Stuttgarter Kickers Marc Stein: „Vielleicht war ich manchmal zu unbequem“

Marc Steins Verbindung zu den Kickers endet zum Jahreswechsel. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Marc Stein wird zum Jahreswechsel von Lutz Siebrecht abgelöst. Der bisherige Sportdirektor des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers spricht über die Trennung von den Blauen und seine sportliche Zukunft.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers hat sich entschieden, den am Saisonende auslaufenden Vertrag mit Marc Stein nicht zu verlängern. Der bisherige Sportdirektor sagt, was er über die Trennung denkt.

 

Herr Stein, hatten Sie am Freitag Ihren letzten Arbeitstag bei den Kickers?

Es gibt noch keinen genauen Termin, keine exakte Regelung. Es ging am Donnerstag einfach darum zu informieren, dass es am Jahreswechsel zur Trennung kommt.

Wie überrascht waren Sie, als es Ihnen mitgeteilt wurde?

Ehrlich gesagt war ich nicht wirklich überrascht. Bereits im Herbst habe ich den Kontakt gesucht, um über die zukünftige Ausrichtung des Vereins zu sprechen, weil ich davon auch meine Entscheidung über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit abhängig machen wollte. Wir sind endlich nach fünf Jahren in der Oberliga aufgestiegen, wurden Vizemeister und mussten dann im Sommer eine schwere Entscheidung treffen. Aber alles ging total in die richtige Richtung. Wir sind auch im schwierigen zweiten Jahr nach dem Aufstieg wieder vorne mit dabei. Alle machen einen guten Job, alles ist im grünen Bereich.

Was hat man Ihnen denn als Begründung mitgeteilt?

Einen klaren Grund konnte man mir nicht nennen.

Was vermuten Sie?

Wir haben in den Gesprächen schon gemerkt, dass beide Seiten teilweise unterschiedliche Vorstellungen von der zukünftigen Ausrichtung hatten. Ich war mit dem Herzen dabei und sehr ambitioniert. Ich hatte ehrgeizige Zielsetzungen, die aber auch gewisse Voraussetzungen benötigen. Da geht es nicht nur um den Kader der ersten Mannschaft, da geht es um die gesamten Strukturen. Das ganze muss sich weiterentwickeln, sonst lassen sich die Erwartungen, die es auch innerhalb des Vereins gibt, auf Dauer nicht erfüllen. Das habe ich immer wieder aktiv angesprochen und eingefordert. Vielleicht war ich da manchmal zu unbequem. Ich bin jemand, der auch Themen kritisch hinterfragt, das ist für mich auch eine Basis für Weiterentwicklung.

Lag’s vielleicht einfach auch daran, dass Ihr Vorgänger Lutz Siebrecht zur Verfügung stand?

Das kann ich nicht beurteilen.

Wie sehen Ihre persönlichen Pläne aus?

Ich war fast 22 Jahre Profi, bin danach direkt für drei Jahres als Sportdirektor eingestiegen. Ich hatte nie Pause. Ich freue mich jetzt erst einmal auf Zeit mit meiner Frau und den Kindern. Ich werde abschalten und auch mich reflektieren.

Sind Sie und Ihre Familie an Stuttgart gebunden oder könnten Sie sich auch eine Tätigkeit etwa in Cottbus vorstellen?

Ich stehe für Familie, ich stehe für Stuttgart, deshalb habe ich mich damals ganz bewusst für die Kickers entschieden. Ich bin dankbar, drei Jahre lang Sportdirektor eines solchen Traditionsclubs gewesen zu sein. Aber grundsätzlich bin ich offen, weil ich gerne in dem Bereich weiter tätig sein will.

Was wünschen Sie den Kickers?

Nur das Beste, das meine ich wirklich so. Für die Zukunft braucht es aus meiner Sicht eine klare Positionierung, eine klare Ausrichtung, wohin man will. Was Mannschaft und Trainerteam betrifft, wünsche ich weiterhin, eine erfolgreiche Weiterentwicklung wie zuletzt, sie haben alles selbst in der Hand.

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