Stuttgarter „Messiah“ am ersten Adventswochenende Der Stuttgarter „Messiah“ rockt

Passen noch mehr auf dieses Chorpodium? Probenszene bei Gospel im Osten. Foto: Gospel

Gospel im Osten tritt am ersten Adventswochenende viermal mit seiner Version von Händels Oratorium „Messias“ auf in der Friedens- sowie in der Heilandskirche.

Lokales: Armin Friedl (dl)

Vor mehr als 250 Jahren wurde Georg Friedrich Händels Oratorium „Der Messias“ uraufgeführt. Nach wie vor zählt es zu den Werken der ersten Wahl, wenn ein Chor seine Stärken zeigen will. Und da gibt es ja schließlich noch die „Halleluja“-Chorpassage, die so ziemlich jeder kennt.

 

Inspiriert von Quincy Jones

Die Stuttgarter Version des „Messiah“ ist da noch sehr jung, gerade mal vier Jahre her ist die Uraufführung. Immerhin gibt es eine CD-Einspielung von 2021. Grund genug also, um mal wieder darauf aufmerksam zu machen. Und Gospel im Osten macht dies am ersten Adventswochenende gleich viermal: am Freitag, 1. Dezember, sowie am Samstag, 2. Dezember, jeweils um 20.15 Uhr in der Friedenskirche (Friedensplatz 1). Und am Sonntag, 3. Dezember, gleich zwei Aufführungen um 10.30 Uhr und um 19 Uhr in der Heilandskirche (Sickstraße 41). Und da spielt dann auch eine Liveband mit einigen Bläsern dazu auf.

Der Komponist Cornelius Schock und Thomas Dillenhöfer, der Künstlerische Leiter von Gospel im Osten, haben sich da von einem Projekt des US-amerikanischen Produzenten Quincy Jones aus dem Jahre 1992 inspirieren lassen, der für seine Sicht auf den Oratoriums-Klassiker Größen wie Stevie Wonder, Al Jarreau, Dianne Reeves und Patti Austin ins Studio geholt hat. Das haben die Versionen von Jones und Schock gemeinsam: Der Originaltext bleibt so, wie ihn Händel einst vertont hat, ebenso markante Melodien. Neu sind eben die Arrangements, Rhythmen und Gesangfarben, die aus der Pop- und Rockwelt des späten 20. Jahrhunderts kommen, die heute noch Garanten für ausgelassene Partys sind. Die Stuttgarter Version ist allerdings etwas Rock-betonter und vor allem Chor-betonter, denn ein 400 Personen starker Klangkörper wie Gospel im Osten stand dem international agierenden Produzenten Jones nicht zur Verfügung.

Die Kirche ist voll bei den Proben

Und das bleibt ein Phänomen, dass nach wie vor Woche für Woche mehr als 400 Leute in die Heilandskirche kommen zu einem Probentermin. Inzwischen sollen es sogar mehr als 600 sein, die so für ein bestens gefülltes Gotteshaus sorgen, auch ohne Publikum. Und Schock hat diesen „Messiah“ seit der Uraufführung um drei weitere Stücke ergänzt. „Vor allem die Themen Weihnachten und Advent sind bisher zu kurz gekommen“, so Schock. Aber die historische Vorlage bietet da ja genug Stoff.

Alle 600 Chorstimmen werden an diesem ersten Adventswochenende allerdings nicht auf einmal zu hören sein: „Vier Auftritte kurz hintereinander beanspruchen zu sehr die Stimme, wenn man nicht gerade Profi ist“, so Schock. Und er macht auch darauf aufmerksam: „Gospel im Osten ist ja kein Konzertchor, der so viel wie möglich auftreten möchte. Für viele sind die Proben schon das Ereignis, dem sie entgegenfiebern.“ Und auch sonst nimmt der Chor neue Verpflichtungen auf sich. Landesweit ist die Friedenskirche seit diesem Jahr die einzige Gospelkirche in Süddeutschland. Und Gospel im Osten ist vor allem dafür verantwortlich, dass dies nicht nur ein Etikett ist, sondern mit möglichst viel Inhalt gefüllt ist.

Sprich: Um die bislang zwei Gottesdienste im Monat als Gospelhaus auszufüllen, müssen jetzt viele neue Stücke geprobt werden. Da ist auch Schock als Komponist gefordert. Und speziell im Dezember gibt es am 5., 12. und 19. Dezember jeweils um 18 Uhr außerdem noch ein Adventssingen auf dem Platz vor der Kirche.

Gospel im Osten bespielt die Gospel-Friedenskirche

Andere Chöre sind interessiert

Auch sonst wird einiges unternommen zur weiteren Verbreitung des Stuttgarter „Messiah“. Schock hat dazu Klavierauszüge vorbereitet, nach denen dann auch andere dieses Werk Stimme für Stimme einspielen können. Denn für diese Version ist kein studierter Sänger notwendig, sondern Menschen mit viel Lust am Singen und Rhythmus im Blut. Das ist auch das Anliegen von Schock: „Das ist schon so konzipiert, dass dies auch an Schulen umgesetzt werden kann.“ Im evangelischen Kantorat von Rottenburg am Neckar entsteht derzeit ein Ensemble speziell für diesen „Messiah“.

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