Stuttgarter Kickers Auracher geht als Spieler – und bleibt für den Nachwuchs am Ball

Von Jürgen Frey 

Kapitän und Vizekapitän verlassen die Stuttgarter Kickers – und wechseln im Doppelpack zum TSV Essingen. Es gibt Gründe, warum sich der Verbandsligist Patrick Auracher und Tobias Feisthammel leisten kann.

Sie jubeln künftig gemeinsam nicht mehr für die Stuttgarter Kickers, sondern für den Verbandsligisten TSV Essingen: Die  Defensivstrategen Tobias Feisthammel (li.) und Patrick Auracher. Foto: imago/Eibner
Sie jubeln künftig gemeinsam nicht mehr für die Stuttgarter Kickers, sondern für den Verbandsligisten TSV Essingen: Die Defensivstrategen Tobias Feisthammel (li.) und Patrick Auracher. Foto: imago/Eibner

Stuttgart/Essingen - Er stand 157 Mal auf dem Rasen für die Stuttgarter Kickers, hinzu kommen 40 Spiele für die zweite Mannschaft und 20 in der U19. Patrick Auracher ist ein Urgestein der Blauen – und diese Ära geht als Spieler nun zu Ende. Auf eine Verlängerung des Kontrakts als Kadermitglied der Oberligamannschaft konnten sich beide Seiten nicht einigen, doch immerhin bleibt die Identifikationsfigur dem Nachwuchsbereich erhalten. Der 30-Jährige wird zunächst ein Jahr lang zweimal pro Woche in verschiedene Bereich des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) hineinschnuppern. Auch im Training der ersten Mannschaft soll er immer wieder mit dabei sein. Außerdem will er seinen ersten Trainerschein machen und helfen, das NLZ nach vorne zu bringen, auch als Co-Trainer eines Jugendteams. „Mit seiner Erfahrung kann er übergeordnet jedem Spieler, jedem Trainer und jeder Mannschaft helfen – er kann aber auch von unseren Trainern einiges lernen“, sagt der Sportliche Leiter Lutz Siebrecht.

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Als Spieler wird sich Auracher dem TSV Essingen anschließen. Das Angebot des ambitionierten Verbandsligisten war vor allem in der Abwägung zwischen Aufwand und Ertrag lukrativer, als das der Blauen. „Ich wollte den Stuttgarter Kickers verbunden bleiben, wollte aber auch eine Sicherheit für meine Zukunft. In Essingen erhalte ich einen langfristigen Vertrag und kann in dieser Zeit auch ins Berufsleben einsteigen“, sagt der Innenverteidiger, der demnächst einen Drei- oder Vierjahresvertrag unterschreiben wird. Co-Trainer in Essingen ist übrigens sein künftiger Schwager Simon Köpf, 2009 bis 2013 selbst für die Kickers am Ball.

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Der bisherige Vizekapitän der Kickers, der in Schorndorf wohnt, wird mit dem bisherigen Kapitän der Kickers (wohnhaft in Berglen) weiter in einer Mannschaft spielen und eine Fahrgemeinschaft bilden. Denn auch Tobias Feisthammel schließt sich dem TSV Essingen an – der 32-Jährige, um den sich auch Oberligist SSV Reutlingen sehr bemühte, unterschrieb für zwei Jahre plus einjähriger Option beim Team von Trainer Beniamino Molinari. Feisthammel wird Mitte Juli sein BWL-Studium abschließen und künftig den Beruf in den Vordergrund stellen.

Wiedersehen mit Patrick Funk

„Ich habe aber weiter große Lust auf Fußball und speziell Essingen, ich will Gas geben und Spaß haben“, sagt der Defensivspezialist, der beim TSV auch ein Wiedersehen mit Ex-Profi Patrick Funkfeiert, mit dem er schon beim VfB Stuttgart zusammenspielte. Als Gegner trafen sich die beiden in der zweiten Liga, als Feisthammel für Alemannia Aachen und Funk für den FC St. Pauli spielte. Ein dritter Abgang der Kickers wird dagegen der Oberliga erhalten bleiben: Offensivmann Michael Klauß (33) zieht es zum SGV Freiberg.

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Bleibt die Frage, wie der Club vor den Tore Aalens den prominent besetzten Kader finanzieren kann. Hauptdrehscheibe beim TSV Essingen ist Abteilungsleiter Siad Esber. Der Allgemeinmediziner ist in der Region bestens vernetzt und unterstützt den Verein auch finanziell. Wichtiger Geldgeber ist das Mode-Unternehmen „Bruno Banani“. Der Seniorchef und ein Sohn wohnen in Essingen. Hinzu kommt Schrott-Unternehmer Berndt-Ulrich Scholz, bis 2016 13 Jahre lang Präsident und Hauptgeldgeber des VfR Aalen, der ebenfalls in Essingen zu Hause ist. Sie alle würden nur allzu gerne mit dem TSV den Rückstand zum Regionalliga-Nachbarn und Platzhirsch VfR Aalen verkürzen. Die Chancen dafür sind mit den beiden ehemaligen Kickers-Strategen mit Sicherheit nicht gesunken.




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