Stuttgarter OB-Wahl Minenfeld im Wahlkampf

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Das war eine Momentaufnahme. Sprache kann nicht nur verbinden, Sprachprobleme können auch trennen.
Stimmt, aber wir dürfen nicht übersehen, dass die meisten Zuwanderer großartige Stuttgarter sind, die den Karren mitziehen. Für mich stellen sich drei wesentliche ­Fragen für Stuttgart: Bildung, Nachbarschaft und Arbeit. Das heißt: Wie sichern wir als Industrieregion langfristig unseren Wohlstand?

Das führt uns ins größte Minenfeld im Wahlkampf: Stuttgart 21. Sie stellen sich als ­einziger Kandidat kompromisslos hinter das Projekt.
Stuttgart 21 ist in vielem zu einem Symbol geworden, das sich von der Sachfrage längst gelöst hat. Zum einen dürfen wir in Stuttgart nicht in eine verkehrspolitische Randlage geraten. Zum anderen ist es nicht zu übersehen, dass wir unter einer extremen Wohnungsnot leiden – dafür haben wir jetzt die Chance, freie Fläche in der Stadt nutzen zu können.

Die Menschen sehen in Stuttgart die Bankentürme neben dem Bahnhof und die Pläne für das ECE-Shoppingcenter. Für beides können sich die meisten kaum erwärmen.
Ich mich auch nicht. Die LBBW, das Milaneo und andere Kisten sind verschenkte städtebauliche Chancen. Doch jetzt besitzt die Stadt die Möglichkeit, das Rosensteinviertel selbst zu gestalten. Das ist eine Chance, wie sie keine andere Stadt in Europa vor sich hat.

Ein OB Turner wäre also weniger investorengläubig?
Er wird überhaupt nicht investorengläubig sein. Was den Glauben angeht, bin ich evangelisch. Der Streit um den Bahnhof hat in ganz Europa Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Das müssen wir mit Verstand nutzen.

Sie glauben also, dass die Stadt von dem heftigen Streit am Ende profitiert?
Ja! Und darin liegt auch ein Teil der Versöhnung: Den Bahnhofsbefürwortern verdanken wir den entstehenden Freiraum, und den Bahnhofsgegnern verdanken wir hohe Maßstäbe bei der Qualität. Ich stelle mir vor, dass die Stuttgarter Exkursionen nach ganz Europa unternehmen. Dorthin, wo in den vergangenen 150 Jahren großflächige Stadtgestaltung stattgefunden hat. Unter Führung fachkundiger Architekten sollen sie sich eine Meinung bilden und mit einem Pflichtenheft zurückkehren: Dieses wollen wir in Stuttgart haben und jenes nicht.

Wer sollte dabei sein?
Jeder, der will. Befürworter und Gegner – am liebsten immer miteinander gemischt in einem Zugabteil.

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