Stuttgarter OB-Wahl Prägungen als Beamtenkind

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Wie kommt man mit 14 auf die Idee, ein Unternehmer sein zu wollen?
Das war eher eine Nebenwirkung. Ich habe am Karls-Gymnasium eine Schülerzeitung herausgebracht, dann eine Stadtschülerzeitung für ganz Stuttgart. Wenn Sie so ­etwas tun, sind Sie automatisch Unternehmer. Daraus wurde ein Verlag, der bis heute besteht. Genauso wollte ich später in der sich selbst befreienden DDR etwas auf die Beine stellen. In den letzten fünf Jahren war mein Thema die Wissenschaft.

Eigentlich könnte man bei einem Beamtenkind eine andere Prägung vermuten.
Vielleicht. Aber mein Vater (Anmerkung der Redaktion: George Turner, unter anderem früherer Unipräsident in Hohenheim) hat sich immer die Aufgaben ausgesucht, bei denen er etwas bewegen konnte. Das verbindet uns.

Haben Sie sich an Ihrem Vater abgearbeitet oder sind Sie ihm nachgestrebt?
Das weiß ich nicht, ich kann es wirklich schwer einschätzen. Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem.

Ihr Vater ist Jahrgang 1935, stammt also aus der späten Kriegsgeneration. War das bei Ihnen zu Hause ein Thema?
Mein Vater ist auf einem Bauernhof in Ostpreußen aufgewachsen und hat vom Krieg zunächst wenig mitbekommen. Die Flucht war für ihn sicher prägend. Aber der Krieg war bei uns kein großes Thema. Die Großväter waren gefallen, die Großmütter hatten ihre Kinder durchzubringen.

Sowohl Sie als auch Ihr Vater werden immer wieder mit der englischen Aussprache Ihres Nachnamens angesprochen. Gibt es tatsächlich Verbindungen ins Angelsächsische?
Nicht beim Namen. Er ist im Englischen geläufiger als im Deutschen, dabei stammt unser Name aus Salzburg. Er hat auch nichts mit dem Turnen zu tun, sondern geht auf den Beruf des Türmers oder Turmherrn zurück. Daraus wurde dann „Turner“.

Womit wir beim Rathausturm angekommen wären. Sind Sie eigentlich in Ihrer neuen Rolle als Politiker schon angekommen?
Natürlich nicht, ich bin schließlich im ersten Lehrjahr. Aber es macht mehr Freude als gedacht.

Im ersten Lehrjahr wird man normalerweise nicht Chef.
Im nächsten Januar, wenn der neue OB sein Amt antritt, ist mein erstes Lehrjahr vorbei. Aber im Ernst: es ist nicht so, dass ich neugeboren an die Sache herangehe. Ich habe drei Jahrzehnte Führungserfahrung in der Wirtschaft. Ich habe 1600 Mitarbeiter in 20 Ländern geführt.

Ihre Mitbewerber argumentieren, die Politik sei dennoch ein anderes Geschäft.
Und deswegen soll ein Bürger nicht Oberbürgermeister werden dürfen? Das ist eine Umkehrung des demokratischen Prinzips, da wollen die Vertreter aus Parteien und Behörden schön unter sich bleiben. Wer von außen kommt, kann frischen Wind bringen – wie Klaus von Dohnanyi, Richard von Weizsäcker oder Kurt Biedenkopf. Die waren in der Wirtschaft vor der Politik.

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