Stuttgarter Landgericht Motiv für Hasenheim-Mord bleibt unklar

Hasenheim-Mord wird derzeit im Stuttgarter Landgericht verhandelt. Foto: dpa/Symbolbild 10 Bilder
Hasenheim-Mord wird derzeit im Stuttgarter Landgericht verhandelt. Foto: dpa/Symbolbild

Das Stuttgarter Landgericht ist noch ratlos, was das Motiv für den so genannten "Hasenheim-Mord" angeht. Dabei war ein Frau mit Flaschen erschlagen worden.  

Esslingen: Ulrich Stolte (uls)

Filderstadt - Noch immer bemühen sich Richter und Staatsanwaltschaft vor dem Stuttgarter Landgericht darum, das Motiv dafür zu finden, warum ein 53-jähriger Angeklagter am 26.März eine 48-jährige Putzfrau getötet haben könnte. Der Mann hatte mit seinem mutmaßlichen Opfer vier Monate lang ein intensives Liebesverhältnis und soll die Frau dann mit Weinflaschen erschlagen haben.

Die Tat ist am Morgen um 7.30 Uhr geschehen, als die beiden die Vereinsgaststätte Hasenheim in Filderstadt (Kreis Esslingen) putzten. Der Angeklagte sagt, sie hätten sich gestritten, dabei sei die Frau mit dem Messer auf ihn losgegangen, er wisse aber nicht mehr, was er dann getan habe.

An den vergangenen Prozesstagen zeichneten sich jedoch zwei weitere mögliche Szenarien ab. Eifersucht könnte den Angeklagten zu der Bluttat bewegt haben. Aber auch, dass ihn die Getötete wegen einer möglichen Impotenz verspottet und zudem als "mittellos" beschimpft habe, könnte die Ursache sein. Es muss jedenfalls ein grauenhafter Anblick gewesen sein, den der Wirt der Gaststätte am Tatmorgen verkraften musste. Laut schreiend sei ein Kleintierzüchter auf ihn zugelaufen, gerade als der Wirt den Streichelzoo öffnete. Der Mann war kurz an der Gaststätte gewesen, um Zigaretten zu holen, und hatte das Opfer entdeckt.

Das Gericht zweifelt an der Notwehr-Version

Gemeinsam rannten die beiden Männer zur Terrassentür und sahen dahinter die Frau reglos liegen. Die Eingangstür sei verschlossen gewesen, der Schlüssel habe innen gesteckt. "Die Putzfrau schließt normalerweise nie ab", sagte der Wirt. Erst durch den Kücheneingang gelangten sie in den Schankraum. "Es hat ausgesehen, wie in einem Schlachthaus."

Der Wirt stürzte zum Opfer und kniete sich in eine Lache aus Blut und Scherben. Dabei habe er gesehen, dass der Schädel der Frau eingeschlagen gewesen sei. Er habe ihren Kopf noch hochgehoben, bis ihm klar geworden sei, dass jede Hilfe zu spät komme. Neben der Toten stand eine Weinflasche, daneben lagen Messer verstreut. Diese, so mutmaßte der Wirt, seien herabgefallen, als die Sterbende im Niedersinken in die Besteckkörbe gegriffen habe.

Zwar hatte der Angeklagte auch eine tiefe Schnittwunde an der Hand, doch sie stamme, so die Aussage eines Gerichtsmediziners, wahrscheinlich von einer Glasscherbe. "Wir haben Zweifel an Ihrer Aussage, dass das Opfer mit einem Messer auf Sie losgegangen sei", sagte die Vorsitzende Richterin zu dem Angeklagten, "wir glauben, es steckt etwas anderes dahinter."

Die dritte Variante: gekränkte Eitelkeit

Das "andere" könnte eben Eifersucht des Angeklagten auf einen Landsmann sein, der am Dienstag extra aus dem ehemaligen Jugoslawien gekommen war, um zur Aufklärung der Bluttat beizutragen. Er habe die Angeklagte bei einem seiner seltenen Besuche in Deutschland kennengelernt, sagte er. Er sei einmal mit ihr einkaufen gewesen, habe aber kein Verhältnis mit ihr gehabt und schon gar kein intimes. Nur mit dem Sohn der Angeklagten habe er sich über Facebook unterhalten. Ihr selbst habe er nur zwei- oder dreimal eher oberflächliche SMS geschickt.

Doch auch ein drittes Szenario könnte ein Motiv für die Bluttat ergeben. Zum Prozessauftakt hatte der Mann von Potenzproblemen gesprochen und berichtet, die Frau habe ihn deshalb verhöhnt. Ob das stimmt und ob der Mann voll schuldfähig ist, versuchen die Gutachter in den nächsten Verhandlungstagen zu klären. Das Urteil wird Ende November erwartet.

Es könnte eine Tat aus Eifersucht gewesen sein - oder aus verletzter Eitelkeit.




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