Stuttgarter Gemeinderat Stadträte gegen Bäume auf dem Marktplatz

Von Josef Schunder 

Zuletzt hatte der Bund für Umweltschutz einen flammenden Appell für weitere Bäume auf dem Marktplatz ans Rathaus adressiert. Es hat nichts genützt. Am Freitag wurde anders entschieden.

Weihnachtsmarkt auf dem Stuttgarter Marktplatz: die Händler müssen sich  keine Sorgen mehr machen, weil am Rand einige Standplätze wegen neuer  Bäume gefährdet sein könnten. Foto: /Lichtgut/Leif Piechowski
Weihnachtsmarkt auf dem Stuttgarter Marktplatz: die Händler müssen sich keine Sorgen mehr machen, weil am Rand einige Standplätze wegen neuer Bäume gefährdet sein könnten. Foto: /Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Auf dem Marktplatz werden dort, wo es im Sommer oft besonders heiß ist, keine fünf Bäume gepflanzt werden. Die Verwaltung und das Gros der Stadträte haben am Freitag im Ausschuss für Klima und Umwelt die Idee entschlossen verworfen. Nur Hannes Rockenbauch (SÖS), Matthias Gottfried (Tierschutzpartei) und Thorsten Puttenat (Stadtisten) setzten sich für das Pflanzen ein. Zehn Stadträte waren dagegen.

Die von der Verwaltung vorgeschlagene Alternative – bewegliche Kübel mit Bäumen, die im Bereich der Flaggenmasten platziert werden – wurde aber auch (noch) nicht beschlossen. Die Grünen können sie sich zwar gut vorstellen, denn da gebe es „interessante Entwicklungen mit durchaus stattlichen Bäumen“, sagte Fraktionschef Andreas Winter. Doch die SPD zeigte sich skeptisch. FDP und Freie Wähler hielten von „mobilem Grün“ gar nichts, weil die Kübel mit beachtlichen Kosten laufend auf- und abgebaut werden müssten, wie Matthias Oechsner (FDP) warnte. Auch gebe es ein paar Schritte weiter bei der Stiftskirche schon Bäume, so Konrad Zaiß (Freie Wähler).

Thürnau nennt Kübellösung „eine Art Käfighaltung“

Nun soll die Verwaltung ihre Vorstellungen von mobilen Baumkübeln mit Fotos untermalen – und prüfen, ob im Stadtzentrum an anderer Stelle auf einem geeigneteren Untergrund Bäume gepflanzt werden könnten als am Rande des Marktplatzes, unter dem ein Bunker ist. Als Beispiele nannten die Grünen den Stauffenbergplatz und den Schillerplatz. Geklärt werden soll auch, wo im Umfeld noch Dächer und Fassaden begrünt werden könnten.

Das Bewegen der Kübel sei mit Aufwand verbunden, räumte Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau (SPD) ein, aber man müsse sie nicht alle zwei Wochen hin- und herfahren. „Im Prinzip wäre es aber auch eine Art Käfighaltung“, gab Thürnau zu, der neue fixe Bäume auf dem Platz jedenfalls entschlossen ablehnte: „Die würden mir leid tun. Denen würde es ihr Leben lang nicht gut gehen.“ Auch könnte sich der Untergrund als noch schwieriger entpuppen denn gedacht. Und am Marktbrunnen gebe es doch „acht große schöne Platanen“. Dass die Pflanzung trotz fortgeschrittenen Umbauplänen für den Platz überhaupt noch einmal in die Debatte kam, bewertete Thürnau als Sommerlochphänomen. Allerdings hatte die Verwaltung zuvor einer breiten Öffentlichkeit so nicht mitgeteilt, was unsere Zeitung im Sommer berichtete: dass die eigenen Klimatologen der Stadt die Bäume empfehlen, weil sie an heißen Sommertagen die gefühlten Temperaturen an dieser Stelle des Marktplatzes um etwa zehn Grad senken können.

SPD fürchtet um „Ästhetik“ des Platzes

Mit Blick auf den Klimawandel, dem OB Fritz Kuhn mit einem Aktionsprogramm begegnen will, war es für SÖS-Stadtrat Rockenbauch gar keine Frage: „Diese Bäume müssen gepflanzt werden.“ Für die richtigen Lebensbedingungen könne die Verwaltung sorgen. Die Konflikte mit Veranstaltungen, die als Gegenargumente genannt würden, seien „konstruiert“. Dagegen sagte Philipp Hill (CDU), die Funktion des Platzes stehe im Vordergrund. So ein Platz müsse funktionstüchtig sein, meinte auch Christian Köhler (AfD). Martin Körner (SPD) fürchtete um die „Ästhetik“ des Platzes.

Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne) war enttäuscht, dass man kurz vorm Platzumbau in diese Lage gekommen war. „Zehn Jahre hat man vorher herumgemacht.“ Der Bezirksbeirat habe für Pflanzungen plädiert, die Verwaltung sie zunächst für unmöglich erklärt, dann doch wieder für möglich. Von mobilen Bäumen hält Kienzle selbst nichts – es sei denn, sie würden mal testweise aufgestellt. Das schließt Thürnau nun nicht aus, wenn man an einen Kübel denkt. Im Übrigen werde er kommende Woche eine Vorlage präsentieren über Standorte für 183 Bäume im Bereich Innenstadt.

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