Stuttgarter Kickers Wo wollen die Blauen hin? Das sagt Trainer Mustafa Ünal

Kickers-Trainer Mustafa Ünal (li.) jubelt während des Elfmeterschießens in Göppingen – am Freitag folgt der Punktspielstart in Offenbach. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Spannung steigt: An diesem Freitag startet Aufsteiger Stuttgarter Kickers bei Kickers Offenbach in die neue Regionalligasaison. Trainer Mustafa Ünal spricht über weitere mögliche Kaderveränderungen, die Ziele der Blauen und seine persönlichen Ambitionen.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Es ist das Duell Kickers gegen Kickers. Regionalliga-Topfavorit Offenbach empfängt an diesem Freitag (20 Uhr) auf dem Bieberer Berg den Aufsteiger aus Stuttgart. Die Vorfreude auf diesen Vergleich zweier Traditionsvereine, aber auch auf die komplette Saison ist beim Trainer der Blauen riesig. Mustafa Ünal über...

 

die Vorbereitung „Die Mannschaft ist körperlich in einer sehr guten Verfassung. Wir investieren viel und gehen weite Wege. Die Mannschaft steht defensiv stabil, kombiniert nach vorne gut, ohne die Verteidigung zu vernachlässigen. Sie spielt sehr reif, vernünftig und verliert – auch wenn es wie zuletzt im umkämpften Pokalspiel beim 1. Göppinger SV eng und hektisch wird – nicht den Kopf.“

das Verbesserungspotenzial „Wir arbeiten noch an der Zielstrebigkeit, der Entschlossenheit und der Konsequenz am und im gegnerischen Strafraum. Wir können in allen Bereichen noch zulegen, was die Abstimmung, die Abläufe, die Laufwege betrifft. Das ist kein Wunder, da zuletzt in Göppingen fünf Neuzugänge in der Anfangsformation standen.“

das System „Wir haben in der Vorbereitung häufig in einem 4-4-2-System mit Raute im Mittelfeld gespielt. Diese Grundordnung kann wertvoll sein, da die Gegner in der Regionalliga auch mit viel Qualität durch Zentrum angreifen, das war in der Oberliga weniger der Fall. Wir sind aber flexibel, spielen auch in einem 4-1-4-1- oder 4-3-3-System. Vermutlich werden wir in der Regionalliga auch mal weniger Ballbesitz haben, als eine Etage tiefer. Darauf wollen wir vorbereitet sein.“

Weitere Abgänge denkbar

die Kaderveränderungen „Dass es im Kader noch zu Veränderungen kommen kann, ist kein Geheimnis. Die Konkurrenz ist groß, und nur wer uns im Trainerteam überzeugt, der spielt auch. Wir haben viele talentierte Spieler, aber sie brauchen Zeit, um sich im Männerfußball durchzusetzen, wobei es diese Zeit eigentlich nicht gibt. Das ist ein schmaler Grat. Dass Spielpraxis für die Entwicklung eines Spielers ein ganz entscheidender Faktor ist, muss man, glaube ich, nicht weiter ausführen. Von daher sind noch Abgänge denkbar. Was weitere Neuzugänge bis zum Transferschluss Ende Augst betrifft, habe ich keinen Wunsch geäußert. Im Bereich der Innenverteidigung besteht zwar nicht gerade ein Überangebot, aber wir sind gut aufgestellt.“

das Saisonziel „Wir sind gut beraten, erst einmal in der Liga anzukommen. Dann schauen wir, wo wir etwas anpassen oder optimieren können. Grundsätzlich könnte ich als Aufsteiger mit einer Saison, in der wir so früh wie möglich für eine weitere Regionalliga-Saison planen können, sehr gut leben. Das wäre super. Wir sind ehrgeizig genug, das so schnell als möglich zu erreichen.“

die Favoriten „Unser Auftaktgegner Kickers Offenbach, der FC 08 Homburg und der TSV Steinbach Haiger sind ganz vorne zu erwarten. Auch eine der zweiten Mannschaften der Bundesligisten kann für eine Überraschung sorgen.“

„Wir können befreit aufspielen“

die Vorfreude „Ich freue mich am meisten auf meine Mannschaft. Wir sind raus aus der jahrelangen Favoritenrolle. Wir dürfen uns jetzt auch mal über ein Unentschieden freuen. In der Oberliga hieß es nach einem 3:0-Sieg ab und an: Warum habt ihr nicht 6:0 gewonnen? Die neue Rolle als Außenseiter nimmt Druck weg, wir können befreit aufspielen. Es tut allen gut, wenn man sich auch mal über die kleinen Dinge, für die man aber auch viel investieren muss, freuen kann.“

das Verhältnis zu Sportdirektor Marc Stein „Wir bereden die Themen auf professionelle Art und diskutieren anstehende Entscheidungen im Sinne des Vereins.“

die Arbeit an der Schule „Ich habe meine Lehrertätigkeit an der Körschtalschule in Plieningen auf nur noch 13 Stunden in der Woche reduziert. Das lässt sich sehr gut vereinbaren, zudem besteht künftig auch die Möglichkeit, mich beurlauben zu lassen.“

die Uefa-Pro-Lizenz „Es ist mein Ziel, die Uefa-Pro-Lizenz (Anm. d. Red.: früher DFB-Fußball-Lehrer-Lizenz) zu erwerben. Die Bewerbungsphase geht demnächst los. Ich hoffe und bin auch guter Dinge, dass ich in einem der nächsten Lehrgänge dabei sein werde.“

Zur Person

Karriere
Mustafa Ünal wurde am 7. September 1983 in Laichingen geboren und wuchs in Wiesensteig (Kreis Göppingen) auf. Er spielte beim TSV Bad Boll und beim TSV Obere Fils und war dort auch Jugendtrainer. Von 2013 bis 2017 trainierte er Nachwuchsteams beim SSV Ulm 1846, ehe er ins Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der Kickers wechselte. Dort führte er in der Saison 2020/21 die U 19 in die Bundesliga. Seit dem 27. September 2021 trainiert er als Chefcoach die Oberliga-Mannschaft. Sein Vertrag läuft bis 2025.

Persönliches
Ünal ist Lehrer an der Körschtalschule in Plieningen für die Fächer Informatik, Wirtschaftslehre, Sport und Technik. Er unterrichtet an dieser Gemeinschaftsschule 13 Stunden in der Woche. Er wohnt mit seiner Familie in Birkach, ist verheiratet mit Esra. Das Paar hat zwei Söhne – Ömer (drei Jahre) und Mert (ein Jahr). (jüf)

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