Flamur Berisha gehört zu den Aktivposten bei den Stuttgarter Kickers im bisherigen Saisonverlauf. Foto: IMAGO
In seiner vierten Saison bei den Stuttgarter Kickers ist Flamur Berisha so gut in Form wie noch nie – zuletzt auf ungewohnter Position. Dafür gibt es vor dem Spiel in Mainz Gründe.
Marco Wildersinn bat Flamur Berisha zum Einzelgespräch. 20 Minuten vor der Mannschaft erfuhr der Spieler am vergangenen Sonntag vom Trainer, dass er im Regionalliga-Heimspiel gegen Eintracht Trier (1:1) als Mittelstürmer für die Stuttgarter Kickers auflaufen wird. Die Überraschung war groß. Auch beim 25-Jährigen selbst: „Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte, der Coach wollte mir eine andere taktische Anweisung geben“, sagt Berisha im Rückblick.
Nun ist es nicht so, dass der Außenstürmer noch nie zentraler gespielt hätte. Doch wenn das mal der Fall war, dann eher als zweite Spitze. So wie in seiner Zeit beim SGV Freiberg (2020 bis 2022), neben den „Büffeln“ Marco Grüttner, Marcel Sökler oder Dominik Salz.
In Wildersinns 4-3-3-System bei den Blauen spielte Berisha nun allein vorne im Zentrum und bekam den Vorzug vor den etatmäßigen Neunern David Braig und Marlon Faß. Warum? „Weil Flamur sich in bestechender Form befindet. Er gibt uns Tiefe und Ballsicherheit. Er läuft giftig und gefährlich an“, begründete der Trainer den Wechsel zu einem anderen Profil auf der Neun.
„Steter Tropfen höhlt den Stein“
Ob auf dem Flügel oder im Zentrum: Fleißig, laufstark, schnell und dynamisch war Berisha schon immer. Doch noch nie brachte der 1,82-m-Mann mit seinem robusten Körper seine PS so aufs Feld wie jetzt, in seiner vierten Saison bei den Kickers. Woran das liegt? „Steter Tropfen höhlt den Stein, Flamur ist einer, der alles aufsaugt, und manchmal dauert eine Entwicklung etwas länger“, lautet Wildersinns Erklärung.
Fitter denn je
Der Spieler selbst führt den Aufschwung vor allem auf seine körperliche Verfassung zurück. „Ich bin fitter denn je, habe viel Energie und Power und spüre das Vertrauen des Trainers. Da fällt einem vieles leichter.“ Vor der vergangenen Runde hatte ihn ein Muskelfaserriss in der Vorbereitung zurückgeworfen. Die Verletzung verheilte nicht optimal, am Ende kam er nur auf elf Startelfeinsätze 2024/25.
Überhaupt habe sich gegenüber der Vorsaison einiges verändert: „Es passt mannschaftlich sehr gut, die Grundstimmung ist hervorragend“, betont Berisha. Viel habe man in der Vorbereitung über die Basics gesprochen, über die Eigenschaften, die die Werte und Ideale des Vereins repräsentieren. „Wir wissen um die Bedeutung der drei Sterne um das Kickers-K“, sagt er.
Mann der leisen Töne
Könner, Kämpfer, Kameraden – das Motto soll die Blauen erfolgreich durch die Saison tragen. Wohin das führt, da will sich Berisha nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Er ist ein Mann der leisen Töne. Mit Bedacht wählt er seine Worte. Doch dass er aus sich selbst das Bestmögliche herausholen will, daran lässt er keinen Zweifel. Und mit seiner Entwicklung fühlt er sich noch lange nicht am Ende. Ein oder gar zwei Ligen höher traut er sich zu – im besten Fall mit den Kickers.
Sein großes Vorbild ist dabei sein Vater Naser, der aus dem Kosovo stammt, die Mutter ist Deutsche. Naser Berisha stürmte selbst in der zweiten Liga im ehemaligen Jugoslawien, war danach auch noch Spieler und Trainer im heutigen Wohnort Immendingen im Landkreis Tuttlingen. Von dort aus ging es für Flamur über den FC Radolfzell, den FC 08 Villingen und den SGV Freiberg zu den Kickers. Nebenbei studiert er via Fernuni Internationales Management.
Bleiben Kickers ungeschlagen?
Doch aktuell gilt seine Hauptkonzentration dem Fußball und den Kickers. Mit den Blauen will er an diesem Samstag (13 Uhr) beim 1. FSV Mainz 05 II punkten und auch im sechsten Pflichtspiel in dieser Saison ungeschlagen bleiben. Auf welcher Position er zum Einsatz kommt? „Eher wieder als Außenstürmer“, sagte Wildersinn Anfang der Woche, ohne sich bereits festlegen zu wollen. Wie auch immer die endgültige Entscheidung ausfällt: Berisha ist bereit, seine PS aufs Feld zu bringen.