Stuttgarter Internetprojekt Handy als „Jobkraftwerk“ für Geflüchtete

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Mit einem neuen Internetangebot will die Stadt die Integrations von Flüchtlingen fördern. Auf der Plattform „Jobkraftwerk“ können sich Geflüchtete, Untestützer und Behörden vernetzen.

Das Handy ist für Geflüchtete wichtig schon wegen des Kontakts mit der Heimat. Nun soll es in Stuttgart auch zur Schaltstelle bei der Jobsuche werden. Foto: Gottfried Stoppel
Das Handy ist für Geflüchtete wichtig schon wegen des Kontakts mit der Heimat. Nun soll es in Stuttgart auch zur Schaltstelle bei der Jobsuche werden. Foto: Gottfried Stoppel

Stuttgart - Wo sonst die Stadtratsfraktionen ihrer politischen Tätigkeit nachgehen, sitzen gut 20 Geflüchtete unterschiedlichster Herkunft und Hautfarbe. Alle haben sie ein Smartphone bei sich, wie sonst auch, im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses hat es mit den Geräten aber eine besondere Bewandtnis. Die Verwaltung stellt die neue Flüchtlingssoftware „Jobkraftwerk“ vor. „Wir wollen Ihnen ein Instrument vorstellen, das Ihnen die Integration in unser Land erleichtern soll“, begrüßt Sozialbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) die Anwesenden.

Darum geht es: Unter der Internetadresse https://stuttgart.jobkraftwerk.com können sich die Geflüchteten registrieren und ein Profil anlegen, sie können etwa ihren Lebenslauf dort einstellen und andere wichtige Informationen und Schriftstücke wie Zeugnisse oder Zertifikate und anderes, was für die Jobsuche wichtig ist. So haben sie stets alles dabei im Smartphone, was sie brauchen, ein PC ist nicht mehr nötig.

Geflüchtete müssen Daten freigeben

Die Plattform bietet dazu aber noch die Möglichkeit, dass ebenso ehrenamtliche Helfer, aber auch die Integrationsmanager in den Unterkünften oder die persönlichen Ansprechpartner im Jobcenter Zugriff auf das Profil haben, so der Geflüchtete das will. „Sie haben die Daten in der Hand“, betonte Werner Wölfle. Er setzt darauf, dass sich durch Jobkraftwerk nicht nur die Geflüchteten „schneller zurechtfinden“, sondern dass auch das Miteinander von Unterstützern, Sozialarbeitern sowie von beteiligten Ämtern und Behörden durch einen schnellen Datenaustausch deutlich vereinfacht wird.

„Bisher mussten diese die Daten selbst erheben, der Geflüchtete selbst hatte aber nichts in der Hand“, sagt Tom Lawson vom Berliner Social Startup LambdaQuoppa, der das Angebot zusammen mit seinem Partner Oliver Queck entwickelt hat. Die Software ist nach den aktuell geltenden Verwaltungsvorgaben aufgebaut und enthält auch den Integrationsplan des Betreffenden und die getroffene Zielvereinbarung.

Eingabe auch in der Landessprache

Da viele der Geflüchteten nur mäßig Deutsch sprechen, kann zumindest ein Großteil von diesen die Angaben auch in der Muttersprache machen, neben Englisch auch in Arabisch oder Farsi, die Daten werden dann ins Deutsche übersetzt. Das fördert nach Ansicht der Entwickler die Richtigkeit und Genauigkeit der Angaben. Im nächsten Schritt komme Französisch und Italienisch dazu, sagt Tom Lawson, das viele Migranten aus Afrika sprechen.

Für Werner Wölfle ist wichtig, dass durch das neue Angebot die Mitarbeiter des Jobcenters, die Integrationsmanager und die Geflüchteten „stärker zusammengebunden“ werden und letztere „das Aktuelle immer bei sich haben“. Er geht davon aus, dass viele der etwa 10 000 Geflüchteten in Stuttgart, von denen noch rund 7000 in städtischen Unterkünften leben, von dem Angebot Gebrauch machen werden. Dafür gibt die Stadt in den kommenden beiden Jahren rund 100 000 Euro aus. Angewendet wird die Software bereits in den Landkreisen Ravensburg, Reutlingen und im Bodenseekreis.