Herr Ünal, sehen Sie das Amt als Kickers-Cheftrainer als Lebenschance?
Es ist etwas Außergewöhnliches bei diesem tollen Verein eine solch herausfordernde Aufgabe zu bekommen, die ich mit großen Respekt angehe. Von daher, ja, es ist eine Lebenschance, aber nur in Bezug auf Fußball.
Sie haben als Chefcoach bisher nur im Jugendbereich gearbeitet. Haben Sie keine Bedenken, dass die Aufgabe für Sie eine Nummer zu groß ist?
Nein, ich bin das fünfte Jahr im Verein, ich kenne die Mannschaft, der Verein weiß wie ich arbeite, wie ich ticke, wie ich spielen lasse. Dieses Vertrauen ermutigt mich enorm.
Wie tickt denn der Trainer Ünal?
Ich stecke ja in der Schublade harter Hund. Wenn das heißt, dass ich jeden Tag Disziplin und volle Leistungsbereitschaft einfordere, Fehlverhalten bestrafe, dann könnte ich damit schon leben. Aber das sind doch Grundregeln, völlig egal ob im Nachwuchs oder bei den Aktiven, egal ob in der Kreisliga, in der Oberliga oder in zweiter Liga.
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Für welche Philosophie stehen Sie?
Ich stehe für einen mutigen, aggressiven Spielstil mit viel Herz und Leidenschaft.
Das hat ihr Vorgänger genauso formuliert. Was wollen Sie konkret ändert?
Ich war mit Trainerteam von Ramon Gehrmann, wir haben Entscheidungen gemeinsam getroffen. Ich werde jetzt taktisch oder personell nicht alles auf den Kopf stellen.
Sondern?
Ich habe meine eigene Art, mit den Spielern zu sprechen, meine eigene Ansprache, wie ich Dinge einfordere.
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Wieso bekommen die Kickers ihre individuelle Qualität als Mannschaft nicht umgesetzt? Fehlt der Zusammenhalt?
Nein. Es sind Menschen, keine Roboter. Wir holen keinen einzigen Punkt, weil wir die Kickers sind. Auch ein neuer Trainer kann da nicht mit dem Finger schnipsen, wir müssen uns alles hart erarbeiten und das Ding brechen.
Das Ding brechen?
Ja, wir müssen die Blockade im Kopf lösen. Wenn Mijo Tunjic gewohnt ist, jede Woche zu treffen und dann wochenlang nicht, dann geht das auch an einem erfahrenen Spieler nicht spurlos vorüber.
Wann trifft er?
So früh wie möglich. Ich hoffe in Villingen.
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Zur Person
Vita Mustafa Ünal wurde am 7. September 1983 in Laichingen geboren und wuchs in Wiesensteig (Kreis Göppingen) auf. Er spielte beim TSV Obere Fils und war dort auch Jugendtrainer. Von 2013 bis 2017 trainierte er Nachwuchsteams beim SSV Ulm 1846, ehe er ins Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der Kickers wechselte. Dort führte er vergangene Saison die U19 in die Bundesliga.
Privates
Ünal ist Lehrer an der Körschtalschule Plieningen. Er unterrichtet an dieser Gemeinschaftsschule 18 Stunden in der Woche die Fächer Informatik, Wirtschaftslehre, Sport und Technik. Er wohnt mit seiner Familie in Birkach, ist verheiratet mit Esra. Das Paar hat einen Sohn Ömer (zwei Jahre). jüf