Fast ausverkaufte Hauptbühnen und neue Club-Acts: Die Jazz Open präsentieren am Donnerstag mit Überraschungsgast Curtis Stigers ihr restliches Programm inklusive Charity und Awards.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Das Programm steht – und der Andrang ist enorm: Wenn die Jazz Open vom 1. bis 12. Juli in ihre 32. Ausgabe gehen, werden rund 65.000 zahlende Gäste in der Stadt erwartet. Hinzu kommen etwa 10.000 Besucherinnen und Besucher bei den kostenfreien Open-Stages-Konzerten. Die beiden Hauptspielstätten sind bereits ausverkauft oder stehen kurz davor. Für Festivalmacher Jürgen Schlensog ist das ein klares Signal: Das stilistisch breit aufgestellte Konzept mit hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern trifft den Nerv des Publikums.

 

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag in der SpardaWelt haben die Veranstalter die noch fehlenden Namen für die Club-Stages, das Bix-Jazzclub-Programm, das SpardaWelt Eventcenter sowie die Vergabe des Wolfgang Dauner Awards bekannt gegeben. Die großen Headliner für den Schlossplatz und das Alte Schloss waren bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden.

Millionen von Alben hat er verkauft, seine Hits wie „I Wonder Why“ sind Klassiker: Aus London ist Überraschungsgast Curtis Stigers angereist, um vor den Vertretern der Medien und Sponsoren die Jazz Open in den höchsten Tönen zu loben. Seine Stimme ist rau, soulig, wunderbar wandelbar: Das Konzert des 60-jährigen US-Stars mit der SWR Big Band am 3. Juli im Alten Schloss ist bereits ausverkauft – ein weiteres Indiz für die enorme Nachfrage in diesem Jahr.

Popikone Katy Perry singt am 8. Juli bei den Jazz Open. Foto: IMAGO/ZUMA Press

Schlossplatz: Weltstars im Ehrenhof

Vom 6. bis 12. Juli verwandelt sich der Ehrenhof des Neuen Schlosses erneut in eine der spektakulärsten Open-Air-Bühnen des Landes. Den Auftakt am 6. Juli bildet Nick Cave bei seiner Jazz-Open-Premiere mit seinen Bad Seeds. Es folgt am 7. Juli der US-Sänger Teddy Swims (auch schon ausverkauft). Am 8. Juli übernimmt Pop-Ikone Katy Perry die Bühne, die sonst meist vor 40.000 Menschen spielt, in Stuttgart aber vor 7000 Menschen. Bei den Jazz Open, sagt Jürgen Schlensog, habe sie unbedingt mal auftreten wollen, weil der Ruf des Festivals international so gut sei.

Jamiroquai um Frontmann Jay Kay (Schlensong: „Seit seinem letzten Auftritt bei uns im Jahr 2018 ist er um 20 Kilo leichter“) bringen am 9. Juli ihren tanzbaren Funk- und Acid-Jazz-Sound nach Stuttgart. Für eine Rocknacht sorgt am 10. Juli Lenny Kravitz, eine „Rampensau“, wie Schlensog sagt. Zum ersten Mal bei den Jazz Open spielte der US-Star auf dem Pariser Platz. Fast hätte es damals nicht geklappt, weil eine laute Baustelle im Europaviertel den Künstler verärgerte. Mit 300 Euro gelang es, die Bauarbeiter zum Pausieren zu überreden.

Der 11. Juli steht ganz im Zeichen britischer Klangfarben mit dem immer wieder gern nach Stuttgart zurückkehrende Jamie Cullum, diesmal zusammen mit Joss Stone (ausverkauft). Den Schlusspunkt auf dem Schlossplatz setzt am 12. Juli Moby mit einer seiner mitreißenden Liveshows. „Wir haben lange gebraucht, um ihn zu bekommen“, sagt Schlensog. Der Tierschützer spendet einen Teil seiner Einnahmen für Tiere. Für dieses Konzert gibt es noch etwa 1500 Karten.

Lenny Kravitz kehrt zu den Jazz Open zurück. Foto: dpa

Altes Schloss: Festivalstart mit besonderen Projekten

Bereits am 1. Juli beginnt das Festival im Arkadenhof des Alten Schlosses. Die Hamburger Techno-Marching-Band Meute eröffnet mit ihrem energiegeladenen Crossover aus Blasmusik und elektronischen Beats. Am 2. Juli folgt der israelische Musiker Asaf Avidan mit einer außergewöhnlichen Show. Curtis Stigers trifft am 3. Juli auf die SWR Big Band und widmet sich legendären Klassikern.

Ein besonderes Projekt steht am 4. Juli auf dem Programm: Gitarrist Lee Ritenour interpretiert gemeinsam mit dem Stuttgart Kammerorchester Werke von David Bowie. Das Konzert ist dem 25-Jahr-Jubiläum der Bürgerstiftung Stuttgart gewidmet, für die an diesem Abend gesammelt wird. Den Abschluss im Alten Schloss gestaltet am 5. Juli die kanadische Jazzpianistin und Sängerin Diana Krall.

German Jazz Trophy für Stanley Clarke

Mit Stanley Clarke kehrt einer der prägendsten Bassisten des Fusion-Jazz nach Stuttgart zurück. Er wird zu Festivalbeginn mit der German Jazz Trophy der Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg für sein Lebenswerk ausgezeichnet – auch dieser Preis feiert 2026 sein 25-jähriges Bestehen. Nach der Verleihung im SpardaWelt Eventcenter gibt Clarke mit seiner Band ein Konzert.

