Stuttgarter für Social Design Award nominiert „Das kleine Parkraumwunder“ könnte bald ein Großes werden

Von Christoph Masurek 

Das Projekt des Stuttgarter Gerhard Wollnitz wurde für den Social Design Award nominiert. Im Sommer diesen Jahres erfreute das emissionsfreie Gefährt viele Stuttgarter Bürger, doch Wollnitz’ Kampf für eine größere Nutzung des öffentlichen Raumes geht weiter.

Zehn Erwachsene oder zwanzig Kinder können auf dem kleinen Parkraumwunder von Gerhard Wollnitz Platz nehmen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Zehn Erwachsene oder zwanzig Kinder können auf dem kleinen Parkraumwunder von Gerhard Wollnitz Platz nehmen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Der Stuttgarter Gerhard Wollnitz und sein „kleines Parkraumwunder“ wurden für den Social Design Award von Spiegel Wissen und Spiegel Online nominiert. Zum dritten Mal sucht man die lebenswerteste Straße oder den innovativsten Gedanken für die Nachbarschaft. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert.

Im Sommer hatte der Designer das 200 Kilogramm schwere, 3,60 Meter lange und 1,80 Meter breite Gefährt erstmals in der Innenstadt von Stuttgart präsentiert. Mit 20 Kilometern die Stunde gehört Wollnitz’ Wagen sicher nicht zu den schnellsten Fahrzeugen der Stadt, dafür aber zu den gemütlichsten und emissionsfreisten – denn der Designer zieht den Wagen selbst. Zwanzig Kinder oder zehn Erwachsene finden auf der „Geh-Klasse“ Platz, um gemeinsam zu entspannen.

Sein Ziel ist es, Leute wieder einzuladen, mehr Zeit im öffentlichen Raum zu verbringen. Die Stadt sei ein Ort geworden, der von parkenden Autos bewohnt werde. Dank einer Gesetzeslücke konnte er sein Projekt realisieren und das Parkraumwunder kostenfrei auf Parkflächen abstellen und durch die Stadt fahren.

Schluss mit den nächtlichen Ausflügen

Nachdem sein Gefährt im Sommerdreimal gestohlenoder zumindest ausgeliehen wurde, entschloss er sich eine Wegfahrsperre zu installieren, sodass angetrunkene Feierwütige oder genervte Bürger nicht noch einmal eigenständig für eine Verschiebung des Parkraumwunders sorgen können.

„Danach ist meinem Parkraumwunder nichts mehr passiert“, berichtet Wollnitz. „Im Gegenteil, die Menschen haben gemerkt, wie toll das Parkraumwunder sein kann. Wenn ich es vor Gaststätten oder Cafés abgestellt habe, hatten die Gäste im Sommer rund zehn Sitzplätze mehr. Sobald ich weitergezogen bin, wurde das Parkraumwunder schmerzlich vermisst.“ Selbst viele Gegner der Parklets waren von Wollnitz’ Idee angetan, denn sein Gefährt wirke gegen die Parklets viel charmanter und angenehmer. Mit dem Beginn der regnerischen Tage möchte Wollnitz sein Parkraumwunder zurück in die Werkstatt bringen. Zusammen mit einem Unternehmer aus der Druckerbranche aus Gerlingen möchte er sein Projekt optimieren und mit einem Fahrwerk, welches aus einem 3D-Drucker gedruckt wurde, ausstatten.

Das nächste Wunder folgt bestimmt

Auf seiner Facebook-Seite „Das kleine Parkraumwunder“ ruft Wollnitz seine Fans dazu auf, bei dem Preis für sich zu stimmen. Mit einem Teil des Geldes würde er sich – zu Fuß natürlich - auf den Weg in die Südsee machen. Mit dem größeren Teil des Geldes aber, würde er die nächste Offerte im öffentlichen Raum in Angriff nehmen. Dazu habe er schon genaue Vorstellungen: „Während des Feinstaubalalarms wird weiterhin für passive Fortbewegung geworben, im Hinblick auf Bus und Bahn. In Stuttgart spricht man aber viel zu wenig über Fahrräder und die Möglichkeiten des Laufens. Schließlich können wir hier dank unserer Stäffele die Stadt optimal zu Fuß durchqueren.“

Schuld an den wenigen Fahrradfahrern seien die Gebäude aus der Gründerzeit, die mit ihren engen Fluren und tiefen Kellern nicht gerade Fahrrad-freundlich seien. Deswegen tüftelt der Designer bereits an einem Entwurf für eine mobile und überdachte Parkmöglichkeit für Fahrräder.

Bis zum 31. Oktober kann auf Spiegel Online für den kreativsten Beitrag gevotet werden.




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