Stuttgarter IHK-Präsident Kakteengruppe denkt über eigenen Kandidaten nach

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Die Kakteengruppe will künftig an der Spitze der Stuttgarter Industrie- und Handelskammer stärker vertreten sein. Im Hamburg gelingt den Kammerkritikern ein Erdrutschsieg bei der Wahl des Plenums.

Bei der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart will die kammerkritische Kakteengruppe künftig stärker mitmischen. Foto: dpa
Bei der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart will die kammerkritische Kakteengruppe künftig stärker mitmischen. Foto: dpa

Stuttgart - Die kammerkritische Kakteengruppe wird in der ersten Sitzung der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart möglicherweise einen eigenen Kandidaten für das Amt des Präsidenten vorschlagen. Dies erklärte Clemens Morlok, einer der Sprecher der Kammerkritiker, gegenüber unserer Zeitung. Gut zwei Wochen vor der konstituierenden Sitzung der neuen Vollversammlung am 7. März kann die Gruppe allerdings noch keinen Kandidaten präsentieren. Die Kakteen wollten aber auf jeden Fall stärker als bisher in der Kammerspitze vertreten sein, sagte Morlok. Dies gelte auch für die verschiedenen Ausschüsse. Bei ihrer Forderung spüren sie nun auch Rückenwind aus Hamburg. Das Ergebnis der dortigen Kammerwahl sei „grandios“, sagte Morlok.

Hamburg: Erdrutschsieg der Kritiker

In der Hansestadt hat die kammerkritische Gruppierung „Die Kammer sind wir“ einen Erdrutschsieg errungen. Nach der Auszählung der jüngsten Wahl stellt diese 55 der 58 Vertreter im Plenum der Kammer. Bei der vorangegangenen Wahl hatten die Kritiker es erst auf 16 Sitze gebracht. Der Unternehmensberater Tobias Bergmann, einer der Sprecher von „Die Kammer sind wir“, soll zum neuen Präses gewählt werden. Der Präses entspricht dem Präsidenten bei anderen Kammern. In der Hamburger Kammer ist wie anderswo auch die Industrie vertreten, die offizielle Bezeichnung heißt aber lediglich Handelskammer. Der bisherige Präses Fritz Horst Melsheimer bezeichnete das Wahlergebnis als eine „sehr große Enttäuschung“ für sich selbst. Zu den Zielen der Kammerkritiker gehört die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft und des damit verbundenen Beitrags. Die Kammer müsse auch künftig in der Lage sein, „ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen“, mahnte Melsheimer. Bei freiwilligen Beiträgen bestehe die Gefahr, von Einzelinteressen abhängig zu werden. Als erfreulich bezeichnete der bisherige Präses die auf 25 Prozent gestiegene Wahlbeteiligung bei den 74 000 Kammermitgliedern.

Sieger wollen Pflichtmitgliedschaft abschaffen

Kai Boeddinghaus, der Geschäftsführer des kammerkritischen „Bundesverbands für freie Kammern“ meinte, verschiedene Streitpunkte in Hamburg hätten zum Sieg von „Die Kammer sind wir“ geführt. So habe diese sich etwa gegen den von der Stadt beschlossenen Rückkauf des Stromnetzes gestellt. Außerdem habe auch das hohe Gehalt des Hauptgeschäftsführers für Diskussionen gesorgt. Dieses liegt nach den Angaben von „Die Kammer sind wir“ bei gut 500 000 Euro im Jahr. Die Kammerkritiker wollen dieses auf jährlich 150 000 Euro kürzen. Möglicherweise wird es auch zu Stellenstreichungen kommen. „Wir sind die Kammer“ sei keine Unterabteilung des Bundesverbands, sondern eine selbstständige Gruppe, mit der man zusammenarbeite. Dem Vernehmen nach waren in Hamburg auch Traditionsunternehmen mit der Arbeit der Handelskammer unzufrieden. Diese sei sozusagen zum Stadtgespräch geworden, hieß es. Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) wollte zum Ergebnis der Hamburger Wahl keine Stellungnahme abgeben. „Dies ist das Ergebnis einer demokratischen Wahl einer eigenständigen Kammer, die wir nicht kommentieren möchten“, sagte ein Sprecher. Auch die Industrie und Handelskammer Region Stuttgart wollte keine Erklärung zum Ausgang der Wahl in Hamburg abgeben.

Kakteengruppe will mehr Einfluss

Zum weiteren Vorgehen der Stuttgarter „Kakteen“ in der Präsidentenfrage meinte Morlok, es könne auch sein, dass es bereits bei einem Treffen seiner Gruppe in der kommenden Woche „zu einer Überraschung kommt“. Mit 32 von 100 Sitzen in der Vollversammlung habe seine Gruppe rein rechnerisch einen Anspruch auf drei der zehn Präsidiumsmitglieder. Morlok räumte allerdings ein, es sei kaum realistisch, dass es dazu komme. Das Präsidium besteht aus den fünf Präsidenten der Bezirkskammern Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg, Göppingen und Rems-Murr sowie vier Vertretern der Stuttgarter Wirtschaft und einem Vertreter ohne regionale Zuordnung. Bei der Wahl des Präsidenten der IHK Region Stuttgart werde es wohl wie bei der Wahl des Präsidenten der Bezirkskammer Ludwigsburg eine „Blockwahl“ geben. In Ludwigsburg hatte Morlok selbst kandidiert, war aber gegen Albrecht Kruse, den Geschäftsführer des Kornwestheimer Werkzeugherstellers Sata, unterlegen. Die einzige Bewerbung für das Spitzenamt bei der IHK Region Stuttgart hat bisher Marjoke Breuning, geschäftsführende Gesellschafterin des Stuttgarter Traditionsunternehmens Maute-Benger, abgegeben.