Stuttgarter Gemeinderat stimmt zu Das Planetarium bleibt endgültig im Schlossgarten

Von Thomas Braun 

Sang und klanglos nimmt der Stuttgarter Gemeinderat Abschied von einem Lieblingsprojekt des früheren Oberbürgermeisters: Das Sciene Center ist endgültig Geschichte. Das Planetarium bleibt im Schlossgarten.

Das Planetarium bleibt im Schlossgarten. Es soll aber aufgewertet werden. Foto: Achim Zweygarth
Das Planetarium bleibt im Schlossgarten. Es soll aber aufgewertet werden. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Das Stuttgarter Planetarium zieht definitiv nicht um, sondern verbleibt an seinem bisherigen Standort im Mittleren Schlossgarten. Einem entsprechender Vorschlag der Verwaltung stimmten am Mittwoch im Verwaltungsausschuss alle Fraktionen zu. Die endgültige Entscheidung trifft die Vollversammlung des Gemeinderats am 16. Mai.

Mit der Präsentation der entsprechende Beschlussvorlage haben Stadtverwaltung und Gemeinderat aber schon vorab sang- und klanglos von einem Lieblingsprojekt des früheren Oberbürgermeisters Wolfgang Schuster (CDU) Abschied genommen. Dieser hatte das Projekt eines Science Centers samt Planetarium auf dem Dach beim ehemaligen Straßenbahndepot an der Mercedesstraße in den letzten Jahren seiner Amtszeit mit Verve vorangetrieben. Dabei konnte sich Schuster stets auf die Rückendeckung der bürgerlichen Fraktionen im Gemeinderat verlassen. Doch dann machte 2009 die weltweise Finanzkrise den ehrgeizigen Plänen einen Strich durch die Rechnung – das 25 Millionen Euro teure Mobilitäts- und Erlebniszentrum im Neckarpark wurde auf Eis gelegt.

Erfolgloser Rettungsversuch

Damit war auch klar, dass das Planetarium trotz der Großbaustelle für Stuttgart 21 im Mittleren Schlossgarten vorläufig nicht umziehen wird. Einen letzten Rettungsversuch für sein Projekt unternahm Schuster im Sommer 2011, als er den Automobilhersteller Porsche als Investor und künftigen Träger des Mobilitätszentrums zu gewinnen versuchte. Konkrete Planungen lassen allerdings bis heute auf sich warten; es ist unklar, ob aus dem Projekt noch etwas wird. Das aktuelle Standortbekenntnis für das Planetarium hätte aber auf die Entscheidung Porsches keinen Einfluss.

Folgerichtig bleibt die Sternenschau nun dort, wo sie ist. „Es ist der beste Standort, aber natürlich wird es durch die Bauar­beiten im Schlossgarten Einschränkungen geben“, sagte Finanzbürgermeister Michael Föll. Einig waren sich alle Fraktionen darüber, dass der drohende Besucherrückgang während der langen Bauzeit des geplanten Tiefbahnhofs mit einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit und einer verbesserten Beschilderung verhindert werden solle. Für die Imagewerbung veranschlagt die Verwaltung ein jährliches Budget von 116 000 Euro – darüber soll in den kommenden Haushaltsplanberatungen entschieden werden.

Ketzerische Frage

Peter Pätzold (Grüne) sieht mit der Standortentscheidung das Schuster’sche „Wolkenkuckucksheim“ am Ende. Nun müsse man die Belastungen wegen der Baustelle kompensieren. Jürgen Sauer (CDU) pflichtete bei: „Wir müssen das Planetarium zukunftsfähig machen.“ Monika Wüst (SPD) meinte, das Planetarium und der neue Bahnhof hätten das Zeug, zur „Perle der Innenstadt“ zu werden. Freie Wähler, FDP und SÖS/Linke befürworteten das Verbleiben im Schlossgarten ebenfalls, so dass Föll die ketzerische Frage aufwarf, wie es überhaupt jemals zu dem ­Beschluss über den neuen Standort Mercedesstraße habe kommen können.

Das Sternentheater soll zudem auch eine neue Bestuhlung und einen hochmodernen Projektor erhalten, dessen Ausschreibung allerdings bereits zweimal von der Vergabekammer kassiert worden war.

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