Am Montag stand kein Training auf dem Programm. Dafür andere Dinge. „Spiel verarbeiten, Kopf frei bekommen, überlegen, wie wir den Bock wieder umstoßen können“, sagte Trainer Mustafa Ünal. Der Trainer des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers gab sich am Tag nach dem so enttäuschenden 2:3 beim FC-Astoria Walldorf aufgeräumt und gleichzeitig kämpferisch. „Ich werde alles tun, alle Register ziehen, damit wir die letzten beiden Saisonspiele gewinnen“, versprach Ünal. Dann machte der 40-Jährige eine kurze Pause und ergänzte: „Das Ganze ist ja irgendwie verrückt. Wir können am Samstag sogar Meister werden.“
Dafür müsste es am vorletzten Spieltag (alle Spiele Samstag, 14 Uhr) allerdings optimal laufen. Erste Voraussetzung ist ein Heimsieg der Blauen gegen den Tabellen-Fünften SGV Freiberg, der die Drittligalizenz erst gar nicht beantragt hat. Zudem müssten die TSG 1899 Hoffenheim II gegen den abstiegsbedrohten FSV Frankfurt und der VfB Stuttgart II bei Eintracht Frankfurt II (das auch noch Aufstiegschancen hat) verlieren.
Frische im Kopf fehlt
Doch das sind Rechenspiele. Ünal beschäftigt sich lieber damit, wie er die Mannschaft wieder in die Spur bringen kann. „Wir haben gegen Fulda schon einmal gezeigt, dass wir eine Negativserie stoppen können. Das wollen wir gemeinsam mit unseren überragenden Fans wieder schaffen“, macht ihm auch der Blick zurück Mut. Dass es seinen Spielern nicht mehr regelmäßig gelingt, an den Anschlag zu kommen, ist für ihn kein physisches Problem. „Körperlich sind wir topfit, sonst hätten wir gegen den VfB II am Ende nicht so marschieren können.“ Folglich kann es nur ein Kopfproblem sein. „Wir hauen uns die Dinger immer selbst rein, geraten meistens in Rückstand, und das macht dann mit allen etwas“, versucht Ünal Erklärungsansätze zu finden.
Auch Sportdirektor Marc Stein macht sich viele Gedanken. „Das Körperliche ist nicht das Problem. Es fehlt die Frische im Kopf. Die Mannschaft setzt nicht das um, was der Trainer vorgibt. Wir machen den ersten Fehler, danach habe ich in Walldorf keine Idee gesehen, wie wir das Spiel drehen wollen.“
Ruhe statt Aktionismus
Die Mannschaft wirkt nicht gefestigt, die Stabilität aus der Zeit vor der Winterpause, als mit hundertprozentiger Intensität und Disziplin gegen den Ball gearbeitet wurde, die Gegner dadurch nur zu ganz wenigen Chancen kamen, ist nicht mehr da. Woran das liegt? „Wenn wir das wüssten, würden wir den Schalter umlegen“, sagt Stein, für den feststeht: „Wir müssen Ruhe ausstrahlen und nicht in Aktionismus verfallen.“ Einige Gespräche werde er in dieser Woche führen, denn es gäbe genügend Punkte, die es anzusprechen gilt.
Doch nur mit Ruhe allein dürfte es nicht funktionieren. Irgendein Hallo-wach-Effekt, um das Team aufzurütteln, könnte nicht schaden. So verrückt es in Anbetracht der Tabellenführung eines Aufsteigers zwei Spieltage vor Schluss klingt: In diversen sozialen Netzwerken wird sogar ein Trainerwechsel ins Spiel gebracht. Stein: „Das steht definitiv nicht zur Debatte. Man muss doch auch die Strecke sehen, die wir gemeinsam gegangen sind. Jetzt gilt es, alle Kräfte zu bündeln.“
Lange über den Verhältnissen geliefert?
Ünal hat eine Mannschaft geformt, die mit Blick auf ihre fußballerischen Qualitäten längere Zeit wohl auch ein Stück weit über ihre Verhältnisse gespielt hat, die zuletzt stark von den Patzern der Konkurrenz profitierte, die aber immer noch aus eigener Kraft den Aufstieg schaffen kann. Ünal bleibt gelassen: „Ich bin mit mir im Reinen. Mein Fokus gilt einzig und allein den beiden noch ausstehenden Spielen.“
Restprogramm
Stuttgarter Kickers
(32 Spiele, 60 Punkte, plus 28 Tore): SGV Freiberg (Heimspiel, 11. Mai, 14 Uhr), FC 08 Homburg (Auswärtsspiel, 18. Mai, 14 Uhr).
TSG 1899 Hoffenheim II
(32 Spiele, 59 Punkte, plus 38 Tore): FSV Frankfurt (Heimspiel, 11. Mai, 14 Uhr), VfB Stuttgart II (Auswärtsspiel, 18. Mai, 14 Uhr).
VfB Stuttgart II
(32 Spiele, 59 Punkte, plus 24 Tore): Eintracht Frankfurt II (Auswärtsspiel, 11. Mai, 14 Uhr), TSG 1899 Hoffenheim II (Heimspiel, 18. Mai, 14 Uhr/Stadion an der Kreuzeiche in Reutlingen).
Eintracht Frankfurt II
(32 Spiele, 56 Punkte, plus 17 Tore): VfB Stuttgart II (Heimspiel, 11. Mai, 14 Uhr), FC-Astoria Walldorf (Auswärtsspiel, 18. Mai, 14 Uhr).