Trainerfrage Stuttgarter Kickers Analyse läuft – wie geht es weiter mit Marco Wildersinn?

Marco Wildersinn hat mit allen Spielern Feedback-Gespräche geführt – seine sportliche Zukunft bei den Kickers ist weiter offen. Foto: IMAGO/foto2press

Es gibt kein unkritisches „Weiter so!“ und keinen überstürzten Rauswurf. Die Stuttgarter Kickers arbeiten gewissenhaft an der besten Lösung für die Restsaison – auch in Sachen Trainer.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Bei den anderen Kickers aus der Regionalliga Südwest ging alles ganz fix: „Nach einer entsprechenden Analyse der sportlichen Situation und intensiven vertrauensvollen Gesprächen aller Beteiligten hat sich der OFC dazu entschieden, die gemeinsame Arbeit mit Cheftrainer Kristjan Glibo fortzusetzen.“ Diese Mitteilung kam am Donnerstag aus Offenbach an die Öffentlichkeit – mit dem ergänzenden Blick nach vorne: „Jetzt gilt es, gut durch die Wintervorbereitung zu kommen und mit der gleichen Entschlossenheit, wie zuletzt gegen Mainz in die Restsaison zu starten.“

 

Der OFC hat gegen den 1. FSV Mainz 05 II sein letztes Spiel vor der Winterpause mit 3:1 gewonnen. Solch ein Erfolgserlebnis zum Jahresabschluss hatten auch die Kickers aus Stuttgart mit ihrem 4:2-Sieg bei Eintracht Trier. Doch im Gegensatz zum Traditionsclub vom Bieberer Berg steht bei den Blauen aus Degerloch das klare Bekenntnis zum Trainer bisher aus.

Feedback-Gespräche mit allen Spielern

Die Analyse ist noch nicht abgeschlossen. Sportgeschäftsführer Lutz Siebrecht verweist auf weitere anstehende Gespräche und Sitzungen vor Weihnachten. In dieser Woche befindet sich Präsident Lorz aus beruflichen Gründen im Ausland. Eine Entscheidung dürfte nächste Woche fallen.

 Chefcoach Marco Wildersinn hat seine Arbeit mit seinem Trainerteam unterdessen reflektiert, die Feedback-Gespräche mit allen Spielern am Montag und Dienstag abgeschlossen. Auch mit Siebrecht hatte er einen „guten Austausch“ bevor es mit der Familie in den einwöchigen Urlaub nach Teneriffa ging.

Lutz Siebrecht führt noch viele Gespräche vor Weihnachten. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Dass sich der Verein, was seine sportliche Zukunft betrifft, noch bedeckt hält, irritiert ihn nicht: „Wir haben ein gutes Miteinander.“ Dass sich die Führungsetage grundsätzlich Gedanken mache, sei völlig normal. „Wir sind mit der aktuellen Platzierung nicht zufrieden und wollen uns im neuen Jahr steigern“, erklärt der 45-Jährige.

Vertragsverlängerung unwahrscheinlich

Man braucht sich, bei Lichte betrachtet, nichts vorzumachen: Dass der am Saisonende auslaufende Vertrag von Wildersinn verlängert wird, ist stand jetzt – vorsichtig formuliert – eher unwahrscheinlich. Aufgrund der Vertragskonstellation ist es ohnehin für beide Seiten legitim, sich neu zu orientieren. Die entscheidende Frage aber lautet: erfolgt die Trennung bereits vor den restlichen 14 Saisonspielen. Oder zieht es der Verein mit Wildersinn durch und nimmt in der Winterpause möglicherweise Korrekturen am Kader vor.

Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle: Was ist für den aktuellen Tabellen-Neunten in dieser Runde noch möglich? Könnte ein neuer Coach überhaupt mehr aus dem aktuellen Kader herauskitzeln? Was lassen die Finanzen zu? Welche passende Alternative wäre in der Winterpause überhaupt verfügbar? Besteht die Gefahr, dass ein möglicher neuer Trainer – immer wieder fällt im Umfeld der Name Mustafa Ünal – im Falle des Misserfolgs im Sommer bereits „verbrannt“ wäre?

Die Antwort in Sachen Trainer dürfte es noch vor Weihnachten geben. Siebrechts Einschätzung wird maßgeblich sein, doch absegnen und entscheiden muss es das Präsidium mit Chef Rainer Lorz an der Spitze. „Wir versuchen unsere Arbeit gewissenhaft zu machen. Es kann nur eine gemeinsame Entscheidung geben. Alle müssen, egal in welchem Bereich, von dem Weg überzeugt sein. Es geht darum, die bestmögliche Lösung für den Verein zu finden“, sagt Siebrecht.

Mit aller Macht wird bei den Blauen nichts durchgedrückt. Aber eine Entscheidung wird fallen.

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