Einkaufen bis um 22 Uhr – die Lange Einkaufsnacht zog am Samstagabend viele Menschen aus Stuttgart und der Region in die City. In diesem Jahr mit einer ganz besonderen Tanzfläche.

150 Watt gemeinsam gelebter Rhythmus in wenigen Sekunden – tanzen, egal ob Swing oder Breakdance, kann unglaublich viel Energie freisetzen. Wie viel, haben die zahllosen Tänzerinnen und Tänzer bei der langen Einkaufsnacht auf dem Stuttgarter Schlossplatz selbst erlebt und gezeigt. Deswegen war der Platz auch der Hotspot des Shopping Events der City Initiative Stuttgart (CIS), das diesmal ein bisschen anders war als sonst.

In früheren herbstlichen Einkaufsnächten leuchtete der Königsbau laser-erhellt bunt in die Stuttgarter Nacht, ein paar Meter weiter drehten Schlittschuhläufer ihre Runden auf der Eisbahn. Der brutale Angriff Putin-Russlands auf die Ukraine, die dadurch ausgelöste Energiekrise und das so vielleicht neu geschärfte Bewusstsein für Sparsamkeit und Nachhaltigkeit verändern die Dinge: Aus der Eisbahn ist eine Rollschuhbahn geworden, der Königsbau wird nicht beleuchtet, stattdessen steht ein sogenannten Energy-Dancefloor – mit dem Strom produziert wird – auf dem Schlossplatz.

Die Idee dafür war im CIS-Team angeregt durch ein Coldplay-Konzert entstanden. Dort war genau so eine Tanzfläche im Einsatz, jede Tanzbewegung darauf erzeugt echten Strom. Ob die so gewonnene Energie den Transport von den Niederlanden nach Stuttgart und zurück ausgleicht, sei einmal dahingestellt, die Idee zählt. Und die stieß jetzt auf dem Schlossplatz über Stunden auf Tanzbegeisterung.

Landtagspräsidentin Muhterem Aras schaut vorbei

Von 12 Uhr mittags an sorgten die New York City Dance School, Bella from the Block, die Floor Legendz und viele mehr für Dauerbewegung auf dem kleinen Tanzkraftwerk, rissen kleine und große Tänzerinnen und Tänzer mit in die Rhythmen. Und den Anzeigen nach war der Dancefloor-Akku im Lauf des Tages und des Abends nicht nur einmal voll. Sogar die Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, Muhterem Aras, schaute vorbei und war beeindruckt: „Wow, wie cool ist denn Stuttgart“ sagte sie energiegeladen auf der Tanzfläche. Die Aktion sei der beste Beweis dafür, dass die Stadt unglaublich lebendig sei. „Das sollten wir öfter machen!“

Vom Milaneo bis zum Gerber waren bei der auf 22 Uhr verkürzten langen Einkaufsnacht zahlreiche Aktionen und Sonderangebote zu entdecken, wer alles mitnehmen wollte, hatte allerdings auch ganz schön Strecke zurückzulegen. Wer nicht ganz so gut zu Fuß war, konnte Bus und Bahn nutzen, die an diesem Tag in Zone 1, also der gesamten Innenstadtzone, kostenlos waren. So eröffneten sich mit einem nachhaltig-kostengünstigen Mobilitätsmix ganz neue Möglichkeiten, die ganze Vielfalt der Einkaufsstadt zu entdecken.

Manche Ketten machen nicht mit

Also etwa, dass Luxusmarken wie Louis Vuitton jetzt Tausende von Legosteinen für ihre Schaufensterdekoration verwenden. Oder dass es für regionale Concept Stores eine Selbstverständlichkeit ist, bei so einer Einkaufsnacht mitzumachen - im Gegensatz zu Filialen von nationalen oder internationalen Ketten. In deren Marketingbudgets sind für lokale Aktivitäten oft keine Mittel vorgesehen, egal wie gerne das eigene Team vor Ort mitmachen würde. Und deswegen blieben auch bei dieser Einkaufsnacht nicht wenige Geschäfte abends geschlossen.

Bei Fyra im Dorotheenquartier waren die Designerinnen aus der Region vor Ort und erklärten ihren Ansatz und ihre Produkte, ein Gin-Tasting mit Stuttgarter Applaus-Gin gab es on top. Ein paar Meter weiter hat Porsche mit seinem Brand Store den zuletzt eher leeren Tesla-Laden mit international-regionalem Leben gefüllt – und wer an dem Abend rein wollte, musste sogar Schlange stehen.

Auch auf der anderen Seite der bis in den späteren Abend hinein vollen Königstraße gab es einiges zu entdecken. Die neue alte Calwer Passage hat ihren Baustellenschlaf endlich hinter sich - und so eine Einkaufsnacht bot Gelegenheit, den neuen Feinkost Böhm zu erkunden, in der gerade eröffneten Yellow Korner-Filiale Fotokunst zu entdecken oder einfach bei einer Bar-Eröffnung mitzufeiern. So kann Innenstadtbelebung nachhaltig funktionieren.

Der besondere Dancefloor sorgt für Spenden

Aber zurück zum Energy-Dancefloor auf dem Schlossplatz, wo es auch kurz vor Einkaufsnachtschluss noch richtig voll war. Wie viel Strom an diesem besonders langen Samstag dort produziert worden ist, lässt sich gar nicht so genau sagen, er wurde ja für Licht und Musik gleich wieder verbraucht. Sicher ist dagegen, dass es so viel war, dass damit auch ein guter Zweck erfüllt werden kann. Dank der Sponsoren Stadtwerke Stuttgart, BW-Bank und Königsbau Passagen und der City Initiative Stuttgart wird die Strom- in eine Geldmenge umgewandelt - und dieser Betrag im mittleren vierstelligen Bereich an die Aktion Weihnachten der Stuttgarter Nachrichten gespendet. Da hat sich jeder Tanzschritt gleich doppelt gelohnt.