Stuttgarter Kickers Den Kickers fehlt es an Cleverness

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Beim 2:2 gegen den FC Energie Cottbus sind die Stuttgarter Kickers klar besser, fangen sich aber leichtfertig zwei Gegentore ein – und geben so den möglichen Sieg aus der Hand.

Der Trainer Horst Steffen sieht eine einsatzfreudige Kickers-Elf, die gegen Cottbus allerdings den Sieg in der Schlussphase herschenkt. Foto: Pressefoto Baumann
Der Trainer Horst Steffen sieht eine einsatzfreudige Kickers-Elf, die gegen Cottbus allerdings den Sieg in der Schlussphase herschenkt. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Auf ihrem bestimmt 650 Kilometer langen Weg von der Lausitz nach Württemberg sind die rund 300 Fans des FC Energie Cottbus offenbar auch an einem Regal für Schokoriegel vorbei gekommen. „Zehn Mars und ein Snickers – das sind die Stuttgarter Kickers“, so lautete jedenfalls die abfällige Gegneranalyse auf dem Transparent im Energie-Fanblock. Die elf Stuttgarter Drittligaprofis ließen sich von ihren Gästen beim 2:2 (0:1) aber keinesfalls vernaschen. Ganz im Gegenteil: der Cottbuser Torhüter Kevin Müller, bis Saisonbeginn noch in Diensten des VfB Stuttgart II, stellte hinterher sogar fest, dass seine Farben letztlich nur mit „erarbeitetem Glück“ zum Punktgewinn gekommen waren.

In der 87. Spielminute hatte nämlich der Kickers-Kapitän Sandrino Braun, der den langzeitverletzten Enzo Marchese im Amt des Spielführers vertritt, den Ball kurz vor der Mittellinie verloren. Danach ging alles ganz schnell: Ein Pass steil, einer quer – ehe schließlich der Routinier Uwe Möhrle in seinem 339. Profi-Einsatz den Ball aus kurzer Distanz für Cottbus zum 2:2-Endstand über die Linie drückte. Die Kickers, ihrem Gegner läuferisch und technisch überlegen, hatten also zwei Punkte verschenkt. Doch der Trainer Horst Steffen wollte seiner Elf nicht lange Gram sein. Das Team hatte zwar die Cleverness vermissen lassen, doch dafür hatte die Einstellung der Mannschaft gestimmt. „Es war heute ein toller Fußballnachmittag“, resümierte der Kickers-Trainer angesichts eines flotten Spiels mit vier Toren vor 3925 Fans an der Reutlinger Kreuzeiche: „Leider mit dem falschen Ergebnis.“

Besar Halimi besetzt die Spielmacherposition

Nach der herben 1:5-Klatsche im Stadtderby gegen den VfB II („So ein Spiel kann einem schon mal in den Knochen stecken“) hatte Horst Steffen seine Elf etwas umgekrempelt: In der Abwehr ersetzte Hendrik „Henne“ Starostzik den zuletzt formschwachen Nick Fennell, mit der Hereinnahme von Lhadji Badiane für Fabian Gerster bekam das Spiel zudem eine offensivere Note. Auf der Spielmacherposition gab es derweil die entscheidende Umbesetzung: „Der Besar macht jetzt den Marchese“, sagte der 21 Jahre junge Marco Gaiser, der zu Gunsten des kleinen Halimi die Zentrale verließ – und in seinem zweiten Spiel von Beginn an ins rechte Mittelfeld rückte.

Die engagierten Kickers kamen so gegen den Zweitliga-Absteiger gleich gut ins Spiel – und stellten das dominantere Team. Nach 22 Minuten lagen sie trotzdem überraschend zurück, als der Energie-Mittelfeldmann Manuel Zeitz mit einem trockenen Flachschuss zum 1:0 traf. „Der Gegner macht aus seinen beiden einzigen Chancen zwei Tore“, klagte der Innenverteidiger Marc Stein nach dem zweiten Unentschieden bei zusätzlich sechs Siegen an der Kreuzeiche: „Dass wir nicht jedes Heimspiel gewinnen, war klar. Wir müssen daher nun auch auswärts etwas zeigen.“

Was die Kickers offensiv drauf haben, das wurde aber spätestens nach der Pause deutlich: Zunächst köpfte Badiane nach einer optimal getimten Flanke von Fabio Leutenecker das 1:1 (52.). Dann hielt der auch läuferisch verbesserte Torjäger Elia Soriano nach einem Freistoß am Fünfmeterraum den Kickstiefel hin: Das Heimteam führte 2:1 (73.) – und selbst Stefan Krämer war ein kleines bisschen angetan: „In dieser Phase hat man gesehen, dass die Kickers das spielerisch beste Team der dritten Liga sind“, sagte der Cottbuser Trainer.

Für die Stuttgarter geht es nun am Samstag erneut gegen ein Ostteam, wenn die schwere Aufgabe bei Dynamo Dresden vor 25 000 gegnerischen Fans ansteht. „Anders als in Bielefeld dürfen wir uns dort nicht emotional verrückt machen lassen“, warnte der Sportdirektor Michael Zeyer.