwar bis zum 26. Mai 2024 – dann steht das Rückspiel in Cannstatt an.

FSV Waldebene Stuttgart-Ost: Titze – Brandtner (88. Buhr), Sophie Schwägler, Catharina Schwägler, Schmid – Schneider (90.+3 Pocesny) – Keubler, Zürn, Vural (77. Stecher) – Zimmerer (90.+3 Namdar), Schmitt (58. Frisch).

VfB Stuttgart: Leci – Nadine Gairing, Temaj, Philipp – Fliege, Baumann (75. Freier) – Kopp, Selensky (71. Sophie Gairing), Fleischmann (58. Castor) – Spengler, Beuschlein.

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