Stuttgarter Frühlingsfest Mauro - der Mann, der (fast) jeden Tag auf dem Wasen feiert
Der Stuttgarter Friseur Mauro Deidda liebt das Frühlings- und Volksfest wie kaum ein anderer. Wie schafft er es, fast täglich am Wasen zu feiern?
Der Stuttgarter Friseur Mauro Deidda liebt das Frühlings- und Volksfest wie kaum ein anderer. Wie schafft er es, fast täglich am Wasen zu feiern?
„Ich habe es immer geliebt, auf den Wasen zu gehen – bis heute“, sagt Mauro Deidda voller Überzeugung. „Es ist einfach mein Ding.“ Besonders gefällt ihm, dass die Menschen Stress und Sorgen zu Hause lassen und zum Feiern aufs „Feschtle“ kommen. „Hier kann ich positive Energie tanken: Freunde sind dabei, wir essen, trinken, feiern. Und es wird immer internationaler. Top!“
„Solche Gäste kann man sich nur wünschen“
Kein Wunder also, dass der 58-Jährige fast jeden Abend auf dem Gelände von Frühlings- und Volksfest unterwegs ist. In den Bierzelten gehört er längst zum Inventar, nickt Security-Mitarbeitern beim Vorbeigehen lässig zu und fällt Barchefs, -chefinnen oder anderen Verantwortlichen herzlich in die Arme.
Klar, dass es dann erst einmal Kurze aufs Haus gibt. „Wie viele Espresso-Martini-Shots wollt ihr?“, fragt Gordana Lamesic vom Göckelesmaier-Festzelt ganz selbstverständlich.
Der Friseur ist auf dem Frühlingsfest bekannt wie ein bunter Hund und besitzt inzwischen seine achte oder neunte Lederhose. Die Einlassbändchen? Kaum noch zu zählen. Das habe viel mit Sympathie zu tun. „Solche Gäste kann man sich nur wünschen“, betont die Barchefin.
Im Schlitten durch das Bierzelt – Mauro darf
Und in der Almhütte Royal reicht manchmal schon ein kurzer Blick: Mauro darf mit seinen Freunden – auch unter der Woche – mit dem an der Decke befestigten Schlitten durch das Zelt „schweben“. Ist das nicht sonst Promis und Bürgermeistern vorbehalten? Man weiß es nicht. Fest steht: Mauro darf.
Inzwischen ist er häufiger in den Bierzelten unterwegs. Das war nicht immer so: Schießen, Boxauto fahren und andere Klassiker entdeckt er gerade wieder für sich. „So schafft man besondere Erinnerungen.“
Wechselt er das Zelt, hört man seine Freunde und Bekannten oft schon von Weitem rufen: „Da kommt er ja, der König vom Wasen!“ Es ist ein bisschen wie auf einem Konzert – alle kennen ihn, viele mögen ihn, und vor allem wollen alle mit ihm feiern.
Deshalb ist Mauro selten mit derselben Gruppe unterwegs. „Immer verschiedene Leute – wer halt Lust hat. Die wissen ja alle, dass ich sowieso gehe“, sagt er mit einem Lächeln. Manchmal geht er auch allein – schließlich kennt er in den Zelten genug Menschen. „Aber wenn Mauro ruft, sind wir in der Regel da“, wirft Martin Köder ein, der für seinen Freund extra 480 Kilometer von Bielefeld nach Stuttgart gefahren ist. „Das Schöne an Mauro ist, dass er das Leben genießt.“
Zum Frühlingsfest gehört für den beliebten Wasen-Gast natürlich auch das Bier. Finanzielle Sorgen bereitet ihm das nicht: „Es ist nicht teurer, als in der Stadt essen zu gehen. Und hier bekommt man Unterhaltung dazu – ich finde die Preise absolut in Ordnung. Die Menschen müssen schließlich auch Geld verdienen.“ Ob Mauro so zum „Überleben“ des Wasens beiträgt? Vielleicht. „Ich versuche einfach, meinen Spaß zu haben“, sagt er.
Und müde? Fehlanzeige. „Warum auch? Ich gehe jeden Tag um Mitternacht ins Bett – außerdem bin ich ein Nachtmensch. Ich liebe es, abends unterwegs zu sein. So kennt man mich.“
Auch in der Stadt eine Ausgeh-Legende
Genau genommen ist Mauro nicht nur auf dem Wasen eine feste Größe. Der gut gelaunte Stuttgarter mit italienischen Wurzeln, der in Bad Cannstatt aufgewachsen ist, mischt sich auch am Wochenende gern unter das Partyvolk. Er schüttelt Hände, wird erkannt, umarmt – von feierfreudigen Gästen quer durch alle Generationen, etwa bei Rave-Events im Mos Eisley Oberstübchen.
Der Haarstylist, der seinen Job liebt – „Ich könnte nie etwas anderes machen!“ – zählt DJs, Türsteher, aber auch Omis und Opis zu seinen Kunden. Kein Wunder: Seit 34 Jahren betreibt er seinen Salon in Stuttgart-West. „Logisch, dass man da viele Leute trifft und kennt. Ich lieb’s!“