Stuttgarter Hauptbahnhof Mäuseplage in der Klett-Passage im Griff? Das sagen Händler und Gastro

, aktualisiert am 19.01.2026 - 11:50 Uhr
Bereits im Frühjahr gab es Berichte über ein Nagetier-Problem im Bereich der Klett-Passage. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Angenagte Brote, Mäusekot auf Geschirr: Die Lebensmittelüberwachung mahnte im Sommer Probleme in Geschäften am Hauptbahnhof an. Was ist draus geworden?

Mäusekot auf Papptellern und Einwegbehälter, angeknabberte Donuts, Tierurin und Köttel unter Weidekörben für Backwaren, auf Rollwagen und in Regalen, Tierspuren in Tassen und auf Teebeuteln – und eine lebendige Maus in der Bröselschublade der Brotschneidemaschine.

 

Das alles und mehr findet sich in Berichten der Lebensmittelüberwachung der Stadt Stuttgart. Festgestellt wurde die ekligen Zustände in drei Lebensmittelbetrieben an einer der zentralsten Stellen in der Stadt, nämlich in der Klett-Passage direkt am Hauptbahnhof.

Unschöner Anblick: die Decke über dem Abgang zur S-Bahn in der Klett-Passage. Foto: Christian Milankovic

Mäuse in der Klett-Passage: Kontrollen und Bekanntwerden des Problems

Die Kontrollen fanden bereits im Juni und Juli statt. Die damaligen Berichte sind durchs zuständige Ministerium online veröffentlicht worden. Etwa gleichzeitig, im August, wurde das Mäuseproblem in der Klett-Passage auch anderweitig bekannt. Ein Tiktok-Video aus dem dortigen Euro-Shop zeigte Tiere im Geschäft. „Wir hatten wegen der Mäuse einen Schädlingsbekämpfer da“, sagte die Filialleiterin seinerzeit im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Oktober sorgten Tiere am Hauptbahnhof abermals für Probleme. Am Abgang zur S-Bahn hingen Materialfetzen von der Decke. Nistende Tiere hätten das verursacht, hieß es seitens der Bahn.

Klett-Passage: Keine Mäuse in der Decke – nur Tauben

Mittlerweile ist bekannt: Zumindest in der Deckenverkleidung der Passage waren keine Mäuse am Werk. „In der Deckenkonstruktion des Treppenabgangs zur S-Bahn-Station Hauptbahnhof (tief) waren Tauben“, teilt ein Bahn-Sprecher auf Anfrage mit. Man habe die Vögel von Fachleuten umsiedeln lassen. Die Decke sei zwischenzeitlich neu hergerichtet worden, damit dort keine Tiere mehr nisten. Dazu seien die bisherigen Lamellen entfernt und entsorgt worden, erklärt der Sprecher.

Mäusebefall in Betrieben der Klett-Passage unter Kontrolle

Und auch in Sachen Mäusebefall scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Zu den Firmen, die im Sommer ins Visier der Lebensmittelüberwachung geraten waren, gehört die Bäckerei Kamps. „Das Team wurde im Laufe des Sommers erstmals konkret auf den Nagerbefall aufmerksam. Zu diesem Zeitpunkt wurden unmittelbar interne Prüfungen sowie externe Meldungen veranlasst“, heißt es aus der Großbäckerei. „Darüber hinaus haben wir selbst eine offizielle Beschwerde beim Amt für öffentliche Ordnung bezüglich des anhaltenden Nagerbefalls in der benachbarten Passage eingereicht, um eine nachhaltige Lösung zu erreichen“, teilt das Unternehmen weiter mit.

Ebenfalls betroffen war damals der Biomarkt Bio B. Unmittelbar nach der Lebensmittel-Kontrolle sei der Betrieb geschlossen und gründlich gereinigt worden. „Zusätzlich wurden die Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung intensiviert“, sagt der Geschäftsführer Maik Seiler.

Baustellen als Ursache der Plage

Wie es überhaupt erst zu der Mäuseplage im Sommer kam, dazu gibt es eine vorherrschende Meinung: Bauarbeiten haben demnach die Population explodieren lassen. Die Filialleiterin des Euro-Shops vermutete bereits im Sommer im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Mäuse durch Umbauten in nahen Geschäften ins Haus gekommen seien. Auch Maik Seiler macht rückblickend eine Baustelle in unmittelbarer Nachbarschaft für die Misere verantwortlich. Die Arbeiten dort sind inzwischen abgeschlossen – und die Mäuse aus dem Biomarkt fort. „Die internen Hygiene- und Kontrollmaßnahmen wurden überprüft und weiter verschärft“, sagt er, Hinweise auf Nager gebe es nicht. Auch in der Kamps-Filiale ist der Spuk offenbar vorüber. Baulich sei nachgebessert worden. „Der Bereich wird engmaschig überwacht, Reinigungs- und Kontrollintervalle wurden dauerhaft angepasst, und der Nagerbefall ist aktuell unter Kontrolle“, heißt es aus der Zentrale. Man stehe in engem Austausch mit allen beteiligten Stellen, um ein erneutes Auftreten frühzeitig zu verhindern.

SSB: Dauerhafte Schädlingsbekämpfung in der Klett-Passage

Für die Klett-Passage ist die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) verantwortlich. Sie fährt seit mehreren Jahren „ein Gesamtprogramm zur dauerhaften und strukturierten Schädlingsbekämpfung in der Klett-Passage“, erklärt die Sprecherin Birte Schaper. Gemeinsam mit Fachbetrieben werde die Situation hinsichtlich jeder Art von Schädlingsbefall überwacht und bekämpft. Die Mieter der Passage hätten im Sinne einer übergreifend sinnvollen Schädlingsbekämpfung die Möglichkeit, sich mit ihren Räumen und Maßnahmen dem Gesamtprogramm anzuschließen.

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