Stuttgarter Kammerorchester 2022 Komponieren Computer besser als Mozart?
Das Stuttgarter Kammerorchester experimentiert in diesem Jahr mit technischen Innovationen und lädt ungewöhnliche Gäste ein. Ein Ausblick.
Das Stuttgarter Kammerorchester experimentiert in diesem Jahr mit technischen Innovationen und lädt ungewöhnliche Gäste ein. Ein Ausblick.
Stuttgart - Neues Design, neues Outfit (mit roten Socken!), Tablets statt Papiernoten: Markus Korselt, Intendant des Stuttgarter Kammerorchesters (SKO), zitiert zurzeit besonders gerne Giuseppe di Lampedusas Roman „Der Leopard“. „Es muss sich alles ändern, damit alles so bleibt, wie es ist“, sagt Korselt, und mit dem, was bleiben soll, meint er: die Musik, die Qualität. Und das Unterwegssein – wenn möglich, bald wieder bei internationalen Tourneen, mit denen das SKO seine Stuttgarter Aktivitäten querfinanziert, aber auch im Sinne des inneren Unterwegsseins, der Neugier.
Neu ist die Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Höchstleistungsrechenzentrum bei der Erforschung musikalischer Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz. Der Computer wird mit Werken von Mozart und Luigi Nono „gefüttert“, bis er imstande ist, selbst in deren Stil zu komponieren. Die Ergebnisse wird das Kammerorchester aufführen.
Auch sonst enthält das Programm des Stuttgarter Kammerorchesters 2022 viel Ungewohntes und Experimentelles. So hat man zum Beispiel je zwanzig klassische Bögen und Barockbögen angeschafft, um auf modernen Instrumenten flexibler spielen zu können. Und in den geplanten Konzerten präsentiert man nicht nur bekannte Künstler (neben dem Chefdirigenten Thomas Zehetmair treten unter anderen der Tenor Ian Bostridge, der Komponist und Klarinettist Jörg Widmann, die Pianisten Kit Armstrong und Rafal Blechacz und die Sopranistin Nuria Rial auf), sondern stellt auch Gegensätzliches nebeneinander. Zum Beispiel Jazz (mit dem britischen Pianisten Gwilym Simcock) und Debussy. Arvo Pärt und die Stringtheorie (mit dem Vortrag eines Astrophysikers). Eine „Knastoper“ mit Insassen der JVA Adelsheim und dem Rapper Afrob. Stuttgarter Hofkomponisten, gespiegelt in elektronischer Musik von Sven Helbig. Das kann alles schiefgehen. Muss es aber nicht. Garantiert ist: Beim Stuttgarter Kammerorchester wird’s auch 2022 nicht langweilig.
Alle Termine des Orchesters im Netz unter: www.stuttgarter-kammerorchester.com