Große Charity Night: James Morrison engagiert sich für krebskranke Kinder

Ein besonderer Höhepunkt im SpardaWelt Eventcenter ist die Jazz Open Charity Night am 4. Juli. Der australische Trompeter James Morrison widmet den Abend gemeinsam mit der Big Band Liechtenstein der Children Cancer Foundation (CCF). Die Hilfsorganisation engagiert sich seit vielen Jahren für krebskranke Kinder und deren Familien – und ist inzwischen auch von Stuttgart aus mit Ulrike Weinz als Vorständin bundesweit in Deutschland aktiv.

Der Stifter Friedhelm Gruber, ein Freund von Schlensog und früherer Volleyball-Nationalspieler, berichtet in der SpardaWelt, wie er nach dem Tod seines siebenjährigen Patenkindes mit Künstlern und Sportlern in Liechtenstein die Children Cancer Foundation gegründet hat. Ziel ist es, sagt er, nun auch in Stuttgart und der Region betroffene Familien finanziell, medizinisch, schnell und unbürokratisch zu unterstützen. Mit der Charity Night, bei dem die Künstler ohne Gage auftreten, erhält dieses Engagement eine prominente Plattform im Rahmen des Festivals.

Gerade in einem Jahr, in dem die Hauptbühnen nahezu ausverkauft sind und internationale Stars die Schlagzeilen bestimmen, setzt die Veranstaltung gleich mit Konzerten für zwei Stiftungen ein starkes gesellschaftliches Zeichen: Musik als Mittel der Solidarität.

Weitere Konzerte im SpardaWelt Eventcenter

Neben der Charity Night bietet das SpardaWelt Eventcenter ein hochkarätiges Programm: Am 7. Juli tritt Vince Wilburn jr., Neffe von Miles Davis, mit seiner Miles Electric Band auf und erinnert an die elektrische Phase des Jazzrevolutionärs.

Joshua Redman steht am 9. Juli mit seiner Band auf der Bühne. Brasilianisches Flair bringt am 10. Juli Pianistin Eliane Elias nach Stuttgart. Und am 11. Juli präsentiert das renommierte Jugendjazzorchester Baden-Württemberg eindrucksvoll die Qualität des heimischen Nachwuchses.

Clubkonzerte im BIX

Im BIX Jazzclub zeigt sich das Festival von seiner intimen Seite. Den Auftakt macht am 2. Juli Gitarrist Kurt Rosenwinkel, der sein Live-Album „The Remedy“ neu belebt. Es folgen Sö Byrd (3. Juli), Marius Neset mit seinem Album „Cabaret“ (4. Juli) sowie das US-Trio Mammal Hands (6. Juli).

Weitere Acts sind das Quartett Klaro! um Karolina Strassmayer und Drori Mondlak (7. Juli), Soul-Sängerin Mica Millar (8. Juli), Gitarrist Hervé Samb (9. Juli), Bluesmusiker D.K. Harrell (10. Juli) und Jazzsängerin Emma Smith (11. Juli).

Wolfgang Dauner Award Marco Mezquida

Der mit 15.000 Euro dotierte Wolfgang Dauner Award geht in diesem Jahr an den spanischen Pianisten Marco Mezquida. Die Preisverleihung findet am 5. Juli im Fruchtkasten statt, anschließend gibt Mezquida ein Solo-Konzert. Gefördert wird die Auszeichnung von der Péter Horváth Stiftung – eine dritte Stiftung, die bei den Jazz Open eine wichtige Rolle spielt. Randi Bubat, die Witwe der vor sechs Jahren gestorbenen Jazzlegende Dauner, dankt für das Engagement und die Nachwuchsförderung in Erinnerung an ihren Mann.

Wieder Konzerte quer durch die Stadt, die keinen Eintritt kosten

Auf sechs Bühnen finden die „Open Stages“ ohne Eintritt statt, etwa im Stadtpalais, im Musikpavillon auf der Königstraße und in der Stadtbibliothek. So überträgt sich das Jazz-Open-Gefühl auch auf Menschen, die keine Karten kaufen wollen oder können. Bisher hat die Stadt Stuttgart das kostenfreie Programm mitfinanziert, kann dies aber in diesem Jahr aus bekannten Gründen (zu wenig in der Kasse) nur noch teilweise tun. „Wir brauchen noch etwa 30.000 Euro“, sagt der Promoter, „wer was hat, kann sich gern melden.“

Die Jazz Open sind nachhaltig und konsequent bargeldlos

Nachhaltigkeit bleibt fester Bestandteil der Jazz Open. Alle Eintrittskarten gelten am Veranstaltungstag als VVS-Kombiticket. Zudem werden die CO₂-Emissionen des Festivals seit 2014 über ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt im Sudan kompensiert.

Das Festival setzt weiterhin vollständig auf bargeldlosen Zahlungsverkehr. Bezahlt wird per EC- oder Kreditkarte, Smartphone oder Wearable. Wer mit Mastercard zahlt, erhält 20 Prozent Rabatt auf Speisen und Getränke. Auch die Pfandrückgabe erfolgt digital – gesammelte Pfandspenden gehen an die Hilfsorganisation Stelp, die weltweit Projekte gegen Hunger, Durst und Unterdrückung unterstützt.

Premiere in Modena

Direkt im Anschluss folgt vom 13. bis 18. Juli die Premiere der Jazz Open Modena. Reiseveranstalter bieten kombinierte Festival- und Kurzurlaubsangebote in der Emilia-Romagna an – inklusive Rahmenprogramm, außergewöhnlicher Hotels und kulinarischer Entdeckungen.

Mit nahezu ausverkauften Hauptbühnen, einem stilistisch breit gefächerten Programm und einem starken sozialen Engagement in Zusammenarbeit mit drei Stiftungen starten die Jazz Open 2026 mit großem Rückenwind in den Festivalsommer.