Stuttgarter Frühlingsfest Die Plastikrosen-Kavaliere

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Die nächste Generation der Kulissenmaler rückte mit der Pistole an. Uwe Wenzel arbeitete als Modellbauer, aber der Handwerker träumte vom Malen, schon seit er als Junge Indianer zeichnete. Ende der 1980er-Jahre war die Airbrush-Technik in Mode gekommen: halbnackte Frauen prangten auf Motorhauben, die gesprühten Motive zierten Jeans und Blusen. Für 400 Mark kaufte sich Uwe Wenzel eine Airbrushpistole, er schnitt Schablonen zurecht, zeichnete Skizzen und beschloss eines Tages, mit seinen Arbeitsproben auf den Cannstatter Wasen zu gehen. Wenzel sprach die Schausteller an, verteilte seine Visitenkarten und hatte kurze Zeit später seinen ersten Auftrag.

 

 

 

 

Uwe Wenzel hat mit seiner Airbrushpistole Wasenstände bemalt Foto: privat
Seitdem hat der 51-jährige rund zwanzig Stände und Fahrgeschäfte bemalt, aus seiner Pistole stammen unter anderem das Stuttgarter Pfeilewerfen, ein Süßigkeitenstand, der Früchtespieß und Schießstände, an denen sich Plastikrosen-Kavaliere versuchen. „Meist haben die Schausteller eine genau Vorstellung davon, was sie wollen“, erzählt Uwe Wenzel. Wenn das Thema feststeht, sucht er nach Bildmaterial, das ihn inspiriert. Als er auf dem Wasen anfing, zeichnete er seine Entwürfe auf dem Reißbrett, inzwischen entwirft er das Design neuer Stände und Fahrgeschäfte am Computer.

 

 

 

 

Porträts von Clint Eastwood und John Wayne

Dabei macht Uwe Wenzel den Spagat zwischen Moderne und Nostalgie, je nach Auftrag. „Bei den Fahrgeschäften ziehen aktuelle Motive am Besten“, erzählt er. Doch als er einmal einen Schießwagen in Western-Optik besprühen sollte, bediente er sich bei den Kinohelden seiner Jugend. So stammen die Porträts von Clint Eastwood, Charles Bronson und John Wayne, die oft auf dem Wasen zu sehen sind, aus der Werkstatt von Uwe Wenzel. Inzwischen drängen jedoch längst neue Verfahren auf den Markt, per Foto-Druck werden ganze Einzelteile beklebt, „das kostet nur ein Zehntel“, erzählt Uwe Wenzel, für den das Wasengeschäft schon einmal mehr abgeworfen hat, als heute.

In der Nähe von Bremen arbeitet Klaus Hriesik, dessen Firma schon seit 30 Jahren im Geschäft ist: „Heute ist die Technik bei neuen Fahrgeschäften oft so teuer, dass der Maler nichts mehr kosten darf“, erzählt Hriesik, der beobachtet, dass auf dem Rummel gespart wird, wenn es um die Optik geht. „Mittlerweile kommen viele Fahrgeschäfte aus Polen oder aus Ungarn, die Billigkonkurrenz hat Einzug gehalten.“ Klaus Hriesik bedauert diese Entwicklung, die seiner Meinung auch damit zusammenhängt, dass es vielen jüngeren Schaustellern aus der Erbengeneration nur um den schnellen Euro gehe.