Immobilienmarkt in Stuttgart Immer weniger Wohnungen auf dem Markt

Von Jörg Nauke 

Die Schere zwischen Preisen und Einkommen öffnet sich in Stuttgart weiter. Die Bilanz 2017: Trotz geringerer Verkaufszahlen wurde ein höherer Umsatz erzielt.

Die Zahl von Eigentumswohnungsverkäufen ist in Stuttgart rückläufig. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Zahl von Eigentumswohnungsverkäufen ist in Stuttgart rückläufig. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Mit weniger Wohnungen mehr Umsatz erzielt – das ist die Stuttgarter Immobilienbilanz für das Jahr 2017. Zum zweiten Mal in Folge sank die Zahl der Kaufverträge (um 678 oder 11,8 Prozent auf ein historisches Tief von 5065). Doch beim Geldumsatz wurde ein Zuwachs von 169 Millionen auf 3,58 Milliarden Euro verzeichnet. Diese aktuellen Zahlen hat der Vorsitzende des Gutachterausschusses für die Ermittlung von Grundstückswerten in Stuttgart, Günter Siebers, am Montag vorgestellt.

Der Preis gebrauchter Eigentumswohnungen stieg 2017 um elf Prozent, neu erstellte verteuerten sich um acht Prozent. Für Einfamilienhäuser wurden um elf Prozent höhere Preise aufgerufen, im Schnitt wurden 830 000 Euro verlangt. Ein Reihenhaus kostete im Schnitt 560 000 Euro. Wer neu bauen wollte, tat sich auf dem Grundstücksmarkt schwer. Gerade einmal 40 000 Quadratmeter Fläche (60 Areale) wurden für den individuellen Wohnungsbau (Ein- und Zweifamilienhäuser) veräußert, für den Geschosswohnungsbau noch etwas weniger (48 Areale). Günstige Angebote gibt es kaum noch.

Die Kollegen von StuggiTV haben sich umgehört: Wie können sich Stuttgarter das Leben in der Stadt noch leisten? Die Antworten sehen Sie im Video: Im Jahr 2008 betrug der Anteil gebrauchter Eigentumswohnungen mit einem Quadratmeterpreis jenseits von 3500 Euro gerade einmal ein Prozent – 2017 waren es 40 Prozent. Noch deutlicher ist der Unterschied bei Neubauten: Vor zehn Jahren lagen 90 Prozent aller Wohnungen unter 3500 Euro, 2017 gab es keine einzige mehr. Wiederum suchte man 2008 Wohnungen für 5500 Euro und mehr vergeblich, heute kostet jede zweite so viel.

Die Preise werden weiter steigen

Steffen Bolenz, stellvertretender Vorsitzender des Gutachterausschusses, hält bei weiter steigenden Einwohnerzahlen weitere Preissteigerungen für wahrscheinlich; sofern das Zinsniveau niedrig sowie die wirtschaftliche Situation und die Beschäftigungslage gut blieben: „Immobilien bleiben als wertstabile Kapitalanlage weiterhin gefragt.“ Die Folge ist, dass die Schere zwischen dem Preis für Wohnimmobilien sowie dem Mietspiegelniveau und dem Verbraucherpreisindex immer weiter auseinander geht. Für eine gebrauchte Eigentumswohnung musste 2017 das 7,5-fache des durchschnittlichen Stuttgarter Jahresbruttoeinkommens (rund 45 000 Euro) aufgewendet werden, 2008 reichten noch 4,5 Jahresgehälter. Beim Neubau ist es das 12-fache. Es geht noch teurer, etwa in München: Dort sind für eine Neubauwohnung das 17-fache eines – allerdings im Vergleich zu Stuttgart um 500 Euro niedrigeren – Jahresbruttoeinkommens aufzuwenden.

In München werden in Deutschland seit langem die höchsten Preise für Eigentumswohnungen aufgerufen. Der Neubau kostet rund 7500 Euro pro Quadratmeter. Der Schnitt für Bestandswohnungen liegt immer noch bei rund 5800 Euro. Das ist mehr als in Hamburg, Stuttgart, München, Berlin und Köln für Neubauten verlangt wird.

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