Stuttgarter Gemeinderat Wer geht – und wer kommt?

Der FDP-Landtagsabgeordnete Friedrich Haag – einer von vielen Neuen im Stuttgarter Gemeinderat Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Bekannte Kommunalpolitiker verabschieden sich aus dem Gemeinderat, interessante Persönlichkeiten nehmen ihre Plätze ein.

Eine Vielzahl von Stadträtinnen und Stadträten wird dem neuen Stuttgarter Gemeinderat nicht mehr angehören. Interessante Persönlichkeiten rücken nach.

 

Bei den Grünen machen nur sechs etablierte Mandatsträger weiter, die siebte, die Cannstatterin Andrea Münch, ist die erste Nachrückerin. Mit Alicia Böhm und Mehmet Ildes sind zwei Vertreter der Grünen Jugend gewählt worden, mit der Ukrainerin Afina Albrecht sogar eine „Stuttgarterin des Jahres“, die sich um Flüchtlinge kümmert, und mit Simone Fischer die Landesbehindertenbeauftragte. Fabian Reger deckt den Bereich Schule und Bildung ab – er ist zudem der Ehemann der SPD-Stadträtin Lucia Schanbacher. Den Verlust an Sachverstand auf dem Gebiet des Weinbaus bei CDU und Freien Wählern kompensiert jetzt Heike Ruck aus Mühlhausen.

CDU: Fahrverbotsgegner scheidet aus

Während die meisten allseits bekannten CDU-Stadträte eine weitere Amtszeit dranhängen, hat Fred-Jürgen Stradinger am Dienstag mit Wehmut seine letzte Sportausschusssitzung hinter sich gebracht. Eine Ära geht zu Ende. Dass der Sportkreisvorsitzende wie bisher als Nachrücker in Frage kommt, scheint dieses Mal ausgeschlossen.

Nach nur einer Amtsperiode ist für den Porsche-Mitarbeiter Ioannis Sakkaros das Gemeinderatsleben schon wieder vorbei. Als Speerspitze der Liste „Kein Fahrverbot“ begonnen, trat er nach der Wahl der CDU bei. Die Christdemokraten haben das durch den Rücktritt von Stadtrat Fritz Currle aus Uhlbach entstandene Wengerter-Defizit schnell kompensiert: durch Michael Warth, Vorstand der Weinmanufaktur aus Untertürkheim. Im Gemeinderat sitzt nun auch Leonard Rzymann, der Vorsitzende der Jungen Union. Und das Ehepaar Nopper erweitert seinen Einfluss im Gemeinderat: Klaus Nopper, Bruder des OB, steht künftig Isabelle-Florentine Weichselgartner, die Cousine der Oberbürgermeistergattin, zur Seite.

SPD: Nur noch zwei Männer

Sara Dahme muss man nicht vorstellen, sie ist die Frau mit dem (geliehenen) Schimmel auf dem SPD-Wahlplakat. Sie gründete einst den Kulturkiosk im Züblin-Parkhaus. Fraktionschef Stefan Conzelmann bedauert, dass es Michael Jantzer nicht wieder geschafft hat – und das nicht nur, weil die siebenköpfige Fraktion jetzt nur noch zwei Männer zählt. Er galt als „Allzweckwaffe“.

FDP: Künftig ohne Armin Serwani

Der Diesel-Retter Sakkaros ist Geschichte, ihn ersetzt Friedrich Haag, Tankstellenpächter und Verfechter einer technologieoffenen Antriebstechnik. Er versucht Tanke, den Nebenerwerb in der Landwirtschaft und sein Landtagsmandat mit dem Ehrenamt als FDP-Stadtrat in Einklang zu bringen. Das Urgestein Armin Serwani muss dagegen draußen bleiben. Das verwundert nicht: die in der FDP jetzt den Ton angeben, haben ihm nur den Listenplatz sechs zugestanden und gehofft, dass er wenigstens wieder in die Regionalversammlung einzieht. Aber auch das ging schief.

Freie Wähler: Ohne Ex-Bürgermeister

Bei den Freien Wählern hätte Konrad Zaiß fast eine Sensation geschafft. Der Wengerter war auf Platz 44 geparkt, er schien also wenig geneigt, erneut gewählt zu werden. Zaiß ist jetzt als Fünfter erster Nachrücker. Rang vier hätte für ein Mandat gereicht, doch Joachim Wolf wurde nach hinten durchgereicht. Die Freien Wähler hatten einen „Fachkräftemangel im Gemeinderat“ festgestellt – der Ex-Bürgermeister von Korntal-Münchingen hätte das Defizit beseitigen können.

Die Linke: Pflegekompetenz

Luigi Pantisano von Die Linke hat mit seinen 40 000 Stimmen die Spitzenkandidatin Johanna Tiarks hinter sich gelassen. Die Pflegefachkraft bekommt Unterstützung durch die Kollegin Manja Reinholdt. Mindestens so wichtig wie deren Pflegekompetenz ist ihr Ehrenamt: Reinholdt ist die Gesamtelternbeiratsvorsitzende der Stuttgarter Schulen.

AfD: Neu und rechtsextrem

Die AfD tauscht bis auf den Ex-Vorsitzenden Michael Mayer die komplette Fraktion aus. Nun muss man sich an Thomas Rosspacher gewöhnen, der im Wahlkampf „Schnelle Remigration schafft Wohnraum“ plakatiert hat. Steffen Degler ist Schatzmeister der als gesichert rechtsextrem geltenden „Jungen Alternative“. Niels Foitzik kennen alle, die sich im Internet das zigtausendfach geklickte Video angeschaut haben, wie er im Thailandurlaub in umnebeltem Zustand festgenommen wurde, weil er randaliert hatte.

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