Stuttgarter Jubiläum Langer Abschied von der Homöopathie

Die Apotheke des Krankenhauses fand sein besonderes Interesse beim Eröffnungsrundgang. Der damalige Ärztliche Direktor des Krankenhauses, Professor Dr. Alfons Stiegele (links) und der Apotheker der Klinik (rechts) begleiten den Stifter.  Foto: Bosch 4 Bilder
Die Apotheke des Krankenhauses fand sein besonderes Interesse beim Eröffnungsrundgang. Der damalige Ärztliche Direktor des Krankenhauses, Professor Dr. Alfons Stiegele (links) und der Apotheker der Klinik (rechts) begleiten den Stifter. Foto: Bosch

Eines der Zentren der Homöopathie sollte das 1940 vom Industriellen Robert Bosch begründete Robert-Bosch-Krankenhaus sein. Von diesem Gedanken ist heute nicht mehr viel übrig. Ganz verschwunden ist er aber auch nicht.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)
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Stuttgart - Wo früher Patienten auf Heilung hofften, fahnden heute Polizisten nach Verbrechern: Das alte Robert-Bosch-Krankenhaus, im April 1940 eröffnet, lag am Pragsattel. Erst als die Klinik 1973 an den heutigen Standort auf den Burgholzhof umzog, übernahm die Polizei das Haus. Auf Bildern der Einweihung ist der Unternehmens- und Klinikgründer Robert Bosch zu sehen, wie er den Stadträten stolz seine Klinik zeigt. 6,7 Millionen Reichsmark hat er sich das Haus kosten lassen. Am 10. April 1940 kamen die ersten Patienten, am 28. April war die Eröffnungsfeier.

Die Straße am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) ist gleichzeitig nach Samuel Hahnemann benannt worden – dem Kenner deutet sich dadurch an, dass das RBK einst eine etwas andere Klinik war. Hahnemann war der Begründer der Homöopathie, dieser alternativen Heilweise, die mit verdünnten (die Homöopathen sagen: potenzierten) Substanzen arbeitet. Bosch war ein leidenschaftlicher Anhänger dieser Medizin. Im Jahr 1921 schrieb er: „Ich bin vom Knabenalter an nie anders als homöopathisch behandelt worden. Ich bin gegen irgendwelche Arzneimittel sehr empfindlich und habe die Erfahrung gemacht, dass mich homöopathische Arzneimittel auch in 1000-facher Verdünnung stark beeinflussen.“

Früher Start in der Marienstraße

Bosch war es deshalb ein großes Anliegen, der Homöopathie, die damals wie heute nicht unumstritten ist, aber gerade wieder viel Zulauf erfährt, zum Durchbruch zu verhelfen. Schon 1915 ist mit großer finanzieller Unterstützung Boschs die „Stuttgarter Homöopathisches Krankenhaus GmbH“ gegründet worden; sie eröffnete 1921 ein „Aushilfskrankenhaus“ mit 73 Betten in der Marienstraße. Die ärztliche Mannschaft, darunter der Chefarzt Alfons Stiegele, wechselte 1940 fast geschlossen ins neu gebaute RBK. Insofern war die Klinik in der Marienstraße eine Vorläuferin, sodass das RBK 2015 eigentlich zwei Jubiläen feiert – 100 Jahre Krankenhaus-GmbH und 75 Jahre Bosch-Krankenhaus.

In seiner Klinik, so wollte es Robert Bosch, sollten Patienten auch mit schweren Erkrankungen homöopathisch behandelt werden. Es sollten Ärzte in dieser Heilweise ausgebildet, und es sollte Forschung betrieben werden. Zudem legte Bosch Wert darauf, dass eine wissenschaftlich begründete Homöopathie betrieben werde. Es war also ein beinahe allumfassender Anspruch, den Bosch formulierte, was vielleicht schon das spätere Scheitern implizierte.




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