Stuttgarter Kickers beim 1. Göppinger SV So blickt GSV-Coach Gianni Coveli auf das Duell mit den Blauen

Trotz fünf sieglosen Regionalligaspielen blickt GSV-Coach Gianni Coveli nach wie vor optimistisch in die Zukunft. Foto: IMAGO/Eibner/IMAGO/Eibner-Pressefoto/Claus G. Stoll

Aufsteiger 1. Göppinger SV tut sich noch schwer in der Regionalliga. Vor dem Duell mit den Stuttgarter Kickers spricht Trainer Gianni Coveli über die Außenseiterchance, die mittelfristigen Ziele – und er appelliert an die heimische Wirtschaft.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Es ist neben dem Gastspiel von Kickers Offenbach der absolute Saisonhöhepunkt für den Regionalliga-Aufsteiger 1. Göppinger SV. An diesem Freitag (19 Uhr) gastieren die Stuttgarter Kickers im Stadion an der Hohenstaufenstraße. GSV-Trainer Gianni Coveli blickt im Interview nicht nur auf dieses brisante württembergische Derby.

 

Herr Coveli, kommen die Stuttgarter Kickers genau zur richtigen Zeit?

(lacht) Sie meinen, ganz nach dem Motto, zu verlieren haben wir ohnehin nichts? Da ist natürlich was dran, denn gegen einen solch übermächtigen Gegner wie die Kickers sind wir krasser Außenseiter. Andererseits wird es Zeit, dass wir unseren ersten Sieg in der Regionalliga landen.

Warum hat es bisher nicht geklappt?

Weil uns die Konstanz, die Stabilität, die Konzentration und die Effizienz über 90 Minuten fehlen. Was das Spielerische betrifft, die Athletik, das Laufvermögen sind wir schon sehr gut mit dabei. Wir schaffen es auch, uns Torchancen zu erspielen, nicht nur über Standards.

Die dann aber zu selten genutzt werden. Fehlt Ihnen nicht ein Knipser wie Mijo Tunjic, der im Sommer vom GSV zu Landesligist JC Donzdorf wechselte?

Natürlich könnten wir auch in der Box einen erfahrenen Mann gebrauchen, aber das ist nicht das Hauptproblem. Wir haben schon sechs Tore erzielt, dabei gab es sechs verschiedene Torschützen. Wir verteilen die Verantwortung auf mehrere Schultern. Mich ärgern vielmehr die einfachen Ballverluste, die individuellen Fehler, die jetzt auch in Trier zu beiden Gegentoren führten. Solche Aussetzer dürfen wir uns nicht erlauben.

Rechtsverteidiger Bastian Frölich ist Ihr einziger Spieler im Kader mit etwas Regionalligaerfahrung. Ist das nicht ein großes Problem?

Das ist definitiv ein Problem. Die Erfahrung ist enorm wichtig, vor allem, wenn du gegen ausgebuffte Profiteams in dieser Liga spielst. Und wenn es darum geht, vor stimmungsvollen Kulissen wie in Trier oder noch krasser in Offenbach oder bei den Stuttgarter Kickers zu bestehen.

Warum haben Sie keine regionalligaerprobten Spieler verpflichtet?

Das versucht man natürlich, aber wir müssen einfach auch die Rahmenbedingungen einhalten. Wir mussten nach dem Aufstieg viel in die Infrastruktur rund um unser Stadion stecken, damit wir überhaupt alle Heimspiele in Göppingen austragen können. Dieser Prozess ist auch noch gar nicht abgeschlossen. Das verursacht hohe Kosten, die in anderen Bereichen eingespart werden müssen. Zu unserem letzten Auswärtsspiel sind wir am Spieltag bei brütender Hitze viereinhalb Stunden mit dem Bus angereist, die Trierer dagegen reisen zu allen Partien mit einer Entfernung von über 150 Kilometern einen Tag früher an.

Müsste nicht dennoch die Mannschaft über allem stehen, denn bei einem sofortigen Abstieg wären die ganzen strukturellen Maßnahmen doch wieder von völlig nachgeordneter Bedeutung?

Natürlich ist der Klassenverbleib enorm wichtig, um eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Wir befinden uns auf Augenhöhe, es fehlt nicht viel. Deshalb machen wir uns nicht verrückt, zumal einige Gegner von unserer Kragenweite erst noch kommen. Wir wollen und müssen jetzt einfach dranbleiben an den Nichtabstiegsplätzen und das Rennen offen halten, vielleicht können wir dann in der Winterpause mit Qualität personell nachlegen. Dafür brauchen wir aber die Unterstützung der Unternehmen in der Region im und um das Filstal.

Eine bessere Plattform, als ein volles Haus mit 4000 Zuschauern gegen die Kickers gibt es nicht, um Werbung zu betreiben.

Absolut, und ich kann versprechen, wir werden alles Erdenkliche raushauen, um dem hohen Favoriten ein Bein zu stellen. Welch hohe Kaderqualität die Kickers allerdings haben, zeigt schon allein die Tatsache, dass meine ehemaligen Spieler Kevin Dicklhuber und Marcel Schmidts zuletzt nicht zur Anfangself gehörten. Über die Strecke gesehen, können wir mit den Blauen nicht mithalten, aber in einem Spiel ist Vieles möglich.

Info

Karriere
Gianni Coveli wurde am 31. Juli 1970 in Stuttgart geboren. Der Mittelfeldspieler war von 1984 bis 1990 für die Stuttgarter Kickers am Ball, danach für die TSF Ditzingen, die SpVgg 07 Ludwigsburg und den TSV Schwieberdingen. Als Trainer arbeitete er für den TSV Schwieberdingen, die SpVgg 07 Ludwigsburg, den FSV 08 Bissingen und seit 2014 für den 1. Göppinger SV, mit dem er 2016 in die Oberliga und 2024 in die Regionalliga aufstieg. Auch mit seinen vorherigen Clubs gelangen ihm insgesamt drei Aufstiege als Trainer.

Persönliches
Coveli ist verheiratet mit Ute. Das Paar hat die Kinder Nina und Colin und wohnt in Esslingen. Er betreibt das Sportartikelhersteller-Unternehmen SX Pro Solutions mit Sitz in Esslingen.

Termine
SGV Freiberg – 1. Göppinger SV 2:2, SC Geislingen – GSV 0:7 (WFV-Pokal, zweite Runde), GSV – TSG 1899 Hoffenheim II 3:4, VfR Aalen – GSV (0:1/WFV-Pokal, dritte Runde), Bahlinger SC – GSV 1:0, GSV – SG Barockstadt Fulda-Lehnerz 1:1, Eintracht Trier – GSV 2:0, GSV – Stuttgarter Kickers (30. August, 19 Uhr), 1. FSV Mainz 05 II – GSV (8. September, 14 Uhr), GSV – Hessen Kassel (15. September, 14 Uhr), Eintracht Frankfurt II – GSV (20. September, 19 Uhr), GSV – FC 08 Homburg (28. September, 14 Uhr), SG Sonnenhof Großaspach – GSV (16. Oktober, 19 Uhr/WFV-Pokal-Achtelfinale). (jüf)

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