Der letzte Aufstieg der Stuttgarter Kickers liegt zehn Jahre zurück. 2012 gelang unter Trainer Dirk Schuster der Sprung in die dritte Liga. An diesem Dienstag (19 Uhr/Moselstadion) könnten die Blauen mit einem Sieg bei Eintracht Trier wieder einmal einen Aufstieg feiern – in die Regionalliga Südwest. „Nach dieser tollen Saison hängt jetzt alles einem Spiel. Aber ich bin optimistisch, dass es klappt, unsere Mannschaft präsentiert sich seit Wochen sehr stabil, tritt aggressiv auf und hat sich auch vom Drama in Dorfmerkingen nicht aus dem Konzept bringen lassen“, sagt Julian Leist.
Offenes Ohr für Mitspieler
Was ihn extrem ärgert: Ausgerechnet beim Showdown in Trier fehlt er. Am Dienstag Vormittag erhielt er einen positiven Corona-Schnelltest. „Ich könnte mich zu Tode ärgern“, sagt Leist. Der 34-Jährige ist der einzige aus dem aktuellen Kader, der auch schon beim Triumph 2012 mit dabei war. Damals fungierte Leist – im Sommer zuvor vom FC Bayern München II nach Degerloch zurückgekehrt – als Abwehrorganisator. Jetzt hat er eine andere Rolle. Denis Zagaria und Niklas Kolbe haben sich ihren Stammplatz in der Innenverteidigung erkämpft. Leist bleibt nur die Rolle auf der Bank. Und die nimmt er voller Professionalität an. Wenn er auf dem Rasen von Trainer Mustafa Ünal gebraucht wird, ist er da. Wenn nicht, motiviert er seine Mitspieler, gibt seine Erfahrungen im Training weiter und hat immer ein offenes Ohr speziell für die jungen Spieler.
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An den Aufstieg 2012 kann er sich noch sehr gut erinnern. „Es war bei weitem nicht so dramatisch wie diesmal“, sagt Leist. Dank der Schützenhilfe der zweiten Mannschaft von 1899 Hoffenheim beim 3:2 gegen Verfolger SG Sonnenhof Großaspach standen die Kickers schon zwei Spieltage vor Saisonende mit neun Punkten Vorsprung vorzeitig als Meister der Regionalliga Süd fest. Die Kickers hatten am Freitag davor mit 1:0 gegen den FC Memmingen gewonnen.
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Parallelen zu 2012
Ob es dennoch Parallelen gibt? „Die gibt es sehr wohl“, antwortet Leist. „Die Kameradschaft zum Beispiel. Wir waren damals wie heute ein verschworener Haufen. Das ist immer die beste Basis für Erfolg. “ Und dann wären da noch die Trainer: Der aktuelle Coach Mustafa Ünal ist zwar kein ehemaliger Nationalspieler wie Dirk Schuster, doch die Strenge und Konsequenz verbindet die beiden. Leist: „Beides sind Trainer, die großen Wert auf Disziplin legen, Dinge nicht nur ankündigen, sondern auch durchziehen. Und nebenbei aber auch immer wieder Spaß in die Mannschaft bringen.“
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Der zweite Aufstieg nach 2012 wäre für Leist auch in anderer Rolle sehr wertvoll. „Vor allem Verein und Fans hätten es so was von verdient“, sagt Leist, der noch einen Vertrag bis 2023 besitzt. Nach der aktiven Karriere kann sich der Groß- und Außenhandelskaufmann, der bei der Garmo AG arbeitet, auch eine Tätigkeit im Management eines Fußballclubs gut vorstellen. Doch zunächst beginnt er am 27. Juni mit der Trainer-B-Lizenz – als zweifacher Aufsteiger mit den Kickers?