Stuttgarter Kickers Aufarbeitung und ihre Folgen – Entscheidung naht

Trainer Mustafa Ünal holte mit Aufsteiger Stuttgarter Kickers die Vizemeisterschaft, das Team verspielte aber auch einen Zehn-Punkte-Vorsprung auf den VfB II. Foto: Baumann/Julia Rahn

Die Analyse und Aufarbeitung der abgelaufenen Saison bei den Stuttgarter Kickers laufen nun schon eine ganze Weile. Welche Konsequenzen ziehen die Verantwortlichen um Präsident Rainer Lorz? Erste Anzeichen gibt es.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Die schmerzliche 0:3-Niederlage des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers beim FC 08 Homburg und der damit verspielte Aufstieg in die dritte Liga sind nun eineinhalb Wochen her. Es folgten intensive Gespräche in den folgenden zwei Tagen, eine lebendige Aufsichtsratssitzung am Dienstag danach, aus der – so viel sickerte durch – die Erkenntnis reifte: Es muss sich etwas ändern. Das Kontrollgremium ermunterte das Präsidium jedenfalls zu einer selbstkritischen Ursachenanalyse auf allen Ebenen.

 

Durch diverse Urlaube in den Pfingstferien ging die detaillierte Aufarbeitung bisweilen nicht ganz so zügig voran, doch inzwischen dürfte sich die Entscheidungsfindung auf der Zielgeraden befinden.

Es wäre eine große Überraschung, wenn es ohne personelle Konsequenzen in die neue Saison gehen würde, zumal sich das verzwickte und alles andere als vertrauensvolle Verhältnis zwischen Trainer und Sportdirektor inzwischen bis zum Letzten herumgesprochen hat. Die Optionen sind deshalb unschwer zu erahnen: Mustafa Ünal muss gehen, Marc Stein muss gehen, beide müssen gehen – oder beide bleiben doch, möglicherweise mit Veränderungen bei den Assistenten im Trainerteam. Da bereits am 18. Juni das Training beginnt (Regionalliga-Start ist 26. bis 28. Juli), drängt die Zeit, weshalb auch eine Trennung von Trainer und Sportdirektor zum aktuellen Zeitpunkt als sehr unwahrscheinlich gilt.

Präsident Rainer Lorz und Sportdirektor Marc Stein sind derzeit für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Es gibt jedoch Anzeichen, dass auch bei den Blauen am ehesten der branchenübliche Mechanismus greifen könnte und es den Trainer erwischt. Als Chefcoach trägt Ünal für den Leistungsabfall nach der Winterpause und den verspielten Zehn-Punkte-Vorsprung auf den VfB Stuttgart II beim lange Zeit beeindruckend stabilen Aufsteiger nun mal die Hauptverantwortung. Andererseits gab es Stimmen von innen und außen, die in der Winterpause darauf hingewiesen haben, in Sachen Qualität personell in Vorleistung zu gehen, um sich bei Formschwächen oder Verletzungen von Schlüsselspielern wie Kevin Dicklhuber oder Niklas Kolbe unabhängiger zu machen.

Eine Entscheidung dürfte in den nächsten Tagen fallen, eine andere steht nach Informationen unserer Zeitung bereits fest: Ex-Bundesliga-Profi Julian Schieber (35) wird von der kommenden Saison an als Übergangskoordinator im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der Blauen einsteigen. Aktuell ist der 35-Jährige noch als U-19-Coach und Co-Trainer von Chefcoach Pascal Reinhardt bei Oberligist SG Sonnenhof Großaspach tätig.

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