Stuttgarter Messeherbst 2019 Wo sich Erfinder und Tüftler austauschen können

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Zum ersten Mal findet beim Stuttgarter Messeherbst auch das Morgenmacherfestival statt – ein Treffen für Querdenker, Künstler, Raketenwissenschaftler, Gründer und Weltverbesserer.

Die „Steampunkmaker“ basteln Geräte aus alten Materialien. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Die „Steampunkmaker“ basteln Geräte aus alten Materialien. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Basteln, bauen, werkeln – zum ersten Mal präsentieren im Rahmen des Stuttgarter Messeherbstes Tüftler und Erfinder ihre Ideen. Bei dem ersten Morgenmacher-Festival geht es um Ideen, Visionen und Konzepte für die Zukunft. Von Donnerstag, 21. November, bis Sonntag, 24. November, findet der Treffpunkt für alle Macher statt.

„Das ist eine absolute Premiere auf der Messe Stuttgart“, sagt Guido von Vacano, Bereichsleiter für die Messen Lifestyle und Freizeit. Von Tradition bis Zukunft, von Werkstatt bis Bühne – den Machern sind keine Grenzen gesetzt. „Wir haben auch keine Aussteller, die etwas verkaufen wollen, sondern die Macher vermitteln den Besuchern etwas für ihre Zukunft“, ergänzt von Vacano.

Technische Heimwerker: Die Maker-Szene präsentiert sich in Stuttgart

Es ist ein Festival, auf dem sich Tüftler, Querdenker, Künstler, Raketenwissenschaftler, Gründer und Weltverbesserer austauschen können – sogenannte „Maker“. So nennen sich die Anhänger einer weltweiten Bewegung, die neue Dinge selbst herstellt oder existierende umbaut, und dabei meist aktuelle Technik einsetzt – quasi Heimwerker mit Technikbezug.

Victoria und Victor Steam sind solche Maker. Zusammen nennen sich die beiden die „Steampunkmaker“. Sie tragen viktorianisch anmutende schwarze Kleider mit goldenen Mustern. Sie basteln Geräte aus alten Materialien wie einen Zylinder mit einem eingebauten Uhrwerk, oder einen Mini-Zylinder für die Dame mit eingebautem Rauchgenerator. Ihre Namen sind natürlich Künstlernamen, angelehnt an die subkulturellen Szene, der sie sich in ihrer Freizeit zugehörig fühlen: Steampunk.

Vom ausgefallenen Hobby hin zur Lebenseinstellung

Aber was ist dieses Steampunk? Das Wort leitet sich aus dem englischen steam (Dampf) und punk (mies oder wertlos) ab und bezeichnet eine Bewegung, die als literarische Strömung erstmals in den 1980ern auftrat und sich zu einem Kunstgenre, einem Stil und einer Subkultur entwickelt hat. „Ich habe angefangen mich für die Mode, die Historie dieser Zeit zu interessieren und mich von Zeitschriften inspirieren lassen“, erzählt Victoria Steam. Nebenbei hatte sie schon angefangen, zu basteln. „Irgendwann breitet sich das Hobby aus . . .“, sagt Victoria Steam. „. . . und dann wird es zur Lebenseinstellung“, ergänzt ihr Freund Victor. Er ist Techniker von Beruf und hat sich von seiner Freundin für diese Bewegung begeistern lassen. „Seitdem sind meine Geräte auch funktionaler“, erzählt sie und lacht.

Viele Maker leben ihr Hobby intensiv aus. Marie-Luise Klenk (25) ist Schreinerin und hat eigentlich nur eine Drechselbank gesucht. Dabei wurde sie auf die Werkstatt Hobbyhimmel in Feuerbach aufmerksam. „Da gab es eine richtig große gusseiserne Drechselwerkstatt und viele verrückte Leute, die gerne basteln“, sagt sie. Seitdem werkelt sie dort in ihrer Freizeit, lötet mit Kindern kleine Tannenbäume. Aber sie versucht eben auch mit ihren Mitstreitern anderen Leuten zu vermitteln, dass sie ihre Sachen auch selbst reparieren oder teilen. „Nicht jeder braucht ja seinen eigenen Akkuschrauber zu Hause.“

Diskussionen um Klima und Umweltschutz

Das Morgenmacher-Festival ist eine von neun Messen, die von Donnerstag bis Sonntag auf der Landesmesse Stuttgart stattfinden. Insgesamt gibt es rund 150 Maker-Stationen von Privatpersonen und Vereinen – quasi ein kleines Erfinder-Dorf. Inspirieren lassen habe man sich nicht nur von der Maker-Szene, sondern auch von der Fridays for future-Bewegung, sagt von Vacano.

Deshalb habe man in der Mitte der Halle die „Macher-Bühne“ aufgebaut, um über Zukunftsthemen diskutieren zu können. Es geht zum Beispiel darum, wie man plastikfrei einkauft, wie man Klimazweiflern die Zweifel nimmt beziehungsweise wie die Klimaziele überhaupt erreicht werden können. Unter dem Motto „Schüler gestalten ihre Zukunft“ präsentieren junge Menschen ihre Start-up-Ideen.

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