Vor 25 Jahren erfanden Bandleader Berti Kiolbassa und Hoteldirektor Harald Mölg die X-Mas-Soulnight in der Alten Reithalle. Jetzt feiern sie das Ende der Partylegende mit 1000 Gästen.
„Heute wird Soulgeschichte geschrieben“, sagt Uwe Sontheimer, den man eine DJ-Legende nennen kann. Und es könnte stimmen: In dieser Nacht, in der er den Einheizer für die Band gibt und später nach der Zugabe musikalisch noch was drauflegt, endet eine Ära.
In den ausverkauften Wagenhallen verabschiedet sich eine Institution – jene Party, die 25 Jahre lang mit „Sex Machine“ statt „Stille Nacht“ den Weg für Weihnachten geebnet hat. MadChick of Soul feiert quasi ihr finales „Last Christmas“. Noch einmal geben Berti Kiolbassa und seine Musiker alles – um dann endgültig Schluss zu machen mit ihrer X-Mas-Soulnight.
Kultige X-Mas-Party: 25 Jahre Leidenschaft und Musik
Seit 1998 haben die „verrückten Hühner“ um Bandleader Berti Kiolbassa Jahr für Jahr die Alte Reithalle im Hotel Maritim gefüllt – mit Ausnahme der Pandemie ohne eine einzige Pause. Die X-Mas-Party wurde zum Kult, die Band wurde mit ihrem Publikum älter, doch die Leidenschaft blieb ungebrochen.
MadChick of Soul, einst Mercedes-Hausband auf der Formel-1- und DTM-Tour, stand dabei immer für Soul der Extraklasse – energiegeladen, schweißtreibend, liebevoll arrangiert und mitreißend bis zum letzten Ton.
Der Ursprung dieser Soul-Reihe liegt in den späten 90er-Jahren: Berti Kiolbassa und Hoteldirektor Harald Mölg hatten gemeinsam die Idee, kurz vor Weihnachten eine rauschende Soulnacht in der Alten Reithalle zu veranstalten. Daraus wurde ein Partyhit in Stuttgart.
„Stuttgarter Zeit war mich die schönste Zeit meiner Laufbahn“
„Mit dir haben wir angefangen, mit dir hören wir auf“, hat Kiolbassa seinem alten Freund gesagt, der inzwischen in Österreich lebt. Mölg hat die Aufforderung verstanden und ist für diesen besonderen Abschied mit seiner Frau angereist. „Meine Stuttgarter Zeit war für mich die schönste Zeit meiner Laufbahn“, sagt er und strahlt.
1993, bei der Eröffnung des Stuttgarter Hotels Maritim, übernahm er die Leitung des Hauses. Zwölf Jahre prägte er das Hotel, war zudem Caterer beim Tennisturnier auf dem Weissenhof, bevor er nach Kitzbühel wechselte und dort bis zur Rente das Grand Hotel führte. Exklusiver sei es dort gewesen, prominenter – „doch in Stuttgart habe ich mich am wohlsten gefühlt.“ Das hat besondere Gründe, wie er sagt: „Was wir damals für irre Partys gefeiert haben! Ein Glück, dass es keine Handys und Social Media gab.“
Der Ortswechsel erweist sich als goldrichtig
Ausgerechnet im Jubiläumsjahr, der 25. Ausgabe der X-Mas-Soulnight, wollte das Maritim die Reihe nicht mehr weiterführen. Hoteldirektor Hartmut Korthäuer sprach von „Zeit für einen Generationswechsel“ und verwies auf rückläufige Besucherzahlen sowie wirtschaftliche Überlegungen.
Die Band wich in die Wagenhallen aus – eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweist. Rund 1000 Gäste – quer durch die Generationen – füllen den großen Saal. Viele schwärmen von einer Atmosphäre, die „besser zu einer Soulnight passt als die Reithalle“. Auf der Bühne stehen mit Berti Kiolbassa unter anderem Cherry Gehring und Frank Dapper von Pur. Aus Berlin ist der Bassist Ben Jud, der internationale Erfolge feiert, angereist.
Leuchtender Gegenpol: MadChick of Soul bringt gute Laune
Der letzte Soul-Christmas zeigt: diese Band hat richtig Bock darauf, gute Laune zu verbreiten – und sie tut das mit jedem Song. In Zeiten, in denen viel über Krieg, Krise und Unsicherheit gesprochen wird, ist ihr Konzert ein mitreißender Gegenpol.
Kiolbassas Setlist ist eine Reise durch Soul, Disco, Latin-Rock, Funk und R&B. Er wählt Songs, die ihm selbst am meisten Spaß machen – und das Publikum feiert jeden einzelnen davon. Die Energie wächst von Klassiker zu Klassiker, jeder Refrain wirkt ein wenig kräftiger, jede Bläserlinie ein bisschen heißer.
Ein „Abschied für immer“ fühlt sich anders an
Die Stimmung kocht, die Halle bebt, und als Zugabe schmettert die Band „Highway to Hell“ – ein kraftvoller Knall zum Abschied. Ist dies wirklich das Ende – oder beginnt an diesem neuen Ort vielleicht schon die nächste Ära? Ein „Abschied für immer“ fühlt sich anders an.