Stuttgarter Kunstprojekt Ist Plastik ins Meer zu werfen Kunst, Herr Bötschi?
Der Stuttgarter Clair Bötschi zeigt in einem Kunstprojekt: Wenn es ums Geld geht, ist die Moral dahin.
Der Stuttgarter Clair Bötschi zeigt in einem Kunstprojekt: Wenn es ums Geld geht, ist die Moral dahin.
Stuttgart - Clair Bötschi verkauft Zertifikate – um herauszufinden, wie Moral und Geld zusammenhängen.
Herr Bötschi, werfen Sie Plastik im Namen der Kunst ins Meer?
Genau, im Namen des künstlerischen Experiments. Es werden zwei Zertifikate verkauft, die an verschiedene Handlungen gekoppelt sind – ob Plastik ins Meer geworfen oder herausgeholt werden soll.
Und das ist Kunst?
Man kann es als Kunstwerk betrachten. Dahinter steckt die Frage, wie handeln wir? Alle haben moralische Standards, aber dann ist bei einer Entscheidung eben doch der Preis ausschlaggebend oder fliegen wir irgendwohin. Es geht um den Zusammenhang von Moral und Preis.
Was kostet denn ein Zertifikat?
Es steckt ein Preisalgorithmus dahinter: Wenn sich viele Leute entscheiden, Plastik ins Meer zu werfen, wird das Rausholen immer billiger. Es kann so weit gehen, dass man zu seinem Zertifikat noch Geld erhält. Der Algorithmus errechnet den Preis nach jedem Kauf neu. Dabei gibt es verschiedene Faktoren, die den Preis bestimmen: Nachfrage, Trend, Lagerbestand, wie viele Leute auf die Webseite gehen.
Aber gibt es ernsthaft Leute, die sich für das Reinwerfen entscheiden?
Ja, wir haben schon 169 Verkäufe – und es ist relativ ausgeglichen. Unter Umständen kann man für 14 Euro ein billiges Kunstwerk erstehen – und nimmt dafür in Kauf, dass Plastik ins Meer geworfen wird.
Aber Sie werden nicht ernsthaft Plastik ins Meer werfen?
Doch natürlich, die Kunst muss das ernsthaft machen. Es gibt in Indonesien Plastikbanken-Systeme und man kann Mittelsmännern Geld geben, damit sie das Plastik wieder zurückbringen oder eben ins Meer werfen.
Dokumentieren Sie, was ins Meer geworfen und was herausgeholt wird?
Ich will eine Ausstellung dazu machen, aber bin noch zwiegespalten, ob ich es dokumentiere, denn es geht nicht um die Leute in Indonesien, sondern die Leute hier, die eine Entscheidung treffen.
Das Gespräch führte Adrienne Braun