Der Stürmer der Stuttgarter Kickers hat sechs Kilogramm abgenommen und den Ernst des Profilebens entdeckt. Jetzt will er mit den Blauen an der Tabellenspitze der dritten Fußball-Liga mitspielen.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stuttgart - Elia Soriano scheint noch immer ein geselliger Typ zu sein. Das wird am Mittwochabend nach dem 2:0-Sieg der Stuttgarter Kickers in der dritten WFV-Pokalrunde beim Verbandsligisten SV Böblingen ziemlich schnell klar. Denn kein anderer Spieler des Tabellendritten der dritten Fußballliga darf nach Spielschluss so viele Hände von eigens angereisten Freunden und ein paar Schulterklopfern in der ersten Tribünenreihe abklatschen wie der Stürmer, der im Vorjahr als das große Versprechen für viele Kickers-Treffer vom Karlsruher SC nach Degerloch kam.

Eine gewaltige Torflut ist es in der Vorsaison dann aber nicht geworden: Lediglich siebenmal hat der 25-Jährige in 33 Drittligaeinsätzen getroffen. Doch zurückschauen, das gilt nicht, wenn es nach dem Stürmer geht. Jetzt ist schließlich der „neue Elia Soriano“ da, als den ihn unlängst auch das Fachmagazin „Kicker“ gepriesen hat. „Ich habe meine Ernährung komplett umgestellt. Habe endlich wieder die ganze Sommervorbereitung mitgemacht – und bin nun sechs Kilo leichter“, erzählt der Darmstädter mit den neapolitanischen Wurzeln nicht ohne Stolz in der Stimme.

Mit einem fröhlich-verschmitztem Lächeln

Die erste Ernte für seine Bemühungen hat Soriano, ein fröhlich-verschmitzter Fußballprofi mit einem latenten Hang zu Partynächten, auf dem Fußballplatz auch bereits eingefahren. Denn sein drittes Saisontor, der 2:3-Anschlusstreffer vom vergangenen Sonntag bei der Niederlage auf der Bielefelder Alm, der wurde zu einem ­sehenswertes Kapitel der Fußballartistik. Kein Wunder also, dass Sorianos Fallrückzieher am Fünfmeterraum, von wo aus er den Ball in den Winkel hämmert, bei der Wahl zum „Drittligator des Monats“ auf der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit 75 Prozent der Stimmen mit ­großem Abstand vorne liegt. Ob der Fallrückzieher auch in der ARD-„Sportschau“ bei der Wahl zum „Tor des Monats“ vorgestellt wird, ist derweil noch nicht entschieden. Offenbar ist dem Ersten die Bildqualität zu schlecht; Siegchancen hätte das Tor aber allemal.

Für Horst Steffen sind derlei Wettbewerbe allerdings nur ein netter Randaspekt. Der Kickers-Trainer will vielmehr das versteckte Potenzial aus seinem schlampigen Talent mit der Nummer 9 herauskitzeln. „Der Elia hat in seiner Karriere immer seine Tore gemacht – mal mehr, mal weniger“, sagt Steffen über Soriano: „Aber jetzt wird sich zeigen, ob er es schafft, noch ein richtig guter Fußballprofi zu werden.“ Erste positive Anzeichen gibt es bereits. Horst Steffen scheint also auf einem guten Weg zu sein, neben dem überflüssigen Gewicht auch die weiteren Problemzonen des Elia Soriano erfolgreich zu bearbeiten.

Mit dem süßen Leben ist es vorbei

„Ich habe mein Sportlerleben schon ein bisschen auf die leichte Schulter genommen. Bin abends auch gerne mal ausgegangen und habe mich schlecht ernährt“, sagt Soriano, der sich nun geläutert gibt: „Aber das ist jetzt vorbei.“ Möglicherweise haben die Kickers auch deshalb den Vertrag von Marcos Alvarez zum Saisonende nicht verlängert, mit dem sich Soriano nicht nur vorne im Kickers-Angriff sehr gut verstanden haben soll. Namen fallen von Clubseite aus keine – der Trainer Steffen verrät nur so viel: „Ich habe es dem Elia gesagt, wie ich es auch meinen Kindern sage: Trennt euch von negativem Umgang, von Leuten, die euch runterziehen. Denn irgendwann seid ihr sonst auch so.“

Soriano hat diesen Rat offenbar beherzigt. Auch auf dem Platz ist er ruhiger geworden. In der Vorsaison hat der Angreifer, dessen jüngerer Bruder Roberto Stammspieler bei Sampdoria Genua in der Serie A ist und an die Tür der italienischen Nationalelf klopft, zehn Gelbe Karten gesehen – die meisten davon wegen Meckerns. „Ich fühle mich frischer und will so viele Tore machen wie möglich“, sagt Soriano, der im offensiveren 4-3-3-System von Steffen jetzt mehr laufen muss als in der vergangenen Runde, wo er als Sturmtank auch mal gerne vorne lauerte. Ob es mit der neuen Taktik zum Aufstieg reicht? „Wir haben gute Chancen, in dieser Saison oben mit dabei zu sein, wenn alle mitziehen“, sagt Soriano, der offensichtlich dabei ist, mit gutem Beispiel voranzugehen.

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