Stuttgarter Kickers Warum die Maier-Zwillinge ein Frauenteam trainieren

Leon (li.) und Loris Maier trainieren unter Mustafa Ünal bei den Kickers, in ihrer Freizeit coachen die Zwillinge ein Frauenteam. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Leon Maier lauert auf seine Chance, Zwillingsbruder Loris hat bei den Stuttgarter Kickers voll eingeschlagen. Vor dem Duell mit seinem Ex-Club TSG Backnang zieht der Torjäger ein Zwischenfazit und sagt, warum er gemeinsam mit Leon ein Frauenteam trainiert.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Es ist ja nicht so, dass es Leon und Loris Maier langweilig wäre. Seit ihrem Wechsel vom Fußball-Oberligisten TSG Backnang zum ambitionierten Ligakonkurrenten Stuttgarter Kickers kommen sie auf sieben statt drei Trainingseinheiten pro Woche, zudem studiert Loris Technische BWL in Stuttgart und Leon Mathematik und Sport auf Lehramt in Schwäbisch Gmünd. Dass sie seit Ende Juli in ihrer Freizeit dann auch noch ehrenamtlich das Frauenteam der SG Schorndorf in der Regionenliga trainieren, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Wie es dazu kam? „Eine Fußballerin aus unserem Bekanntenkreis fragte uns, ob wir es uns vorstellen könnten. Der alte Coach hatte aufgehört und ein Nachfolger konnte partout nicht gefunden werden“, erzählt Loris Maier. „Wenn wir nicht zugesagt hätten, wäre das Team aufgelöst worden.“

 

Jetzt wollen sie etwas weitergeben von dem Input, den sie von Trainern wie Mario Marinic, Evangelos Sbonias, Markus Lang oder neuerdings Mustafa Ünal bekommen haben. Eigene Trainererfahrung bringt aber nur Leon mit. Im Rahmen seines Freiwilligen Sozialen Jahres coachte er verschiedene Jugendmannschaften, darunter auch Mädchenteams bei der SGM Oppenweiler/Sulzbach. Also kommt ihm im Trainerduo so etwas wie die Chefrolle zu. „Wir ergänzen uns gut, die Spielerinnen sind ehrgeizig, ziehen voll mit, wir haben den Schritt bisher keineswegs bereut. Man merkt schon, dass der Stellenwert des Frauenfußballs gestiegen ist“, sagt Loris und freut sich auf den Ligaauftakt am 11. September gegen den TSV Leinfelden.

Leon Maier hat große Konkurrenz

Er selbst ist bei den Kickers glänzend aus den Startlöchern gekommen. Der 23-Jährige war mit der Empfehlung von 17 Toren aus der vergangenen Oberligasaison nach Degerloch gekommen, hat hervorragend eingeschlagen, sich im Angriff einen Stammplatz erkämpft und schon zweimal in der Oberliga getroffen, womit er die interne Torjägerliste anführt. „Zuletzt in Bissingen hätte ich den einen oder anderen Treffer nachlegen können“, sagt er selbstkritisch zur schwachen Chancenverwertung beim 1:0-Auswärtssieg.

Bruder Leon hat es dagegen schwerer. Er spielt im zentralen Mittelfeld, wo es bei den Blauen ein Überangebot an Spielern gibt. Auch auf der Rechtsverteidiger-Position oder im Abwehrzentrum hat er starke Konkurrenz. „Klar will jeder spielen. Aber Leon wusste, was auf ihn zukommt. Ich muss ihn nicht trösten, er haut sich in jedem Training voll rein und wird seine Chance bekommen“, ist sich Loris sicher.

Leon Maier tippt ein 3:1

Vielleicht schon gegen die TSG Backnang? Das Heimspiel an diesem Samstag (18 Uhr/Gazi-Stadion) ist jedenfalls etwas ganz Besonderes für die Zwillinge. Acht Jahre lang haben sie für den Club aus den Etzwiesen gespielt, zwölf Kilometer von ihrem Heimatort Rudersberg entfernt. „Die TSG muss sich mit ihrem neu formierten Team noch finden, wird aber am Ende nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen“, prognostiziert Loris Maier. „Und am Samstag werden sie hoch motiviert sein. Da werden manche Spieler nicht die zweite oder dritte, sondern die 15. Luft bekommen“, vermutet der Stürmer, der aber vom ersten Heimsieg der Kickers in dieser Saison überzeugt ist: „Wir gewinnen 3:1.“

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