Ein Teil der Mannschaft des SGV Freiberg machte sich schon auf den Weg zu einem Kurztrip nach Mallorca, da dröhnte immer noch lautstarke Partymusik aus der Kabine der Stuttgarter Kickers bis in den Presseraum. Da stand Präsident Rainer Lorz und fasste die Lage nach dem 1:0(0:0)-Heimsieg seiner Blauen in der Fußball-Regionalliga zusammen: „Jetzt stehen wir einen Spieltag vor Schluss mit einem Punkt Vorsprung an der Tabellenspitze und können aus eigener Kraft den Aufstieg schaffen. Wenn uns das einer vor der Saison gesagt hätte, hätte ich zehn Kreuze gemacht.“
In der Tat spielen die Kickers als Aufsteiger eine Saison, die ihnen – wenn überhaupt – nur die aller-, allergrößten Superoptimisten zugetraut haben. Diese bemerkenswerte Runde können sie jetzt krönen. Mit einem Sieg am letzten Spieltag (18. Mai, 14 Uhr) im Waldstadion beim FC 08 Homburg. Es wird ein Herzschlagfinale, wie so oft in der jüngeren Vereinsgeschichte der Blauen.
Diverse Thriller
Erinnert sei nur an die Drittliga-Qualifikation 2008 in Elversberg, an den Abstiegs-Thriller 2013 am Darmstadter Böllenfalltor, die Aufstiegsspiele bei Bayern Alzenau 2019 und Eintracht Trier oder das Drama in Dorfmerkingen (beide 2022). „Wir haben eine gewisse Erfahrung in solchen Endspielen“, sagte Urgestein Nico Blank mit einem Augenzwinkern. Auch diesmal wird alles zu einer Frage der Nerven. „Wir haben dem Druck auch gegen Freiberg standgehalten. Das gibt uns Mut, Zuversicht und Sicherheit für das Spiel in Homburg“, betonte Trainer Mustafa Ünal.
Der knappe Erfolg gegen den SGV war ein Sieg der Leidenschaft. Die Kickers präsentierten sich vor den 8650 Zuschauern im Gazi-Stadion bissiger, aggressiver und willensstärker als ihr Gegner. Und sie hatten Goldköpfchen Daniel Kalajdzic. Der 23-jährige Österreicher sorgte mit seinem siebten Saisontreffer nach Flanke seines Sturmpartners David Braig für den entscheidenden Treffer (55.).
Homburg steht im Pokalfinale
Jetzt also das Endspiel beim FC 08 Homburg. Für die Mannschaft von Ex-VfB-Profi Danny Schwarz geht es in der Regionalliga nur noch um die Ehre. Der aktuelle Tabellen-Sechste hat am 25. Mai (11.45 Uhr) noch das Endspiel im Saarlandpokal bei Drittligist 1. FC Saarbrücken vor der Brust, in dem es um das Ticket für den DFB-Pokal geht. Ob das irgendeinen Einfluss auf das letzte Ligaspiel hat, weiß keiner.
Fest steht dagegen: Außer den Kickers (63 Punkte, plus 29 Tore) kann nach seinem 3:1 bei Eintracht Frankfurt II nur noch der VfB Stuttgart II (62 Punkte, plus 26 Tore) den Drittliga-Aufstieg schaffen. Eine hochbrisante Konstellation, „die zeigt, wie stark der Stuttgarter Fußball ist“, so Kickers-Sportdirektor Marc Stein. Die U21 der Weiß-Roten empfängt am letzten Spieltag im Reutlinger Stadion an der Kreuzeiche die TSG 1899 Hoffenheim II.
„Jackpot liegt bei Kickers“
Die Bundesligareserve aus dem Kraichgau (59 Punkte, plus 37 Tore) holte nur zwei von möglichen 15 Punkten aus den vergangenen fünf Spielen und ist nach dem 0:1 gegen den FSV Frankfurt aus dem Rennen. „Am letzten Spieltag passieren oft die verrücktesten Dinge, aber der Jackpot liegt jetzt bei den Kickers. Da ist es völlig egal, ob die Hoffenheimer gegen den VfB noch Lust haben oder nicht“, meinte der erfahrene Freiberger Coach Roland Seitz.
Die Kickers brauchen am kommenden Samstag jedenfalls nur dann nach Reutlingen blicken, wenn sie in Homburg nicht gewinnen. Siegt Hoffenheim II beim VfB II, sind die Blauen auch bei einer Niederlage im Saarland aufgestiegen, geht die Partie der beiden Bundesliganachwuchsteams unentschieden aus, können sich die Kickers eine Niederlage mit bis zu zwei Toren Unterschied leisten.
Campagna gesperrt
Definitiv fehlen wird Mittelfeldspieler Luigi Campagna (zehnte Gelbe Karte). Möglicherweise rückt für ihn wieder Kapitän Kevin Dicklhuber ins Team, der gegen Freiberg formbedingt nicht zum Einsatz kam. Unabhängig davon bringt Nico Blank die Ausgangslage auf den Punkt: „Es wird wieder einmal ein echtes Herzschlagfinale für uns, aber das ist allemal besser, als um die Goldene Ananas zu spielen.“
Aufstellung Kickers
Dornebusch – Schmidts, Polauke, Blank, Kammerbauer – Tekerci, Campagna, Kiefer, Mauersberger (66. Berisha) – Kalajdzic (75. Stojak), Braig (82. Antlitz).