Stuttgarter Kickers Trainerentscheidung bei den Blauen – auch eine Frage der Philosophie

Trainer Marco Wildersinn wurde im Juni 2024 von Marc Stein als Trainer der Stuttgarter Kickers verpflichtet. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Die Anzeichen verdichten sich, dass der auslaufende Vertrag mit Marco Wildersinn nicht verlängert wird. Wann herrscht Klarheit? Wer sind mögliche Nachfolgekandidaten?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

„Es ist nicht der Moment und nicht der Ort darüber zu sprechen.“ Das sagte Marco Wildersinn am Samstag nach dem 0:3 gegen den FSV Frankfurt auf der Pressekonferenz auf die Frage, ob es einen Gesprächstermin über seine sportliche Zukunft bei den Stuttgarter Kickes gibt. Am Montag Vormittag ließ der Trainer des Fußball-Regionalligisten auch nichts anderes verlauten, als zwei Tage zuvor: Es sei kein Termin vereinbart. Aus der Führungsetage hieß es, dass zeitnah eine Entscheidung fallen werde.

 

Finanzielle Aspekte spielten eine Rolle

Die Anzeichen verdichten sich jedenfalls immer mehr, dass der am Saisonende auslaufende Vertrag mit Wildersinn nicht verlängert wird und in der kommenden Runde auf einen neuen Impuls, eine neue Herangehensweise von der Trainerbank gesetzt wird. Schon nach der vergangenen Saison, als sechs der letzten sieben Spiele verloren gingen und es zum Rundenfinale ein 1:5-Heimdebakel gegen den KSV Hessen Kasssel gesetzt hatte, wurde über den Chefcoach diskutiert. Genauso während der Vorrunde der laufenden Saison, als es vier 0:3-Auswärtsschlappen zu verkraften gab. Die Blauen hielten jeweils am Trainer fest, wobei auch finanzielle Aspekte bei dieser Entscheidung eine nicht gerade unbedeutende Rolle spielten.

Beginnend mit dem letzten Spiel vor der Winterpause (4:2 bei Eintracht Trier) und den insgesamt sechs ungeschlagenen Pflichtspielen in Serie, zeigte die Tendenz klar nach oben. Wildersinn setzte die Erkenntnisse der Winter-Analyse um, hatte mit einer einfachen und klaren Spielweise plus intensiverem Spiel gegen den Ball zunächst Erfolg. Es folgten jedoch die Rückschläge daheim gegen Hessen Kassel (0:1), in Freiberg (1:2) und nun das 0:3 mit einer unterirdischen zweiten Halbzeit gegen den FSV Frankfurt.

Die Chefetage mit Präsident Rainer Lorz an der Spitze wird bei der Trainerentscheidung auf die Expertise seines Sport-Geschäftsführers Lutz Siebrecht setzen. Der Trainer in der Saison 2026/27 wird der erste sein, der auf Vorschlag von Siebrecht verpflichtet wird. Alles andere wäre ein Misstrauensvotum gegenüber dem 58-Jährigen. Zur Erinnerung: Wildersinn kam auf Empfehlung seines Vorgängers Marc Stein.

Bei aller Flexibilität – die grundsätzliche Fußball-Philosophie von Siebrecht ist hinlänglich bekannt. Sie passt zu den Kickers, wo Einsatz, Herz und Leidenschaft noch stärker geschätzt und von den Zuschauern honoriert werden, als anderswo. Sie ist geprägt von der Schule seines Geislinger Landsmanns Helmut Groß, dem verstorbenen Mentor von Ralf Rangnick: Mit viel Laufstärke und hoher Intensität den Gegner durch hohes Pressing früh anlaufen, ihn unter Druck setzen, vom Tor weghalten, selbst hohe Balleroberungen erzielen und mit schnellem Umschaltspiel zum gegnerischen Tor ziehen.

Lutz Siebrecht (re.): Enttäuscht vom Auftritt gegen den FSV Frankfurt. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Ein Stückweit hat sich Wildersinn dahingehend angepasst. Er hielt keinesfalls stockstur am Ballbesitzfußball im ursprünglichen 4-3-3-System fest. Dennoch gibt es Trainer, die den von Siebrecht favorisierten Stil von Haus aus eher verkörpern: Dazu gehört zum Beispiel Holger Bachthaler (51), den nicht zuletzt die Zeit bei RB Salzburg (2017/18 Nachfolger von Marco Rose als U-18-Coach) geprägt hat. Weshalb der aktuelle Coach des Bayern-Regionalligisten FV Illertissen mit der heißeste Kandidat als möglicher Wildersinn-Nachfolger ist.

Geiger passt in die Philosophie

Noch etwas würde ins Gesamtbild passen: Der als künftiger Trainerentwickler im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der Kickers vorgesehene Wolfgang Geiger (68) identifiziert sich ebenfalls exakt mit der angesprochenen Philosophie.

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