Stuttgarter Initiativen für Stärkung der Demokratie Demokratiefans in Stuttgart machen mobil

Von Thomas Braun 

Die Sorge um den Bestand der offenen, demokratischen Gesellschaft ist ihr Antrieb: Gleich zwei Initiativen in Stuttgart haben sich zum Ziel gesetzt, die Werte der Demokratie hochzuhalten. Wer steckt hinter den Aktionen?

Ein Autokorso soll das Grundgesetz am Dienstag hochleben lassen. Foto: privat
Ein Autokorso soll das Grundgesetz am Dienstag hochleben lassen. Foto: privat

Stuttgart - Die schweigende Mehrheit mobilisieren und die Demokratie nicht den Populisten überlassen – diese Zielsetzung eint zwei Initiativen, die auch in Stuttgart für Furore sorgen wollen. Wie die „Pulse-of- Europe“-Bewegung, in der sich engagierte Europabefürworter zusammengeschlossen haben, wollen die überparteilichen Gruppen „Die offene Gesellschaft“ und „Bock auf Wahl“ dazu ermuntern, sich für das demokratische Gemeinwesen zu engagieren und Gesicht zu zeigen.

Für den heutigen Dienstag etwa, dem Tag, an dem sich das Inkrafttreten des Grundgesetzes zum 68. Mal jährt, ruft die „Offene Gesellschaft“ zu einem Autokorso für die Verfassung auf. Gegründet wurde die bundesweite Bürgerbewegung 2016 in Berlin von Prominenten aus Politik, Kultur und Wissenschaft um den Sozialpsychologen und Buchautor Harald Welzer – die Stuttgarter Aktion wird vom regionalen Ableger koordiniert. Die Initiatoren wollen damit nach eigenen Angaben die Bedeutung des Grundgesetzes für das Zusammenleben in einer freien Gesellschaft betonen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar – das ist vielleicht der größte Satz, den diese Zivilastion bis dato hervorgebracht hat“, heißt es dazu in einer Presseerklärung. Die Aktion beginnt um 18 Uhr auf dem Marienplatz: Die in weiß gekleideten Aktivisten verteilen dort zunächst das Grundgesetz n und gestalten weiße Fahnen und Banner, die dann anschließend beim Korso im Wind flattern sollen. An der Aktion wirkt auch das Stuttgarter Künstlerkollektiv Citizen.Kane mit. Ganz im Sinne der Stärkung der Demokratie agiert auch die Gruppe „Bock auf Wahl“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Wahlbeteiligung in Stuttgart bei der Bundestagswahl um 10 Prozent zu steigern und bisherige Nichtwähler erreichen möchte.

Gründungsmitglieder sind unter anderem der Schauspieler Walter Sittler und seine Frau, die Regisseurin Sigrid Klausmann-Sittler sowie der Vorsitzende der Stiftung Geißstraße und Grünen-Altstadtrat Michael Kienzle und dessen Gattin, die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte, Veronika Kienzle. Träger der Initiative ist der Stadtjugendring Stuttgart.

Ziel: Wahlbeteiligung in Stuttgart um zehn Prozent steigern

Gegründet wurde die Gruppe nach eigener Darstellung als Folge der Wahlen in den USA, vor allem aber der Volksabstimmung in Großbritannien über den Brexit. Dort waren viele Brexit-Gegner nicht zu Wahl gegangen. „Uns treibt die Sorge um, dass es auch bei uns ein böses Erwachen geben könnte“, beschreiben die Initiatoren ihre Motivation. Ihre Kampagne unter dem Motto „Mit Lust und Laune die Wahlbeteiligung pushen“ setzt vor allem auf sogenannte soziale Medien wie Facebook, aber auch auf öffentliche Veranstaltungen. Auf ihrer Homepage www. bock-auf-wahl.org informiert die Gruppe und wirbt um Unterstützung.