Stuttgarter Kickers Zwischen Glanz und Krise – fünf prägende Figuren

Dauerbrenner Per Lockl, Aufsteiger Mario Borac und die Überraschung Nyamekye Awortwie-Grant (v.li.) prägten die Runde der Kickers. Foto: Baumann

Die Stuttgarter Kickers beenden gegen Hessen Kassel eine durchwachsene Runde. Wir präsentieren fünf Spieler, für die die Saison speziell war – in positiver und negativer Hinsicht.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Keine Abstiegsgefahr, keine Aufstiegschancen, kein Pokalfinale. Äußerst selten in den vergangenen Jahren lief eine Saison bei den Stuttgarter Kickers auf der Zielgeraden so unspektakulär aus wie diesmal. Lange vor dem letzten Spiel an diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) gegen den KSV Hessen Kassel ging es nur noch um Tabellenkosmetik. Wir picken fünf Spieler heraus, die diese durchwachsene Saison prägten.

 

Felix Dornebusch – der Pechvogel Der 30-Jährige stand bei allen 20 Spielen vor der Winterpause zwischen den Pfosten. Der Torwart war der zuverlässige Rückhalt des Teams, strahlte Ruhe aus, gehört zu den wenigen Führungsspielern im Kader, deren Stimme Gewicht hat. Das Dilemma: Am 23. Januar riss er sich im Training das vordere Kreuzband im linken Knie. Nach der Operation in Heidelberg ging es sofort in die Reha. Ob Dornebusch (Vertrag bis 2026) in diesem Kalenderjahr noch einmal spielen kann, wird sich zeigen. Nach seinem Ausfall kamen drei weitere Torhüter zum Einsatz: Leon Neaime (20) machte als Vertreter Nummer eins sieben Spiele. Als er wegen Hüftproblemen ausfiel, kam die Leihgabe Louis Lord (21) für fünf Partien ins Tor. Vor dem Spiel beim FSV Frankfurt (1:0) konnten Neaime und Lord nicht spielen – es schlug die Stunde von U-19-Keeper David Mitrovic (19).

Nyamekye Awortwie-Grant – die Überraschung Der Neuzugang von der TSG Balingen erkämpfte sich mit seiner Dynamik, Schnelligkeit, Zweikampf- und Kopfballstärke einen Stammplatz als Innenverteidiger und war bis zu seiner Verletzung die positive Überraschung dieser Saison. Sein Syndesmosebandanriss am 15. März im Spiel beim TSV Steinbach Haiger bedeutete das vorzeitige Saisonaus für den 1,92 Meter großen Abwehrmann, der zur Kategorie Spätstarter gehört. Der 24-Jährige durchlief kein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ), seine Stationen hießen vor den Kickers und Balingen TV Derendingen, SSV Reutlingen (beides Jugend), VfB Neckarrems und VfL Pfullingen. Auch aufgrund des eher ungewöhnlichen Werdegangs, sehen die Kickers sein Potenzial noch lange nicht ausgereizt.

Vico Meien – der Verlierer Nach seinem Wechsel vom damaligen Drittligisten TSV Havelse zum VfR Aalen spielte Meien in der Regionalligasaison 2022/23 in 33 von 34 Punktspielen. Einmal fehlte er wegen einer Gelb-Sperre, 32 Mal stand er in der Startelf und erzielte drei Tore, seine Gesamtspielzeit betrug 2840 Minuten. In der Saison 2023/24 setzte ihn der VfR in 32 von 34 Regionalligapartien ein, in 32 Spielen stand er in der Startelf und erzielte zwei Treffer, zweimal fehlte er wegen einer Gelb- und Gelb-Rot-Sperre. Insgesamt stand Meien 2855 Minuten auf dem Platz.

Mehr als ein Karriereknick

Was danach folgte ist mit dem Begriff Karriereknick nur unzureichend beschrieben. Denn nach seinem Wechsel zu den Kickers kam er in der laufenden Saison gerade einmal zu sechs Kurzeinsätzen und insgesamt nur auf 51 Minuten Spielzeit – obwohl der defensive Mittelfeldspieler weder gesperrt, krank oder verletzt war. Sein persönlicher Abstieg ist eines der großen Rätsel in dieser durchwachsenen Saison. Auf Nachfrage wurden stets sportliche Gründe für die Nichtberücksichtigung genannt. Es hieß, andere Spieler würden sich im Training durch bessere Leistungen stärker aufdrängen.

Per Lockl (li,) gegen Kevin Dicklhuber Foto: Baumann

Per Lockl – der Dauerbrenner Der Mittelfeldstratege ist der Vielspieler der Blauen. Er kam in dieser Saison auf 2666 Regionalligaminuten, keiner im Kickers-Kader war häufiger am Ball. Lockl war in 32 von 33 Spielen dabei, fehlte nur einmal wegen einer Gelb-Sperre. In der Vorbereitung und zu Beginn der Saison kam der 24-Jährige auf der Achterposition zum Einsatz, vom fünften Spieltag an stellte ihn Trainer Marco Wildersinn auf die Sechs. Der Neuzugang vom SV Waldhof Mannheim zog in der Schaltzentrale vor der Abwehr die Fäden, erzielte drei Saisontore, manchmal wollte er auch zu viel und ließ sich dadurch aus dem Zentrum herauslocken. Auf Lockl war Verlass, er machte auch überragende Spiele, konnte das hohes Niveau aber nicht konstant halten. Auch seine Mitstreiter im zentralen Mittelfeld, David Tomic und Lukas Kiefer, präsentierten sich wie das gesamte Team zu schwankend in ihren Leistungen.

Mario Borac – der Aufsteiger Der gelernte Innenverteidiger verdrängte Platzhirsch David Kammerbauer (28) links in der Viererkette. Das 19-jährige Eigengewächs ließ defensiv wenig anbrennen und gefiel durch Kopfballstärke und seine couragierte Spielweise im Spiel nach vorne. Die drei Saisontreffer sprechen für seine Torgefahr. In der neuen Runde wird er auf seiner Position mit Neuzugang Nico Fundel (24) vom FV Illertissen konkurrieren. Beide Spieler sind beim Spielsystem mit einer Dreierkette auch Alternativen als linker Innenverteidiger.

Weitere Themen