Stuttgarter Kabelhersteller Lapp arbeitet an der Stromrevolution

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Beim Stuttgarter Kabelhersteller Lapp lässt zwar die Dynamik etwas nach, das ist aber kein Grund für Pessimismus. Lapp will mit neuen Produkten punkten.

Lapp-Chef Andreas Lapp sieht keinen Anlass für Pessimismus. Foto:  
Lapp-Chef Andreas Lapp sieht keinen Anlass für Pessimismus. Foto:  

Stuttgart - Die Stuttgarter Lapp Holding AG sieht sich als Vorreiter bei der Entwicklung von Leitungen für Gleichstromnetze. Dies erklärte der Vorstand für Technik und Innovation, Georg Stawowy. Auf der Hannover-Messe sollen weitere derartige Kabel präsentiert werden, nachdem bereits im vergangenen Jahr die weltweit erste serienmäßige Leitung auf den Markt gebracht worden war. Langfristig könnte Gleichstrom nach Ansicht von Stawowy den traditionellen Wechselstrom weitgehend ersetzen.

Die Zahl der Anwendungen für Gleichstrom nimmt nach den Angaben des Technikvorstandes weiter zu. Als Beispiele nannte er LED-Leuchten, aber auch Elektroautos und Industrieantriebe. Bei der Umwandlung von Wechselstrom in Gleichstrom gehen große Mengen Energie verloren. Wenn in Deutschland allein bei Industrieantrieben diese Umwandlung überflüssig würde, könnten zehn Prozent an Energie eingespart werden, so Stawowy. Dies würde bedeuten, dass die beiden größten deutschen Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden könnten. Manche Komponenten für die Leitungen wie etwa Isolatoren oder Stecker müssten aber aus anderen als den bisherigen Materialien sein, so ein Sprecher.

Schnelles Wachstum bei Datenkabeln

Besonders schnell wächst bei Lapp der Bereich Kabel für die industrielle Datenkommunikation, ein wesentlicher Bestandteil von Industrie 4.0. Dort habe es im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Plus von 24 Prozent gegeben. „Es gibt keinen Grund für eine pessimistische Prognose“, sagte der Vorstandsvorsitzende Andreas Lapp. Mögliche Rückschläge auf dem einen oder anderen Gebiet könnten dank der breiten Aufstellung des Unternehmens abgefangen werden. Für das Geschäftsjahr 2018/19, das am 1. Oktober begann, rechnet der Vorstandsvorsitzende mit einem Umsatzplus „im hohen einstelligen Bereich“. Die etwas geringere Dynamik sei nach Jahren mit einem schnellen Wachstum eine durchaus erfreuliche Normalisierung.

Im Geschäftsjahr 2017/18 hatte der Umsatz noch um etwas mehr als zwölf Prozent auf 1,15 Milliarden Euro zugenommen. Dazu trugen Zukäufe 35 Millionen Euro bei. Besonders stark war das Wachstum im als Europa bezeichneten Bereich, zu dem auch Russland, Afrika und der Nahe Osten gehören. Das Ergebnis vor Steuern stieg um 5,5 Prozent auf 58,6 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter um knapp 13 Prozent auf 4245 Beschäftigte. Die Investitionen wurden um 29 Prozent auf 31 Millionen Euro erhöht. Das Werk im indischen Bhopal wurde erweitert, in Satteldorf bei Schwäbisch Hall wurde ein neues Logistikzentrum in Betrieb genommen, in Polen ist eines im Bau.