Stuttgarter Kickers Videobotschaft aus Neuseeland erreicht den Stuttgarter Oberligisten

Von und Jürgen Frey 

Die Stuttgarter Kickers haben es derzeit schwer. Die Corona-Krise und ihre Folgen machen dem Fußball-Oberligisten zu schaffen. Auf seine Fans kann sich der Verein jedoch verlassen – und die gibt es auf der ganzen Welt.

Pip McCosh und ihr Mann Andrew schicken blaue Grüße nach Stuttgart. Foto: Pip McCosh
Pip McCosh und ihr Mann Andrew schicken blaue Grüße nach Stuttgart. Foto: Pip McCosh

Wellington - Die Corona-Krise hält die Welt in Atem. Die Auswirkungen sind in vielen Bereichen spürbar. Auch Sportvereine haben es derzeit alles andere als leicht – darunter Fußball-Oberligist Stuttgarter Kickers. „Fakt ist, dass wir stark am Kämpfen sind. Wir haben seit fast vier Monaten keine Heimspiele. Es sind also in diesem Zeitraum Aufwendungen entstanden, denen kaum Erträge gegenüberstehen“, sagte Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer am Freitag gegenüber unserer Redaktion.

Dementsprechend froh ist man bei den Blauen, dass sich in dieser Zeit nicht nur alle Mitarbeiter – darunter auch die Spieler – solidarisch zeigen und auf Teile des Gehalts verzichten, sondern auch große Unterstützung von Seiten der Fans spürbar ist. Zahlreiche Retterpakete oder sogenannte Geistertickets wurden verkauft. Der Fanclub „Blaue Garde Stuttgart“ sammelt zudem online Spenden für den Verein.

Videobotschaft aus Neuseeland

Nun haben die Blauen auch moralische Unterstützung von der anderen Seite der Welt bekommen. Pip McCosh, ihres Zeichens Großnichte von Julius Baumann (geboren 1898), schickt eine Videobotschaft aus Neuseeland in die Landeshauptstadt. Baumann spielte einst für die Stuttgarter Kickers, ehe er in der NS-Zeit in Folge der „Stuttgarter Erklärung“ aus dem Verein ausgeschlossen wurde.

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Obwohl er mit einem Einreisevisum nach England fliehen hätte können, blieb er in Stuttgart, organisierte Ferienheime für jüdische Kinder und unterstützte bedürftige Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Baumann belieferte auch Menschen mit Lebensmitteln und versteckte Verfolgte in einer Turnhalle. Doch er wurde erwischt, verhaftet, ins Konzen­trationslager Mauthausen verschleppt und dort ermordet. Zuletzt hat sich das Projekt „Heimat Kickers – Die Blauen in bewegten Zeiten“ mit der außergewöhnlichen Geschichte Baumanns befasst. Auch die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule beschäftigte sich im vergangenen Jahr mit dem Thema.

So kam es dazu, dass ihm zu Ehren im Mai auf dem Schulgelände ein Baum gepflanzt wurde. Pip McCosh reiste extra aus Neuseeland an, um bei der Baumpflanzung dabei zu sein. Sie hat die Kickers ins Herz geschlossen. Im Video, das sie und ihren Mann Andrew (natürlich im Kickers-Dress) in ihrer Heimat Orewa zeigt, spricht sie unter anderem über die Corona-Krise in Neuseeland.

Doch Pip McCosh hat schon Pläne für die Zeit nach dem Virus: Zusammen mit ihrem Mann will sie wieder nach Stuttgart fliegen und ein Spiel der Kickers besuchen. Es folgt ein kräftiges „Auf die Blaue“, dann ist das Video zu Ende. Als Fußballfan kann man nur hoffen, dass sich der Wunsch der beiden Neuseeländer so schnell wie möglich erfüllen wird.