Stuttgarter Kickers Das erwarten Fans und Ex-Spieler von der neuen Saison

Ralf Vollmer, Markus „Toni“ Sailer, Hans-Dieter Trotter, Anna-Lena Nanz (im Uhrzeigersinn) und andere geben ihre Saisonprognosen ab. Foto: Baumann, imago

Am Sonntag starten die Stuttgarter Kickers in Fulda in die neue Regionalligasaison. Wir haben uns bei Ex-Spielern und Fans der Blauen umgehört, was sie dem Team zutrauen.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Die Pokalhürde beim Oberligisten 1. Göppinger SV haben die Stuttgarter Kickers mit 2:0 souverän genommen. Nun steht am kommenden Sonntag (14 Uhr) bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz Fulda das erste Regionalligaspiel an. Was erwarten Fans und Ex-Spieler von der neuen Saison?

 

Paul Dittmer (60, Fan aus Rotenburg an der Wümme): „Was ein Saisonziel betrifft, halte ich es wie der Trainer – da lege ich mich auf keine Platzierung fest (lacht). Allzu optimistisch bin ich jedoch nicht, da der Verein immer noch dabei ist, den einen oder anderen Fehler in der Kaderplanung zu korrigieren. Man hat etwas über seine Verhältnisse gelebt, und muss jetzt mit dem Geld auskommen, das vorhanden ist. Natürlich wünsche auch ich mir einen Knipser fürs Sturmzentrum und einen Mentalitätsspieler, der das Team mitreißt, wenn es mal nicht so läuft. Doch solche Typen kosten, von daher muss man wohl mal etwas kleinere Brötchen backen. Damit kann ich persönlich leben, vorausgesetzt der absolute Siegeswille, die volle Leidenschaft, wird auf den Platz gebracht. Dann ist es auch keine Schande, wenn es mal mit den drei Punkten nicht klappt. Was ich mir auf alle Fälle erhoffe ist, dass ich mir an Silvester fürs neue Jahr noch den WFV-Pokal-Sieg wünschen kann. In Göppingen ging ja schon mal nichts schief. Vor zwei Jahren benötigte man dort noch ein Elfmeterschießen, um weiterzukommen.“

Jo Schlosser, Willi Mast, Paul Dittmer, Ralf Vollmer, Holger Schäfer und Norbert Stippel (v.li.) im Rahmen des U-19-Trainingslagers in Rotenburg/Wümme. Foto: red

Markus „Toni“ Sailer (57, ehemaliger Kickers-Profi aus Weissach im Tal): „Ich wünsche mir und hoffe, dass die Kickers vorne mitspielen. Sie sind in der kommenden Saison sicher nicht der Topfavorit, aber eine junge, verschworene Gemeinschaft kann oft mehr bewirken, als eine Truppe mit satten Stars. Auch wir sind damals unter Trainer Wolle Wolf in die zweite Liga aufgestiegen, weil wir einen unglaublichen Zusammenhalt im Team hatten und uns mehr gewehrt haben, als andere. Spüren das die treuen Fans der Blauen, dann können sie zum entscheidenden Trumpf werden.“

Dieter Beck (53, Gründungsmitglied und seit 34 Jahren im Fan-Club Blue Boys aus Steinenbronn): „Meine Erwartungshaltung ist sehr niedrig. Das hängt weniger mit dem aktuellen Kader zusammen, als vielmehr damit, dass ich dann nicht enttäuscht bin, wenn es nicht richtig funktioniert. Vor der vergangenen Saison war man als Vize-Meister automatisch in der Favoritenrolle, jetzt nicht. Das nimmt den Druck, die Mannschaft kann befreiter aufspielen. Ich halte unseren Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht für einen fähigen Mann. Er und Trainer Marco Wildersinn, der bisher jedoch etwas farblos blieb, werden wissen, was sie tun. Entscheidend ist in Degerloch nicht, dass die Mannschaft schönen Fußball spielt, die Spieler müssen sich vielmehr aufopfern, dann wird vieles verziehen.“

Dieter Beck Foto: red

Anna-Lena Nanz (28, Fan aus Stuttgart): „Ich bin mega gespannt auf die neue Saison und tue mich noch etwas schwer, das Ganze richtig einzuschätzen. Traurig bin ich, dass Spieler, die mir ans Herz gewachsen sind, abgegeben wurden. Da bin ich einfach sehr emotional und zu wenig rational. Überhaupt nicht prickelnd finde ich die vielen Verletzten, darunter sind ja auch absolute Führungsspieler wie Felix Dornebusch, Per Lockl oder Christian Mauersberger. Frische Impulse verspreche ich mir vom neuen Kapitän Lukas Kiefer, aber eine Saisonprognose traue ich mir aktuell nicht zu.“

Ralf Vollmer (63, Ex-Kickers-Profi aus Hardthausen): „Ich sehe die kommende Saison als ein Jahr der Konsolidierung. Die Kickers leisten tolle Arbeit im Nachwuchsbereich und sind dabei, etwas aufzubauen mit jungen Spielern, die es heranzuführen und weiterzuentwickeln gilt. Dabei sehe ich vielversprechende Ansätze. Dies ist für mich auch der einzig gangbare Weg, denn die Topspieler gehen sofort in die dritte Lga. Ich glaube für diese Philosophie bringen Fans und und Sponsoren Verständnis auf. Allerdings darf sich die Mannschaft dann nicht so präsentieren wie am Ende der vergangenen Saison, diese Auftritte haben viel kaputt gemacht. Ein bisschen erinnert mich die neue Mannschaft an meine Anfangszeit bei den Kickers. Nach dem Abgang von einige etablierten Spielern wie Dollmann, Täuber, Susser oder auch Buchwald, stießen junge Leute wie Schindler, Jeske, Flad oder auch ich zum Team. Wir spielten zunächst gegen gegen den Abstieg und haben dabei aber die Basis gelegt für die Teilnahme am DFB-Pokal-Finale und die Bundesliga-Aufstiege.“

Hans-Dieter Trotter (74, Fan und Initiator der Blauen Radler aus Sindelfingen): „Ich bin da vielleicht etwas die Ausnahme: Ich freue mich über guten, leidenschaftlichen Fußball von einem Team, das nichts mit dem Abstieg zu tun bekommt, aber wahrscheinlich auch nicht um den Aufstieg mitspielt. Seit der Trennung von Trainer Mustafa Ünal stelle ich eine starke Spaltung unter den Kickers-Anhängern fest, was die Ursache für die vergangene, durchwachsene Saison betrifft. Vor allem die Auftritte am Ende der letzten Runde waren schlimm. Ich blicke lieber nach vorne. Der Trainer muss liefern, ich traue dies Marco Wildersinn aber zu.“

Klaus Bluthardt (2. v.li.) mit Frau, Kindern und Enkeln. Foto: red

Klaus Bluthardt (73, Lebenslanges Mitglied und Gönner aus Stuttgart-Plieningen): „Klar ist die Mannschaft neu zusammengesetzt und auch stark verjüngt worden. Aber wenn ich von den Verantwortlichen höre, dass die Kickers nicht zum Favoritenkreis zählen, dann tu ich mich schwer damit, dies zu akzeptieren. Das macht mich nachdenklich. Ich möchte und erwarte, dass die Kickers oben mitspielen. Wenn das nicht der Fall ist, wäre ich sehr enttäuscht. Zumal es aus der sehr frustrierenden Endphase der vergangenen Saison etwas gutzumachen gibt.“

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