Die Sonne zeigt sich an diesem Tag kein einziges Mal. Dunst hängt über den Feldern am Ortsrand von Plieningen. Es ist trüb und feucht. Bestes Grillwetter für Rodja Marzschesky. Der Kürbis ist bereits in Spalten geschnitten und auf einem Blech verteilt, auch der Lachs ist mit Wacholder, Salz und Zucker gewürzt, damit er später auf einem Zedernholzbrett auf die Feuerstelle kann. Grillen, das geht für Rodja Marzschesky immer. 365 Tage im Jahr. Während andere ihre Outdoorgeräte bereits unter Hauben verborgen und eingemottet haben, macht sich der 49-Jährige Gedanken darüber, was er in der Weihnachtszeit auf den Rost werfen kann. Das sogenannte An- und Abgrillen gibt es bei ihm, seiner Frau und dem Sohn nicht. „Wir grillen fast jedes Wochenende“, sagt Rodja Marzschesky. Grillen nimmt bei ihm einen besonderen Stellenwert ein. Es ist seit schon Jahren das große Hobby des ITlers. Im Garten des Reihenhäuschens in Plieningen haben sowohl der wuchtige Gasgrill als auch der kugelförmige Holzkohle-Keramikgrill, der in einen selbst gebauten Tisch eingelassen ist, eine eigene Ecke der Terrasse erhalten. Wok-Einsatz, Plancha, Drehspieß – für jedes Gericht gibt es Zubehör. Und ausprobiert wird tatsächlich vieles. „Ich habe auch schon die Weihnachtsgans auf dem Grill gemacht“, sagt er.
Ob vegetarisch oder fleischlastig, Wild oder Burger, selbst gemachte Wurst oder Käse, flambierte Ananas oder heiße Schokobanane: Seine Erfahrungen und Rezepte teilt Rodja Marzschesky auf seinem Blog. Viele Leute interessiert das. Die Seite www.0711-bbq.de hat laut dem Betreiber 100 bis 120 Zugriffe am Tag, dem Pendant bei Instagram folgen mehr als 6000 Nutzerinnen und Nutzer. Dort finden sich auch etlich Inspirationen fürs Wintergrillen; eine Disziplin, die Rodja Marzschesky als zu Unrecht ignoriert empfindet. Vielmehr sieht er beim Kaltwetter-Barbecue viele Vorteile. Statt im Hochsommer am Grill zu schwitzen und zu riskieren, dass herumstehende Zutaten schnell verderben, könne man sich im Winter am heißen Gerät gemütlich wärmen und Speisen in aller Seelenruhe im Freien zubereiten. Mit Glühwein, Punsch und Kerzen könne man auch ein geselliges Gruppenevent draus machen. „Auf dem Weihnachtsmarkt ist das ja auch nicht anders“, sagt er. Und wer an Heiligabend eine Zeit lang allein im Garten oder auf dem Balkon stehe, könne womöglich auch einfach mal die Ruhe genießen, sagt Rodja Marzschesky und lacht.
Auf seiner Homepage hat er bereits etliche potenziell festliche Gerichte hinterlegt; Rehrücken, Schmorbraten, Flammlachs oder Roastbeef. Rodja Marzschesky ist davon überzeugt: „Das, was ich an Weihnachten in der Küche zaubere, geht auch auf dem Grill.“ Vielmehr schaffe man sich eine zusätzliche Kochstelle – und der Mief in der Küche entfalle. Einen Nachteil habe das Wintergrillen allerdings: Man verbrauche mehr Gas als im Sommer, und es dauere bei Kälte auch länger, bis der Grill auf Temperatur sei. Jedoch gebe es auch beispielsweise gusseiserne Gartöpfe, die man einfach in Feuerschalen stellen könne. „Da ist für jeden was dabei“, sagt er. „Ich glaube, es ist eine Kopfsache.“