Stuttgarter Galerist Thomas Fuchs „Es gibt keinen Stillstand“

Der Stuttgarter Galerist Thomas Fuchs kommt gut durch die Krise. Foto: Silicya Fuchs

Der Kulturbetrieb leidet besonders unter dem Lockdown. Die Stuttgarter Galerie Fuchs trotzt der Krise und setzt auf digitale Kunstprojekte – mit Erfolg.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Auch der Kunsthandel ist durch den Lockdown in Bedrängnis geraten. Der Stuttgarter Galerist Thomas Fuchs versucht, das Beste draus zu machen.

 

Herr Fuchs, man sieht Sie tagtäglich in Ihrer Galerie sitzen. Was treiben Sie da eigentlich?

Für uns ist das wirklich Bittere, dass unsere Ausstellungen nur durch die Schaufensterscheibe zu sehen sind. Aber man merkt, dass sich mittlerweile viele nach der Kunst sehnen. Die Sammler und Kunstinteressierten kommen gezielt, um sie sich dann eben durch die Scheibe anzuschauen, aber sie dürfen eben nicht in die Galerie, deshalb kann man über einen QR-Code noch Informationen bekommen.

Aber es ist sicher weniger zu tun als in guten Zeiten?

Für den Publikumsverkehr ist die Ausstellung natürlich geschlossen. Aber wir sind da und haben viel zu tun. Wir denken in die Zukunft, planen Beteiligungen an Messen, die dann doch wieder verschoben werden. Wir haben unsere Internet-Präsenz noch mal ausgebaut und legen bei unseren Online-Showrooms kräftig nach. So nutzen wir die Zeit und haben richtig zu tun.

Ist Click & Collect bei Kunst praktikabel?

Nicht so richtig. Eine kleine Arbeit kann schon mal jemand so abholen, aber wenn es nicht mehr ins Auto passt, muss ein Kunsttransporter sie nach Hause bringen.

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Erfreuen sich die Sammler munter an der Kunst? Oder werden einige wirtschaftlich auch auf der Strecke bleiben?

Es ist eine schwierige Zeit für alle, aber man kann nicht pauschal sagen, dass es allen schlecht geht. Die Sammler rufen an und erzählen, dass sie mit ihren Arbeiten leben und sie genießen. Wir versuchen auch, per Skype den persönlichen Kontakt zu halten. Aber trotz aller digitaler Möglichkeiten fehlt das Persönliche doch sehr. Man kann digital Informationen über Kunst vermitteln, aber das Schöne ist doch, dass es immer noch auf das Original und den persönlichen Austausch ankommt, was etwas sehr Menschliches hat.

Vermissen sie die Messen, die ja doch oft sehr teuer sind?

Ja, wir vermissen die Messen ernsthaft, gerade auch emotional – auch wenn sie kostenintensiv sind. Es fehlt uns sehr, uns mit kunstbegeisterten Sammlern über Arbeiten zu unterhalten. Im vergangenen September fand die „Positions Berlin“ statt unter Corona-Bedingungen, da haben sich Sammler zwei Stunden angestellt, damit sie in die Halle hinein durften.

Wie ergeht es den von Ihnen vertretenen Künstlern?

Sie arbeiten weiter in den Studios. Wir haben auch digitale Projekte mit ihnen gemacht – und erfreulicherweise auch Kunst verkauft. Insgesamt geht es uns gut – und unseren Künstlern auch.

Regiert inhaltlich eher Stillstand – oder haben Sie in den vergangenen Monaten trotzdem Entdeckungen gemacht?

Inhaltlich gibt es keinen Stillstand, die Künstler sind absolut kreativ. Wir haben die Zeit genutzt und einige junge neue Künstler entdeckt. Es gibt trotz aller Tristesse und der Schwierigkeiten schöne Momente – und die muss man halt erkennen.

Galerie für Zeitgenössisches

Person:

Thomas Fuchs wurde 1978 in Graz geboren. Der gelernte Restaurantfachmann hat zunächst in der Geschäftsführung des elterlichen Produktionsbetrieb für Kleidung gearbeitet. Die Liebe führte ihn nach Stuttgart, wo er 2012 seine Galerie eröffnete.

Galerie:

In seiner Galerie in der Reinsburgstraße zeigt Thomas Fuchs zeitgenössische Malerei. Am 12. Februar wird die neue Ausstellung eröffnet mit Malerei von Moritz Schleime, einem 1978 geborenen Ostberliner.

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