Stuttgarter Grüne Routiniers und ein echter Exot

Von Thomas Braun 

Nach dem Verzicht diverser Mandatsträger der Ökofraktion auf eine erneute Kandidatur setzen die Stuttgarter Grünen bei der Kommunalwahl auf bewährtes Personal und einige wenige bekannte Namen. Der prominenteste Bewerber heißt Matthias Filbinger.

Die Kommunalwahl 2009 ließ die Grünen in Stuttgart jubeln. Zum nächsten Urnengang im Mai treten einige neue Gesichter an. Foto: Honzera
Die Kommunalwahl 2009 ließ die Grünen in Stuttgart jubeln. Zum nächsten Urnengang im Mai treten einige neue Gesichter an. Foto: Honzera

Stuttgart - Nach dem Verzicht diverser Stadträte auf eine erneute Kandidatur für den Gemeinderat wollen die Stuttgarter Grünen bei der Kommunalwahl am 25. Mai vor allem mit Kandidaten punk­ten,­deren Namen in der Kommunalpolitik bereits bekannt sind. Das geht aus dem ­Listenvorschlag der Parteigremien hervor, der der Kreismitgliederversammlung am 1. Februar vorgelegt werden soll.

Auf den Plätzen eins und zwei rangieren die amtierenden Fraktionssprecher Silvia Fischer und Peter Pätzold. Sie hatten die Fraktionsspitze nach dem Wechsel des früheren Führungsduos Mutherem Aras (Landtag) und Werner Wölfle (Verwaltungsbürgermeister) 2011 übernommen und gelten neben dem Grünen-Urgestein Michael Kienzle als Routiniers in der aktuellen Gemeinderatsfraktion. Kienzle, seit 1984 mit einer Unterbrechung von fünf Jahren Stadtrat, hatte bereits im vergangenen Jahr seinen Verzicht auf eine weitere Bewerbung bekanntgegeben.

Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen S 21 auf Platz drei

Auf Rang drei der Wahlliste steht mit Clarissa Seitz eine der Sprecherinnen des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, was durchaus auch als Signal an jene Wähler zu verstehen ist, die den Grünen den Rücken gekehrt haben, weil sie nach ihrer Ansicht nicht in ausreichendem Maß gegen das umstrittene Bahnprojekt Front gemacht haben. Seitz steht für jene Strömung in den Kreisgrünen, die anders als die Landes­grünen die sachbezogene Kritik an den Defiziten des Tiefbahnhofs politisch nicht ad acta gelegt haben. Ursprünglich war die Grünen-Lan­desvorsitzende Thekla Walker für diesen Platz vorgesehen, sie hatte aber in der vergan­genen Woche ihren Rückzug aus dem Gemeinderat angekündigt.

Auf der Vorschlagsliste folgen die amtierenden Stadträte Jochen Stopper und Anna Deparnay-Grunenberg, Vittorio Lazaridis und Gabriele Munk. Erst auf Platz acht findet sich mit Björn Peterhoff aus Bad Cannstatt der erste Neuling, gefolgt von Petra Leitenberger (Fasanenhof) auf Platz elf. Drum herum platziert: die amtierenden Mandatsträger Andrea Münch (9), Andreas Winter (10), Benjamin Lauber (12) und Beate Schiener (13). Weitere Kandidaten sind der Gastronom Johannes Zeller (14), die nach dem Rücktritt von Philipp Franke verbliebene Kreisvorsitzende Petra Rühle (15), die Krimiautorin Christine Lehmann (19), Muhterem Aras’ Ehemann Sami (20) sowie als Schmankerl der Sohn des früheren CDU-Ministerpräsidenten Hans Filbinger, Matthias, auf Rang 24. Philipp Franke, seit wenigen Tagen Ex-Kreischef der Grünen, war nach StZ-Informationen für Platz 16 vorgesehen, hatte sich aber nach wochenlanger Bedenkzeit dann doch gegen eine Gemeinderatskandidatur entschieden – aus privaten Gründen.

Auffällig ist die relativ geringe Zahl an Bewerbern ausländischer Abstammung, obwohl gerade für die Grünen das Thema Migration weit oben auf der politischen Agenda steht. Die gewöhnlich aufmüpfige Nachwuchsorganisation Grüne Jugend wurde mit Björn Petterhoff auf einem aussichtsreichen Platz unter den ersten zehn Bewerbern eingebunden, auf Rang 23 kommen mit Suvi Kristin Welt und auf 30 mit Aytekin Celik weitere Jungpolitiker zum Zug. Als Ersatzkandidat hat es auch Vizeregierungssprecher Arne Braun auf Platz 64 geschafft. Kampfkandidaturen sind bei der Kreismitgliederversammlung zwar nicht auszuschließen, aber unwahrscheinlich.

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