Stuttgarter Fußballkarriere Der jüngste Schiedsrichter der Regionalliga Südwest

  Foto: imago/Zoonar/Joachim Hahne

Marvin Monninger vom SV Bonlanden ist Serienaufsteiger an der Pfeife. Wie er sich schon in jungen Jahren den Respekt erarbeitet hat, was der erste Pfiff über einen Schiri aussagt und wie er den Weltstar Xherdan Shaqiri zum Lachen brachte.

Sport: Dominik Grill (grd)

Als Marvin Monninger sein erstes Spiel für die Aktiven pfeift, ist er 16 Jahre alt. Sieben Jahre später hat er bereits 600 Spiele auf dem Buckel – von einem alten Hasen kann aber nicht die Rede sein: Mit 23 Jahren ist er der jüngste Schiedsrichter der Fußball-Regionalliga Südwest.

 

Seine Aktiven-Karriere an der Pfeife begann mit einem Schützenfest. Monninger muss schmunzeln, als er daran zurückdenkt: 11:2 fegte der TSV Leinfelden II den SV Eintracht Stuttgart vom Platz, in Erinnerung ist ihm aber vor allem eine kurze Begegnung am Mittelkreis geblieben. Einer der Spieler erzählte ihm, er sei wegen seines Alters nicht mehr ganz so flink auf den Beinen. Beide mussten lachen, als sie feststellten, dass er 48 Jahre und genau dreimal so alt wie Monninger war.

„Ich habe gemerkt, wie entspannt man sich auf dem Fußballplatz mit allen möglichen Leuten unterhalten kann“, sagt der gebürtige Stuttgarter, der bis ins Alter von 14 Jahren noch als Spieler des SV Prag die Schuhe schnürte. Dem C-Jugend-Linksverteidiger ging damals der Spaß ein wenig abhanden, treu bleiben wollte er aber seiner Leidenschaft: dem Spiel, das Generationen und verschiedenste Menschen verbindet. „Ich liebe es, wenn das Spiel intensiv ist und ich mittendrin bin“, sagt Monninger. Schiedsrichter zu sein, das habe ihn schon immer gereizt, also hängte er die Spielerkarriere an den Nagel und griff zur Pfeife.

Gerechtigkeit im Blut

Nach seinem Start in der Kreisliga B stieg er rasch auf. Inzwischen ist er sechs Spielklassen weiter oben angekommen, seit dieser Saison erstmals in der Regionalliga. Bei seinem Verein SV Bonlanden, für den er seit 2020 pfeift, ist er zudem in der Nachwuchsförderung tätig und ist Teil des Schiedsrichterausschusses. Parallel studiert der 23-Jährige in Tübingen Jura – es scheint sich ein Muster durch sein Leben zu ziehen: Gerechtigkeit liege ihm wohl im Blut, bestätigt Monninger. Um sich schon in so jungen Jahren gegen gestandene Männer und in einem emotionalen Sport durchzusetzen, braucht es wohl auch eine gewisse Veranlagung. Monninger stellt aber klar: „Den Respekt muss man sich erst erarbeiten.“ Wie er das geschafft hat? „Durch offene Kommunikation auf Augenhöhe.“ Gerade in der Regionalliga spielten teilweise ausgefuchste Ex-Profis, die genau wüssten, wie man mit einem Schiedsrichter reden muss. „Die versuchen manchmal, dich auszutricksen.“ Wichtig sei die viel zitierte klare Linie, die jeder Unparteiische persönlich habe. Jene von Monninger sieht so aus: „Ich bin kein sehr strenger Schiedsrichter, ich will ein Spiel sehen.“ Grenzen müssen aber selbstverständlich klar sein. Das fängt schon mit dem Anpfiff an: „Der erste Pfiff im Spiel muss sitzen.“ Seiner Erfahrung nach lasse sich schon am Ton auf die Einstellung des Schiedsrichters schließen: „Es ist etwas anderes, ob man da locker reinpfeift oder mit einem klaren, selbstbewussten Pfiff startet.“

Bis zu 20 Stunden investiert Monninger pro Woche für seinen Sport. „Die Leute unterschätzen, wie viel Arbeit da dahintersteckt“, sagt er. Bei jedem Spiel brauche es eine Vor- und Nachbereitung und viel Planung. Zusatz mit einem Schmunzeln: „Ja, auch wir Schiris trainieren regelmäßig.“

Als größtes Highlight seiner jungen Karriere bezeichnet er ein Freundschaftsspiel während der diesjährigen EM zwischen der Schweizer Nationalmannschaft und der A-Jugend des VfB. „Zusammen mit Spielern wie Kobel und Shaqiri auf dem Platz zu stehen, ist schon etwas Besonderes“, schwärmt Monninger. Mit dem Schweizer Kraftpaket hatte er prompt eine spezielle Begegnung. Zuvor war im EM-Spiel zwischen Deutschland und der Schweiz der deutsche Angreifer Maximilian Beier im Strafraum zu Boden gezerrt worden, eine ähnliche Szene ereignete sich in der aktuellen Partie, Shaqiri forderte einen Strafstoß. Monningers trockene Antwort: „Am Wochenende gab es auch keinen Elfmeter“ – so wie sein EM-Pendant Daniele Orsato entschied er auf Weiterspielen. Shaqiri lachte, und das Spiel wurde fortgesetzt.

Der einzige Spielabbruch in Monningers Karriere

Dass das Schiri-Dasein aber auch Schattenseiten hat, verdeutlichen Themen wie Gewalt im Fußball samt Angriffen auf Schiedsrichter. Auch Monninger musste das schon früh am eigenen Leib erfahren: 2020 hatte er in einem Bezirkspokalspiel einem Spieler die Ampelkarte gezeigt, dem brannten die Sicherungen durch und er spuckte den damals erst 19-Jährigen an – ein tätlicher Angriff; Monninger brach das Spiel regelkonform ab.

Das sei schon ein Schock gewesen, so etwas sei aber nur einmal in mehr als 600 Spielen passiert. Er betont: „Es ist nicht so, dass der Fußball an sich voller Gewalt ist, aber es gibt eben Einzelfälle.“ Umso wichtiger war es damals, einfach weiterzumachen, Spiel für Spiel. So denkt Monninger auch, was seine Ambitionen angeht. Ob er irgendwann mal Bundesliga pfeifen wolle? „Ich denke nur bis zum nächsten Spieltag“, sagt er bescheiden.

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